Tularämie
Übersicht
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Tularämie (Hasenpest) ist eine durch Francisella tularensis verursachte Nagetierseuche, die durch direkten oder indirekten Kontakt zu infizierten Nagern (Hasen, Kaninchen, Ratten, Mäuse u.a.) auch auf den Menschen übertragen werden kann.
Wichtige Verbreitungsgebiete der Tularämie sind Nordamerika, Nord- und Osteuropa, Russland, China, Japan.
In Deutschland treten gegenwärtig nur noch sporadische Einzelfälle auf, die von einzelnen enzootischen Herden ausgehen. Infektionsmöglichkeiten im Ausland verdienen Beachtung. Es sind auch Erkrankungen durch Lebensmittelimporte möglich (s. Fallbericht in dieser Ausgabe). In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland noch 100 bis 200 Erkrankungsfälle im Jahr durch Meldung erfasst.
Die Übertragung des Erregers erfolgt überwiegend durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren bzw. deren Organen, Blut oder Ausscheidungen über die Haut oder Schleimhaut bzw. oral durch den Verzehr nicht ausreichend erhitzten Fleisches infizierter Tiere. In Endemiegebieten ist auch die Übertragung durch Stiche infizierter Zecken praktisch wichtig. Zur indirekten Übertragung der Erreger kann es durch die Aufnahme kontaminierten Wassers, Kontakt zu kontaminiertem Erdboden oder das Einatmen infektiösen Aerosols kommen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist extrem selten. Besonders gefährdet sind Jäger und Forstpersonal, wildbretverarbeitende Personen, Präparatoren, in der Landwirtschaft Tätige sowie auch Laborpersonal. Bei Ausbrüchen erweitert sich die erhöhte Gefährdung auf alle in ländlichen Gegenden lebenden Menschen (s. Bericht zum aktuellen Ausbruch im Kosovo in dieser Ausgabe).
Die Krankheitserscheinungen, die 2 bis 10 Tage nach einer Infektion beginnen, werden zunächst von der Eintrittspforte des Erregers bestimmt, z. .B. nach kutaner Übertragung Ulzerationen und Lymphknotenschwellungen (ulzero-glanduläre Form), nach Eindringen über die Augenbindehäute Konjunktivitis und Lymphknotenschwellung (okulo-glanduläre Form), nach Inhalation Pneumonie und/oder Pleuritis (pulmonale bzw. thorakale Form), nach oraler Übertragung Rachenentzündung und zervikale Lymphknotenschwellung (oro-pharyngeale Form) und gegebenenfalls Leibschmerzen und Durchfall (abdominale Form). Eine Generalisierung der Infektion mit vielfältigen Symptomen einer fieberhaften Allgemeinerkrankung kann sich anschließen.
Tularämie sollte möglichst frühzeitig erkannt und antibiotisch behandelt werden, weil sonst mit komplizierten und auch tödlichen Verläufen gerechnet werden muss. Als adäquate Therapie gilt weiterhin u.a. Streptomycin, auch in Kombination mit Doxycyclin.
Eine Verdachtsdiagnose ergibt sich aus dem klinischen Bild und anamnestischen Hinweisen (z.B. direkter oder indirekter Kontakt mit Hasen) und bedarf der labordiagnostischen Bestätigung, vorzugsweise mittels Antikörpernachweises (der durch verschiedene Methoden in spezialisierten Laboratorien möglich ist). Bei der Interpretation der Befunde sind Antigengemeinschaften mit Erregern der Gattung Brucella und mit Yersinia enterocolitica zu beachten. Die Erregeranzucht ist kein Routineverfahren (und muss, wenn sie durchgeführt wird, unter erhöhten Sicherheitsbedingungen – L3 – erfolgen).
Prävention: Beobachten der epizootischen Situation. Information und Aufklärung der potenziell gefährdeten Personenkreise. Hinweise im Rahmen der ärztlichen Fortbildung.
Arbeitshygienische Maßnahmen bei der Verarbeitung von Wildtieren (Hasen, Kaninchen). Hasen- und anderes Wildfleisch muss gut gekocht bzw. durchgebraten sein. Schutzmaßnahmen im Labor. Schutzimpfung ist prinzipiell möglich, aber in Deutschland nicht erforderlich.
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