Warum impfen?

Autor: Dr. V. Juds Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen, Stand Dezember 2006

8 Fakten

Impfungen schwächen nicht die Körperabwehr, sondern stärken sie.
Der Schaden, den die Krankheiten anrichten können, ist um ein Vielfaches schlimmer als die möglichen Folgen einer Impfung.
Auch "harmlose" Kinderkrankheiten können zum einen schwere Komplikationen mit sich bringen, zum anderen Ursache von Entwicklungsstörungen sein.
Auch ungeschützte Erwachsene können "Kinderkrankheiten" bekommen.
Gegen Viruskrankheiten gibt es im allgemeinen keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit.
Die Herstellung der Impfstoffe ist sicher.
Der Schutz der Nichtgeimpften beruht auf dem guten Durchimpfungsgrad aller anderen
Impfungen sind wirksam und verhindern Epidemien

 

Impfungen in Stichworten
(Von der STIKO empfohlene Impfungen für Kinder und Jugendliche)

Diphtherie

(bedeutet "Haut, Membran"). "Würgeengel der Kinder". Wichtigste Todesursache bei Kindern bis Beginn unseres Jahrhunderts. Das Bakterium wird als Tröpfcheninfektion übertragen, etwa drei Tage nach der Ansteckung bilden sich die typischen Beläge auf Mandeln und Kehlkopf. Gefahr durch den Giftstoff, der Herzmuskel, Nerven schädigen und zu Organversagen führen kann. Bei dem Impfstoff handelt es sich um ein Toxoid, die Impfung richtet sich also gegen den Giftstoff, schützt nicht vor Ansteckung, sondern vor den schweren Folgen einer Diphtherieerkrankung. Auch Erwachsene brauchen alle 10 Jahre eine Auffrischung. Anfang der 90er Jahre Epidemie in Osteuropa (z.B. 1995 50.000 Erkrankungen, davon 2500 Todesfälle, entspricht 5%), während in Deutschland jährlich nur unter 10 Personen erkranken (1997: 3; 1998: 1).
 

Tetanus

Der Erreger, ein Bakterium, kann überall im Boden, in Dreck und Schmutz vorkommen und über kleinste Wunden wie Hautrisse in den Körper gelangen. Wie bei der Diphtherie besteht die Gefahr in der Giftwirkung, die die Atemmuskulatur lähmen kann. Trotz der Möglichkeiten der Intensivmedizin sind nicht alle Patienten zu retten. In Deutschland werden jährlich unter 15 Erkrankungen gemeldet (1997: 11, darunter 2 Todesfälle; 1998: 7). Wie bei der Diphtherie handelt es sich beim Impfstoff um ein Toxoid, auch Erwachsene brauchen alle 10 Jahre eine Auffrischung.
 

Pertussis (Keuchhusten)

("Hundert-Tage-Husten"). Der Erreger, ein stäbchenförmiges gramnegatives Bakterium namens Bordetella pertussis, wird per Tröpfcheninfektion übertragen. Die Krankheit wird meist erst 2-3 Wochen nach der Ansteckung erkannt, wenn der typische Keuchhusten auftritt. Die Patienten sind aber leider schon im vorherigen katarrhalischen Stadium hochinfektiös. Der Husten dauert in der Regel 8 Wochen, mit nächtlicher Atemnot; auch Atemstillstände mit Todesfolge sind möglich, vor allem bei Säuglingen im 1. Lebensjahr; im Verlauf können auch Lungenentzündung, Gehirnentzündung mit Krämpfen und Hirnschäden auftreten. Noch nicht geimpfte Säuglinge profitieren vom Impfschutz ihrer älteren Geschwister. Beim Impfstoff handelt es sich um inaktivierte Ganzkeime oder azelluläre Antigenkomponenten des Bakteriums z.B. mit einem Teil von dessen Toxinen (Giftstoffen). Als die Impfempfehlung vorübergehend (1975 - 1991) aufgehoben war, Anstieg der Erkrankungszahlen. In der BRD damals geschätzt ca. 80 Erkrankungen / 100.000 Einwohner (1974 - 1989: 117 Todesfälle). In der DDR dagegen mit Impfpflicht unter 1 Erkrankung / 100.000 Einwohner sowie nur 1 Todesfall in diesem Zeitraum. In England beispielsweise 1974 Durchimpfungsrate 80%, 1978 nur noch 31%, in den Jahren 1977-79 Keuchhustenepidemie mit 102.500 Erkrankten und 27 Todesfällen. In den USA vor Einführung der Impfung 250.000 Erkrankungen im Jahr, seit Erreichen einer Durchimpfungsrate von 90% nur noch 2.000.
 

