Pest
Information für Ärzte

Schutzanzug Pestarzt Marseille, Kupferstich 1725

Epidemiologie:

Weltweit verbreitete Zoonose der Nager (Ratten) mit endemischen Gebieten in Südostasien (Vietnam und Burma), Indien, Zentral- und Südafrika, dem tropischen Mittel- und Südamerika (Brasilien, Peru, Bolivien und Ecuador) sowie in den südwestlichen Staaten der USA.

Normalerweise wird die Erkrankung innerhalb der Nager durch Ektoparasiten (Flöhe, Zecken usw.) verbreitet.

Akzidentelle Infektionen des Menschen (durch Flöhe) regelmäßig in Endemiegebieten.

Letzte größere Epidemie in Europa 1945 auf Korsika mit 42 Erkrankungen und 25 Todesfällen.

Krankheitserreger:

Yersinia pestis, ein kurzes, plumpes, unbewegliches, nicht sporenbildendes gramnegatives Stäbchen.

Übertragung auf den Menschen:

Häufigster Infektionsmodus ist der Biß eines Rattenflohs (Xenopsylla cheopis) nach vorhergehender Infektion durch eine Blutmahlzeit an einer bakteriämischen Ratte.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet bei der Lungenpest durch Tröpfcheninfektion statt.

Gelegentliche Übertragungen geschehen durch direkten intensiven Kontakt mit infizierten Tieren.

Pathogenese und Klinik:

Inkubationszeit ein bis sechs Tage, anschließend Entwicklung eines Pest-Primäraffektes in Form eines Bläschens mit hohem Bakteriengehalt an der Bißstelle. Anschließend kommt es zur Einwanderung der Erreger in die lokalen Lymphknoten mit schmerzhafter Anschwellung, Vereiterung und Ausbildung einer Pestbeule (Bubonen- oder Beulenpest).

Überwinden die Erreger die lokale Abwehrbarriere der Lymphknoten, kommt es zur Pest-Sepsis mit hämatogenen Absiedlungen insbesondere in Leber, Milz, Lungen und Meningen mit hämorrhagischen Läsionen.

Besonders häufig ist die metastatische, sekundäre Pestpneumonie, die wegen der Möglichkeit der Tröpfcheninfektion auf andere Menschen eine gefährliche Infektionsquelle darstellt.

Im Anschluß an die Inhalation der Erreger kommt es nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis zu zwei Tagen zur primären Lungenpest, einer nekrotisierenden Pneumonie, die unbehandelt innerhalb weniger Tage zum Tode führt.

Hauptsymptome sind Atemnot, Husten, blutiges Sputum und extreme Zyanose.

Immunität:

Im allgemeinen hinterläßt die Erkrankung eine langdauernde Immunität, Zweiterkrankungen sind jedoch beschrieben.

Diagnostik:

Neben den epidemiologischen, anamnestischen und klinischen Befunden ist die bakteriologische Untersuchung von Lymphknotenaspirat (Bubonenpest), Sputum (Lungenpest) und Blut (Pest-Sepsis) notwendig. Weiterhin Versuch des Direktnachweises durch verschiedene Färbemethoden.

Therapie:

Als Mittel der Wahl gelten Streptomycin, Tetracycline (z.B. Doxycyclin) und Chloramphenicol.

Ausschlaggebend für die Senkung der Letalität ist der frühzeitige Einsatz von Antibiotika.

Prophylaxe:

Es besteht die Möglichkeit der Impfung mit zwei Totvakzinen und einer Lebendvakzine für stark Exponierte.

Für ungeimpfte Kontaktpersonen (medizinisches Personal, Angehörige usw.) ist eine Chemoprophylaxe dringend zu empfehlen. In Frage kommen in erster Linie Tetrazykline, aber auch Sulfonamide.

Weitere Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung:

Quarantäne: Die Pest gehört neben der Cholera und dem Gelbfieber zu den quarantänepflichtigen Krankheiten. An Pest Erkrankte und klinisch Erkrankungsverdächtige müssen in einem Krankenhaus isoliert werden.

Meldepflicht: Meldepflichtig sind Verdacht, Erkrankung und Tod.

Quelle: Dr. Stagelschmidt in Bayerisches Ärzteblatt 11/94

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