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Infectopharm Infoblatt
Scabies - Krätzmilbenbefall

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Erreger und Epidemiologie

Erreger ist die Krätzmilbe (Sarcoptes hominis). Die Infektion erfolgt durch engen Hautkontakt mit infizierten Personen. Die Inkubationszeit beträgt 8 Tage bis 3 Wochen, bei Re-Infektion jedoch nur 1 Tag (s.u.).
Die Infektion der Haut erfolgt durch befruchtete weibliche Milben. Diese graben tunnelartige Gänge in die betroffene Hornschicht, wobei sie täglich 2 – 3 Eier legen sowie Kotballen absetzen, dann sterben sie ab. Aus den Eiern schlüpfen Larven, welche sich nach ca. 3 Wochen zu geschlechtsreifen Milben weiterentwickeln. Dabei entsteht der für Erstinfektionen typische Milbenhügel (siehe Foto)
.

Klinisches Bild

Die häufigste papulovesikuläre Form ist Ausdruck einer hyperergischen Reaktionslage des Wirts. Charakteristisch sind kurvig verlaufende Milbengänge, an deren Ende sich der Milbenhügel befindet, in welchem die Milbe sitzt.
Bei Erstinfektion entsteht meist 4 – 5 Wochen nach der Infektion ein zunehmender, rasch unerträglich werdender Juckreiz – vor allem in der Nacht – so dass das Krankheitsbild überlagert wird durch Kratzverletzungen, oft verbunden mit einer sekundären Ekzematisierung und bakteriellen Besiedlung.
Bei Re-Infektion kommt es wegen einer vorbestehenden Allergisierung bereits nach einem Tag zum Auftreten von Hauterscheinungen und einem massiven Juckreiz.
Prädilektionsorte sind Finger- und Zehenzwischenräume, Handflächen und Fußsohlen sowie intertriginöse Bereiche.
Beim Säugling ist das Gesicht oft durch Infektion über die Brust der Mutter mitbefallen. Häufig kommt es zu bakteriellen Superinfektionen.

Sonderformen

Bei der „gepflegten Skabies“ von Menschen mit sorgfältiger Körperpflege finden sich äußerlich meist nur diskrete Hauterscheinungen, welche die Diagnosestellung oft erschweren und häufig als Ekzem verkannt werden.
Bei immungestörten Personen, aber auch unter einer lokalen Cortisontherapie, kann sich die Scabies norwegica (Borkenkrätze) entwickeln.

Therapie

Vor Therapie Hautentfettung durch Vollbad, dann (am wirksamsten, aber potentiell toxisch) Lindan 0,3 %ig, im behaarten Bereich als Gel, am Körper als Emulsion. Bei Säuglingen und Kleinkindern „fraktionierte“ Therapie (sollte klinisch erfolgen): 1. Tag: Oberkörper und Arme, 2. Tag: Unterkörper und Beine, 3. Tag: Oberkörper und Arme, 4. Tag: Unterkörper und Beine, Einwirkzeit 3 Stunden, dann abbaden. Alternativ: Crotamiton, besser verträglich, aber weniger wirksam.
Bei älteren Kindern Ganzkörper-Behandlung mit Lindan, Einwirkzeit 12 Stunden und mehr. Bei Schulkindern alternativ: Benzylbenzoat 2-3mal am ganzen Körper anwenden, Nachbehandlung mit Salicyl-Schwefel-Vaseline 6-10 %ig.

Wichtig: alle Kontaktpersonen untersuchen und gegebenenfalls mitbehandeln! Bett- und Körperwäsche gründlich reinigen. Neuerdings liegen vielversprechende Berichte vor über die Eradikation von Milben unter einer systemischen Therapie mit Ivermectin in einer einmaligen Gabe von 200 mg/kg. Diese Therapieoption ist aber noch nicht offiziell zugelassen.


Diagnostik

In klassischen Fällen ist dies für den Erfahrenen eine Blickdiagnose. Bewährt hat sich in Zweifelsfällen eine Betrachtung mit speziellen Auflicht-Mikroskopen. Man kann auch den Milbengang mit einem Skalpell oder einer feinen Kanüle öffnen, den Inhalt durch seitliches Abwischen auf einen Objektträger auftragen und unter dem Mikroskop betrachten.