Haemophilus influenzae Typ b (HIB)

Vor Einführung der Impfung war das Bakterium der häufigste Erreger der eitrigen Hirnhautentzündung (Meningitis) bei Kindern mit bis zu 30%. Bei etwa einem Drittel kam es zu bleibenden Hirnschäden, jedes fünfte Kind verstarb. HIB verursacht darüber hinaus eine Entzündung des Kehldeckels mit Erstickungsgefahr. In Deutschland ging seit Einführung der Impfung 1990 die Erkrankungsrate auf ein Zehntel zurück. In unserem Landkreis ist leider 1989 noch vor Einführung der Impfung ein vierjähriges Kindergartenkind an den Folgen einer HIB-Meningitis verstorben. In den Jahren 1995 und 1996 erkrankten zwei ungeimpfte Kinder im Alter von 1 bzw. 2 Jahren.


Hepatitis B

Der Erreger, ein Virus, das bei 5 - 10 % eine chronische Leberentzündung und bei einem Drittel davon eine Leberzirrhose und sogar Krebs hervorrufen kann, wird über Blut und Sexualkontakte übertragen. Man schätzt, daß etwa 1000 Neugeborene über ihre Mutter angesteckt werden mit bis zu einem Viertel Todesfällen. Früher hat man nur bestimmte Risikogruppen wie z.B. Krankenhauspersonal geimpft. Da kein Rückgang der gemeldeten Erkrankungen von etwa 5000 (geschätzt 50.000) pro Jahr festzustellen war, wird die Impfung jetzt allgemein empfohlen. Die Impfung erfolgt bereits im ersten Lebensjahr, weil Kleinkinder besonders schwer erkranken können und über Kratzverletzungen beim Spielen besonders infektionsgefährdet sind. Der Impfstoff wird gentechnisch hergestellt, so daß die Übertragung anderer Krankheiten ausgeschlossen ist.
 

Polio (Kinderlähmung)

Das Virus mit drei Subtypen wird als Schmierinfektion und fäkooral übertragen, d.h. über Lebensmittel, auch Trinkwasser, die mit den Ausscheidungen Infizierter verseucht sind. Die Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch (Inkubationszeit) dauert im Schnitt 10 Tage. Meist verläuft die Infektion unentdeckt, von 1000 Angesteckten erkranken nur 6. Allerdings kommt es bei jedem 100. bis 1000. Erkrankten durch Zerstörung motorischer Nervenzellen im Rückenmark zu bleibenden Lähmungen z.B. der Beine oder des Zwerchfells (Aus früheren Zeiten bekannt die "Eiserne Lunge"). Jahrzehnte später kann es zum Auftreten eines sogenannten Post-Polio-Syndroms mit chronischer Müdigkeit, Schwäche und Schmerzen in den Muskeln sowie Atembeschwerden kommen. Eine ursächliche Behandlungsmöglichkeit gibt es noch nicht. Auch Erwachsene können an Kinderlähmung erkranken. 1961 wurden vor Einführung der Schluckimpfung noch 4661 Erkrankungen registriert, vier Jahre später, also 1965, waren es nur noch weniger als 50. Die letzten beiden durch einheimische Wildviren verursachten Polioerkrankungen in Deutschland traten 1986 und 1990 auf. In Bayern selbst war dies letztmals 1979 der Fall, seither wird die Erkrankung nur noch von außen eingeschleppt. So erkrankte beispielsweise 1990 ein ungeimpfter 10 Monate alter Säugling aus unserem Landkreis auf einem Heimaturlaub in der Türkei. Wie wichtig der Impfschutz ist, zeigt ein Polio-Ausbruch 1992/93 in den Niederlanden, wo 68 Impfgegner infiziert wurden. Da die Schluckimpfung in extrem seltenen Fällen selbst zu einer Kinderlähmung führen kann und die Kinderlähmung in Deutschland praktisch ausgerottet ist, wird jetzt statt der Schluckimpfung ein einzuspritzender Polio-Impfstoff mit nicht vermehrungsfähigen (inaktivierten) Polioviren empfohlen. Eine routinemäßige Wiederimpfung bei Erwachsenen wird nicht mehr empfohlen, sondern nur noch bei Auslandsreisen in gefährdete Gebiete.
 

