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Campylobacter Infektionen |
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Erreger
Die bakteriellen Erreger der Gattung Campylobacter (C.) sind gramnegative Stäbchen mit spiral- oder S-förmiger Gestalt. Es gibt verschiedene Spezies und Subspezies, die zu unterschiedlichen Krankheitsbildern führen können. Am häufigsten kommen Infektionen durch Campylobacter jejuni vor, nur etwa 5 % der menschlichen Campylobacter-Erkrankungen entstehen durch andere Spezies. Enteritische Krankheitsbilder werden durch C. jejuni verursacht, extraintestinale Krankheiten durch C. fetus.
Vorkommen
Infektionen durch Bakterien der Gattung Campylobacter sind weltweit verbreitet. Schätzungsweise 5-15 % der ätiologisch geklärten Erkrankungen an Diarrhoe werden weltweit durch Campylobacter verursacht. In der warmen Jahreszeit treten diese Erkrankungen in Europa vermehrt auf. Sie spielen eine bedeutende Rolle bei der Reisediarrhoe. Wie bei vielen Enteritiden anderer Genese sind auch bei Campylobacter-Infektionen Kinder und Jugendliche besonders häufig von Erkrankungen betroffen. - In Deutschland nehmen Campylobacter-Infektionen unter den bakteriellen Darminfektionen gegenwärtig den zweiten Rang nach den Salmonellen ein. Die jährliche Inzidenzrate weist jahreszeitlich und regional bedingte Unterschiede auf. In den Bundesländern mit einer differenzierten Meldung sind Meldeinzidenzraten zwischen 10 und 50 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner zu beobachten.
Reservoir
Das hauptsächliche Erregerreservoir sind Wildtiere, insbesondere Wildvögel, z. B. Enten, Gänse und Möwen. Eine Übertragung dieser Erreger kann aber auch von Hausgeflügel, Rindern, Schweinen, Schafen, Hunden, Katzen und Nagetieren ausgehen.
Infektionsweg
Campylobacter werden überwiegend durch die Nahrung, z. B. nicht ausreichend durchgegartes Geflügelfleisch, rohe Milch und Milchprodukte, oder durch mit Oberflächenwasser kontaminiertes Trinkwasser sowie infizierte Haustiere im Umfeld von Kindern übertragen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist ungewöhnlich.
Inkubationszeit
In der Regel 2-7 Tage, in Einzelfällen 1-10 Tage.
Dauer der Ansteckungsfähigkeit
Die Patienten sind ansteckend, solange Erreger im Stuhl ausgeschieden werden. Personen, die nicht antibiotisch behandelt werden, können die Erreger über einen Zeitraum von 2-4 Wochen ausscheiden. Bei Immundefizienz, z. B. bei AIDS-Patienten, ist mit einer Langzeitausscheidung zu rechnen.
Klinische Symptomatik
Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch. Manifeste Erscheinungen einer Infektion mit C. jejuni bieten gewöhnlich das Bild einer akuten Enteritis, die nicht von Enteritiden anderer Genese zu unterscheiden ist. Häufig bestehen 12-24 Stunden vor Auftreten der enteritischen Symptome Prodromi mit Fieber (38°-40 °C), Kopfschmerzen, Myalgien, Arthralgien und Müdigkeit. Die häufigsten Symptome sind Diarrhoen, Abdominalschmerzen bzw. -krämpfe, Fieber, Müdigkeit. Die Diarrhoen können zwischen breiigen bis massiv wässrigen, selten auch blutigen Stühlen variieren. Die Krankheit dauert in der Regel einen Tag bis zu einer Woche, mitunter auch länger. Die seltenen protrahierten oder chronischen Verläufe betreffen meist immundefiziente Personen. Als seltene Komplikation kann das Guillain-Barré-Syndrom auftreten.
Infektionen durch C. fetus ssp. fetus verursachen oft systemische Manifestationen. Initial können intermittierende Diarrhoe oder unspezifische Abdominalschmerzen auftreten. Nach vorübergehender Symptomfreiheit kann die Krankheit erneut mit Fieber, Schüttelfrost und Myalgien rezidivieren. Komplikationen bzw. Spätfolgen sind in seltenen Fällen Endocarditis lenta, eine septische Arthritis, eine septische Phlebitis, Meningitis sowie das Guillain-Barré-Syndrom.
Diagnostik
Die Sicherung der Diagnose durch Nachweis des Erregers erfolgt in der Regel durch Anzucht aus möglichst frischem Stuhl. In bestimmten Laboratorien kann in Sonderfällen der Nachweis von C. jejuni auch mit Hilfe der PCR geführt werden.
