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Pest |
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| Erreger: | Yersinia pestis (gramnegatives, bekapseltes, nichtsporenbildendes Stäbchen, Familie der Enterobacteriaceae) |
| Verbreitung: | derzeit Naturherde in Asien (Zentral- und SO-Asien, Indonesien), Afrika (Zentral- und Südafrika, Madagaskar) und Amerika (SW der USA, Mexiko, Zentral- und Südamerika) |
| Infektionsweg: | Übertragung durch Stich eines kontaminierten Rattenflohs, Xenopsylla cheopsis (Nager–Mensch), in Südamerika auch über Menschenflöhe (Mensch–Mensch). Ebenso ist eine aerogene Übertragung des Erregers bei Lungenpestfällen möglich. Auch bei direktem Kontakt mit befallenen Nagern kann es zu einer Krankheitsübertragung kommen. Hausratten, aber auch Haustiere (Katzen), können die befallenen Rattenflöhe aus dem sylvatischen, enzoonotischen Zyklus in menschliche Siedlungen importieren. |
| Dauer der Inkubation: | 2 bis 6 Tage, bei Lungenpest wenige Stunden |
| Symptomatik: | Bisweilen kann ein Primäraffekt (kleine Pustel) an der
Eintrittsstelle beobachtet werden. Das eigentliche Krankheitsbild
beginnt akut mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Schwindelgefühl, Kopf-
und Gliederschmerzen (Exotoxinwirkung). Es besteht ein schweres
Krankheitsgefühl. Innerhalb von 12 Tagen entsteht eine stark
schmerzhafte, häufig bläulich livide verfärbte Schwellung einer
Lymphknotengruppe. Diese Primärbeule (-bubo) ist bei Erwachsenen meist
in der Leiste lokalisiert, bei Kindern können auch andere Regionen
betroffen sein (die Flohstichstelle ist aufgrund der limitierten Sprunghöhe
des Flohs meist am Bein lokalisiert). In seltenen Fällen kommt es zu
einer spontanen Eröffnung der Beule mit Drainage nach außen, dies ist
mit einer günstigeren Prognose verbunden. Normalerweise schreitet die
Erkrankung rasch fort. Gegen Ende der ersten Krankheitswoche werden
weitere Lymphknotengruppen und im Rahmen der Generalisierung sekundär
auch verschiedene Organe, insbesondere die Lunge, befallen. Unbehandelt
liegt die Letalität der Bubonenpest bei ca. 3040%.
Der Kontagiositätsindex der zur primären Lungenpest führenden aerogenen Infektion ist sehr hoch. Bei nahezu allen nichtimmunen Kontaktpersonen kommt es innerhalb von 1–2 Tagen zur Pestpneumonie mit blutig-eitrigem Auswurf. Unter dem Bild einer foudroyanten Bronchopneumonie versterben die Patienten innerhalb einer Woche. Eine Pestsepsis kann sowohl aus einer Bubonenpest als auch Lungenpest entstehen. Diese führt innerhalb von 12 Tagen immer zum Tode. |
| Therapie: | Tetracyclin, Streptomycin, Chloramphenicol |
| Differentialdiagnose: | Tularämie, Katzenkratzkrankheit, Granuloma venerum, Typhus abdominalis |
| Prophylaxe, Immunität: | Die Pest ist eine der vier international vorgeschriebenen Quarantänekrankheiten. Expositionsprophylaxe, Schutzkleidung, Chemoprophylaxe bei möglichem Kontakt (mit Tetracyclin). Beseitigung des Reservoirs durch Vernichtung der Flöhe und anschließender Bekämpfung der Nager. Eine Schutzimpfung mit einem Totimpfstoff ist möglich, die Schutzrate hierbei ist allerdings niedrig. Nach durchgemachter Infektion besteht eine langanhaltende Immunität, es wurden jedoch schon Reinfektionen beschrieben. |
| Eine Meldepflicht besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 l) IfSG) sowie bei Erregernachweis (§ 7 Abs. 1 Nr.46 IfSG). Bei Lungenpesterkrankung oder -verdacht besteht Quarantänepflicht (§ 30 Abs. 1 Satz 1 IfSG). Weitermeldung an die WHO nach § 12 Abs. 1 IfSG | |
| Diagnostik: | Nachweis des Erregers aus dem Blut, dem Buboneneiter oder Sputum mittels Mikroskopie (Methylenblau-, Giemsafärbung) oder Anzucht. Serologische Methoden sind im Akutfall ohne Bedeutung. |
© Robert Koch Institut
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