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Staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen ("offener Rücken") |
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" Die Hälfte dieser Fehlbildungen könnte verhindert werden, wenn alle Frauen vier Wochen vor bis vier Wochen nach der Empfängnis ausreichend das Vitamin Folsäure z.B. mit einem Multivitaminsaft zu sich nehmen würden."
In den ersten 28 Tagen nach der Befruchtung der menschlichen Eizelle kommt es bei 999 von 1000 Embryonen zum Schluß des Neuralrohrs. Sofern keine anderen Störungen in der Entwicklung auftreten, werden dies gesunde Kinder. Bei 1 von 1000 Embryonen jedoch bleibt der Schluß dieses Neuralrohrs aus mit fatalen Folgen:
Neuralrohrdefekte betreffen in Deutschland pro Jahr etwa 800 Kinder. Die Diagnose wird in vielen Fällen bereits vorgeburtlich gestellt. Bei etwa 500 von diesen Kindern entscheiden sich die Eltern für einen Schwangerschaftsabbruch, um den Kindern ein Leben mit schwerer Behinderung zu ersparen. Dies ist für die betroffenen Eltern eine schwere Entscheidung, da die Diagnose fast immer erst im 2. Drittel der Schwangerschaft gestellt werden kann, d.h. zu einem Zeitpunkt, bei dem die Mutter bereits die ersten Kindsbewegungen gespürt haben kann.
Wie können Neuralrohrdefekte verhindert werden?
Etwa die Hälfte der in Deutschland pro Jahr auftretenden Fälle könnte verhindert werden. In zahlreichen internationalen Studien wurde gezeigt, daß eine zusätzliche Einnahme von Folsäure um den Konzeptionszeitpunkt (d.h. etwa 4 Wochen vor und 4 Wochen nach der Empfängnis) das Risiko für Neuralrohrdefekte zu reduzieren vermag. Eine solche Steigerung der Folsäurezufuhr wird u.a. in den USA, in England, den Niederlanden und der Schweiz und, seit Juni 1994, auch in der Bundesrepublik Deutschland empfohlen.
Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin, das z.B. in dunklem Blattgemüse wie Spinat und Kohlsorten wie Wirsing, Broccoli oder Grünkohl und Hülsenfrüchten in relativ hoher Konzentration enthalten ist. Folsäurereich unter den tierischen Produkten ist die Leber, jedoch wird Schwangeren vom regelmäßigen Verzehr aus verschiedenen Gründen (z.B. Schadstoffbelastung) abgeraten. Folsäure ist ein sehr empfindliches Vitamin. Es verträgt weder Hitze noch Licht oder Sauerstoff und ist außerdem noch wasserlöslich. Daher können bei der Lagerung und Zubereitung beträchtliche Vitaminverluste auftreten, die unter ungünstigen Bedingungen mehr als 50 % betragen. Um diese Verluste möglichst gering zu halten, sollten die Nahrungsmittel nicht unnötig lange im Wasser liegen (z.B. Salat) und frisch und schonend zubereitet werden (Garen in der Mikrowelle, Dünsten mit wenig Wasser).
Hinweise für die Praxis
1. Welche Frau sollte ihre Folsäurezufuhr um wieviel steigern?
Jede Frau im gebärfähigen Alter - es sei denn, daß durch die Art der Lebensführung oder eine effektive kontrazeptive Behandlung eine Schwangerschaft auszuschließen ist. Unbedingt sichergestellt werden sollte jedoch eine zusätzliche Folsäurezufuhr, wenn eine Schwangerschaft geplant ist.
| Þ eine Dosis von 0,4 mg pro Tag ist in jedem Fall anzustreben. |
| Þ für Frauen, bei denen in einer früheren Schwangerschaft bereits ein Neuralrohrdefekt aufgetreten ist oder in deren Familie Neuralrohrdefekte bekannt sind, wird eine Dosis von 4 mg pro Tag empfohlen. |
2. Wie lange ist eine Steigerung der Folsäurezufuhr um 0,4 mg (4 mg) pro Tag notwendig?
Vier Wochen vor der Empfängnis bis zum Abschluß des ersten Schwangerschaftsmonats sollte die zusätzliche Folsäureeinnahme unbedingt erfolgen. Da Folsäure jedoch ein wichtiges Vitamin ist, das bei der Teilung aller Zellen von Bedeutung ist, ist es sinnvoll, die Folsäurezufuhr während der ersten 3 Monate der Schwangerschaft auf diesem Niveau zu halten.
3. Wie wird eine Steigerung der Folsäurezufuhr um etwa 0,4 mg (4 mg) pro Tag erreicht?
Die übliche Mischkost ist selbst für eine Dosis von 0,4 mg leider kaum ausreichend. Um annähernd diese Folsäurenmengen aufzunehmen, müssen pro Tag fünf Portionen Obst und Gemüse aufgenommen werden, und zwar möglichst frisch und wenig oder schonend verarbeitet. Unter optimalen Bedingungen könnte z.B. mit 300 g Spinat etwa die Hälfte der täglich erforderlichen Folsäuremenge zugeführt werden.
Eine Steigerung der täglichen Folsäureaufnahme um 0,4 mg pro Tag ist auch bei gutem Ernährungswissen kaum zu realisieren. Daher empfiehlt es sich, ggf. Auf vitaminierte Getränke (Multivitaminsäfte), angereicherte Frühstücksgetreideprodukte bzw. Vitamintabletten auszuweichen, die jedoch unbedingt auch Folsäure enthalten sollten (was häufig nicht der Fall ist). Der sicherste Weg zur Einhaltung der empfohlenen täglichen Steigerung der Folsäurezufuhr ist die Einnahme von reinen Folsäurepräparaten, die 0,4 mg bzw. 4 mg Folsäure/Kapsel enthalten. Diese sogenannten Monopräparate sind allerdings nur in der Apotheke erhältlich.
Die folgende Tabelle gibt Hinweise, wie eine Steigerung der Folsäurezufuhr realisiert werden kann:
Gute Folsäurelieferanten in Lebensmitteln |
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Gemüse
und Salate:
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Obst:
Multivitaminsäfte: Mit 1 - 2 Glas pro Tag, abhängig vom angegebenen Folsäuregehalt, ist die angestrebte Zufuhr von 0,4 mg pro Tag erreichbar. |
Getreide,
Getreideprodukte:
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Präparate mit der notwendigen Folsäuremenge (0,4 mg) |
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Autoren: PD Dr. Jutta Gärtner, Dr. Reinhild Prinz-Langenohl, Prof. Dr. Klaus Pietrzik, Prof. Dr. Rüdiger von Kries