Ausbruch
Zu einem Legionellose-Ausbruch in den Niederlanden
Quelle: Epidemiologisches Bulletin des RKI 25/99

Legionella pneumophila

Unter den Besuchern einer Blumenschau in Bovenkarspel im Norden der Niederlande, die vom 21.–28. Februar 1999 stattfand, kam es zu einem größeren Legionellose-Ausbruch, der auch in den deutschen Medien für Aufsehen sorgte. Die Ermittlungen und Untersuchungen zum Infektionsweg und zu beteiligten Faktoren sind noch nicht abgeschlossen Hier ein kurzer Bericht zum bisherigen Stand der epidemiologischen Untersuchungen:

Insgesamt wurden 233 Erkrankungsfälle registriert, 22 der Erkrankungen verliefen tödlich. In der Tabelle 1 ist die Verteilung der Erkrankungsfälle nach dem Grad der Sicherung der Diagnose aufgeführt. Legionella pneumophila konnte von insgesamt 37 Patienten isoliert werden.

Kategorie d. Diagnose  Zahl d. Erkrankten  tödlicher Ausgang
bestätigt  106  15
wahrscheinlich  48 2
möglich  4 0
klinischer Verdacht  75 5

Tab. 1 Legionellose bei Besuchern einer Blumenausstellung nach Diagnosekategorien

Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Erkrankten betrug 2:1. Dies belegt eine auch schon in anderen Epidemien beobachtete erhöhte Erkrankungsbereitschaft der Männer. Das Durchschnittsalter der männlichen Patienten war 63 Jahre, das der weiblichen Patienten 65 Jahre. Auch das bestätigt, dass ein vorgeschrittenes Alter und eine ggf. damit verbundene reduzierte Abwehrkraft einen Risikofaktor für Legionella-Pneumonien darstellt. Alle Patienten hatten eine bestimmte Blumenausstellung in der Zeit vom 23.–28. Februar 1999 besucht. Durch eine Fall-Kontroll-Studie war schon zu Beginn der epidemiologischen Untersuchungen klar geworden, dass nicht die Blumenschau selbst, sondern sehr wahrscheinlich eine Haushaltgeräte-Schau, durch die alle Besucher gehen mussten, bevor sie in die Blumenausstellung kamen, der Infektionsort sein musste. Bisher konnte die Quelle der Infektionen nicht eindeutig identifiziert werden, jedoch sind zwei Whirlpools in der Haushaltgeräte-Ausstellung sehr stark verdächtig, Ausgangspunkte der Erkrankungen gewesen zu sein. Legionella pneumophila konnte aus dem Wasser der Whirlpools isoliert werden, der genetische Fingerprint dieser beiden Umweltisolate war identisch mit denen von insgesamt 23 Patientenisolaten. – Unter den Besuchern der Ausstellung waren auch zahlreiche Deutsche, Erkrankungsfälle unter ihnen sind nicht bekannt geworden.

Keime der Gattung Legionella wurden vor nunmehr 22 Jahren anläßlich eines größeren Ausbruches als Krankheitserreger entdeckt. Sie finden in unserer heutigen Lebensumwelt ganz offensichtlich günstige Bedingungen. Der Ausbruch in den Niederlanden macht erneut deutlich, dass wir uns auf diese Gefährdung einstellen müssen: Auf technisch-organisatorischem Gebiet sind präventive Maßnahmen sowie Überwachung und Kontrolle notwendig, seitens des Gesundheitswesens benötigen wir eine Surveillance, deren Grundlage der Informationsaustausch sowie Ermittlungen und Untersuchungen bei auftretenden Erkrankungsfällen sein muss.

Für diesen Bericht danken wir Herrn Dr. P. C. Lück, Konsiliarlabor für Legionellen, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums der TU Dresden. Er beruht auf Daten, die von Dr. J. K. van Wijngaarden, Nationales Institut für Öffentliches Gesundheitswesen in Holland, zur Verfügung gestellt wurden, dem wir an dieser Stelle ebenfalls danken möchten.

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