Masern

Die folgenden drei Impfungen werden am besten in einer Kombination (MMR) verabreicht. Es handelt sich jeweils um Virusinfektionen. Im Gegensatz zu oft geäußerten Meinungen sind die Masern keine harmlose Kinderkrankheit, deren Durchmachen "gesünder" sei. Bei der Hälfte der Erkrankungen finden sich Veränderungen im EEG als Ausdruck einer Hirnbeteiligung, bei einem Fünftel der Kinder zeigt sich im Anschluß ein Entwicklungsknick mit Konzentrationsschwächen und sozialen Anpassungsschwierigkeiten. Zu 7% treten Komplikationen an Augen, Nasennebenhöhlen, Mittelohr, Bronchien und Lunge sowie Schwächung des Abwehrsystems auf. Bei 1 von 2000 Erkrankten entwickelt sich eine Hirnentzündung (Enzephalitis) mit 30% Todesrate und 20% Defektheilungen. Vor Einführung der Schutzimpfung starben in Deutschland 100 bis 150 Erkrankte pro Jahr, jetzt nur noch 1 bis 10. Während in der alten Bundesrepublik mit einer zu niedrigen Durchimpfungsrate von 70% die Erkrankungszahlen pro Jahr auf 70.000 (30.000 bis 100.000) geschätzt wurden, waren in der damaligen DDR mit einem Durchimpfungsgrad von über 90% nur 20 bis 200 Erkrankungen zu verzeichnen (1988 vor der Wende sogar nur 17). So hochansteckend das Masern-Virus ist, so hochwirksam ist auch die Impfung.
 

Mumps

("Ziegenpeter"). Das Mumps-Virus befällt nicht nur die Ohrspeicheldrüse (häufigste Ursache für einseitige Ertaubung im Kindesalter), sondern auch die Hoden (häufigste Ursache für Sterilität beim Mann nach der Pubertät). Bei jedem 10. Erkrankten treten auch zentralnervöse Komplikationen auf, in 5 bis 10% Hirnhautentzündung (Meningitis).
 

Röteln

Während die Röteln bei Erkrankten extrem selten zu Komplikationen führen (gefährliche Folgeerkrankung progressive Rötelnpanenzephalitis mit fortschreitenden intellektuellen und psychischen Veränderungen bis hin zu epileptischen Anfällen), sind Babys im Mutterleib besonders gefährdet. Bei der Rötelnembryopathie kommt es zu Schädigungen des ungeborenen Kindes bei einer Infektion der ungeschützten Mutter während der Schwangerschaft. Zu 25% sind schwere Dauerschäden an Auge, Herz und Gehirn zu befürchten. Man schätzt, daß noch immer jährlich etwa 100 behinderte Kinder zur Welt kommen und weitere 1000 abgetrieben werden wegen einer Rötelninfektion.


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Impfkalender für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene (pdf-Datei)   

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