Der Antikörpernachweis ist möglich, jedoch nicht als Routinemethode eingeführt. Als Feintypisierungsmethoden zur Sicherung von Infektketten hat sich die Pulsfeldgelelektrophorese (PFGE) bewährt. Als weitere Möglichkeiten stehen prinzipiell die Flagellin-RFLP (Restriktionsfragmentlängenpolymorphismus) sowie der Fragmentlängenpolymorphismus nach Amplifikation (AFLP) in Speziallaboratorien zur Verfügung.
Therapie
In der Regel ist die Krankheit selbstlimitierend. Eine symptomatische Therapie mit Volumen- und Elektrolytsubstitution ist in den meisten Fällen ausreichend. Eine antibiotische Therapie ist indiziert bei Patienten mit hohem Fieber und schweren klinischen Verläufen. Auch bei immunsupprimierten Patienten oder Sepsis und Persistenz der Symptome für länger als eine Woche ist eine antibiotische Therapie erforderlich. Mittel der Wahl sind Erythromycin, Tetracycline und Chinolone (Gyrasehemmer). Bei letzteren wird eine zunehmende Resistenzentwicklung beobachtet.
Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen
1. Präventive Maßnahmen
Die wichtigste Maßnahme zur Prophylaxe der Übertragung von
Campylobacter ist das Waschen der Hände vor allem nach jedem Besuch der
Toilette, nach Kontakt mit vermutlich kontaminierten Gegenständen (z. B.
Windeln), Nahrungsmitteln (z. B. Geflügel), Arbeitsgeräten und -flächen in der
Küche und vor der Zubereitung von Mahlzeiten. Händewaschen führt zwar nicht zur
Erregerelimination, aber zur drastischen Reduzierung der Keimzahl an den
Strikte Einhaltung der Betriebshygiene bei der Geflügelschlachtung und bei der Milchgewinnung sind ebenfalls essenziell. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass Fleisch, vor allem Geflügelfleisch, gründlich durchgegart wird. Insbesondere bei bestimmten Zubereitungsarten, z. B. Erhitzen in der Mikrowelle, dürfen keine zu kurzen Garzeiten gewählt werden. Auf das Trinken von unabgekochter Rohmilch sollte verzichtet werden.
2. Maßnahmen für Patienten und Kontaktpersonen
Während der Dauer ihrer Erkrankung sollten Patienten zu Hause bleiben und die angeführten Hygienemaßnahmen beachten. Im Falle einer Campylobacter-Infektion können Gemeinschaftseinrichtungen nach Abklingen des Durchfalls wieder besucht werden. Diese Praxis, insbesondere Kinder nach Abklingen des Durchfalls auch ohne bakteriologische Kontrolluntersuchungen wieder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen zu lassen, hat sich vor allem bei den Infektionen bewährt, deren Erreger nicht oder nur ausnahmsweise fäkal-oral übertragen werden. - Für Kontaktpersonen sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich, solange keine enteritischen Symptome auftreten.
3. Maßnahmen bei Ausbrüchen
Bei Ausbrüchen ist es wichtig, die Infektionsquelle bzw. das übertragende Vehikel schnell zu erkennen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Dies erfordert eine enge Kooperation human- und veterinärmedizinischer Einrichtungen. Bei Verdachts-, Krankheits- oder Todesfällen muss daher das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich informiert werden. Besteht der Verdacht auf eine Übertragung durch bestimmte Lebensmittel oder infizierte Tiere, sollte das Gesundheitsamt die zuständige Lebensmittelbehörde und das zuständige Veterinäramt unverzüglich informieren. In gleicher Weise sollten auch Veterinär- und Lebensmittelbehörden bei Kenntnis von Krankheiten, die im Zusammenhang mit Lebensmittelverzehr oder Tierkontakt stehen, das zuständige Gesundheitsamt informieren.
Meldepflicht
Nach §3 des Bundes-Seuchengesetzes sind bei allen Formen von Enteritis infectiosa Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod meldepflichtig.
Nationales Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger
| - | Robert Koch-Institut (Bereich Wernigerode), Burgstr. 37,
38855 Wernigerode; Leitung: Herr Prof. Dr. H. Tschäpe, Tel.: 03943/679-206,
Fax: 03943/679-207, E-Mail:
TschäpeH@rki.de |
| - | Hygiene-Institut d. Universität Hamburg, Abt. Bakteriologie, Marckmannstr.129a, 20539 Hamburg; Leitung: Herr Prof. Dr. J. Bockemühl, Tel.: 040 / 78964-201, -202, Fax: 040 / 78964-483 oder 040 / 783561 |
Konsiliarlaboratorium für Campylobacter/Aeromonas
| - | Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Freiburg, Herrmann-Herder-Str. 11, 79104 Freiburg; Leitung: Herr Prof. Dr. M. Kist, Tel.: 0761 / 203-6590, -6510, Fax: 0761 / 203-6562, E-Mail: KISTMAN@UKL.UNI-FREIBURG.DE |
Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 35/1999
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