Scabies
(Ratgeber des RKI, Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin, Mai 2009)
Therapie

Die Therapie der Skabies kann topisch oder oral erfolgen. Üblicherweise eingesetzte Skabizide sind in Tabelle 2 aufgeführt. Es gibt wenige kontrollierte Studien, in denen die Wirksamkeit einzelner Substanzen miteinander verglichen wurden. Eine international akzeptierte Therapieempfehlung existiert nicht. Dementsprechend reflektieren nationale behördliche Therapieempfehlungen/Leitlinien von Fachgesellschaften historisch akkumuliertes Wissen, basieren jedoch nicht auf Evidenz-gestützten Erkenntnissen. In Deutschland werden meist Permethrin 5 %-Creme und Allethrin-Spray als topisch wirksame Substanzen eingesetzt.

Permethrin:
Die Creme wird mit Ausnahme des Kopfes sorgfältig auf dem gesamten Integument verteilt (am besten abends) und am nächsten Morgen mit Seife abgewaschen. Schleimhäute an Körperöffnungen müssen sorgfältig ausgespart werden. Meist ist eine einmalige Applikation ausreichend.6,13 Bestehen zwei Wochen nach der Erstapplikation noch klinische Zeichen einer aktiven Infestation (z. B. neue Papeln oder neu entdeckte Milbengänge), muss die Behandlung wiederholt werden. Die Substanz kann auch bei Neugeborenen, Säuglingen, Schwangeren und Stillenden eingesetzt werden, dann allerdings in einer Konzentration von 2,5 %. Eine Stillpause von 2–3 Tagen nach Applikation der Permethrin-Creme wird empfohlen.6 Permethrin wird durch die Haut resorbiert.20 Bei vorgeschädigter Haut (Kratzexkoriationen!) ist die Resorptionsrate vermutlich deutlich höher als bei gesunder Haut.

Allethrin:
Allethrin ist in Deutschland als Spray in Kombination mit Piperonylbutoxid auf dem Markt. Aufgrund zahlreicher Kontraindikationen (Befall des Gesichtes, generalisierter Befall, erstes Trimenon der Schwangerschaft, Stillzeit, vorgeschädigte Haut) und möglichen schweren Nebenwirkungen (Bronchospasmen bei Patienten mit bronchopulmonalen Erkrankungen) gilt es als Medikament der zweiten Wahl.6 Es wird eingesetzt, wenn Permethrin kontraindiziert ist bzw. eine Behandlung mit Permethrin erfolglos war.

Benzylbenzoat:
Benzylbenzoat (ein Bestandteil des Perubalsams) wurde erstmalig in den 30er Jahren in Dänemark während einer großen Skabiesepidemie eingesetzt. Die Wirksamkeit der Substanz wird als hoch eingeschätzt;8 vergleichende Studien mit anderen topisch wirksamen Substanzen fehlen allerdings. Eine Behandlung mit Benzylbenzoat ist sehr zeitintensiv: 2x/Tag eine Ganzkörperapplikation an drei aufeinander folgenden Tagen; Wiederholung der Prozedur nach 10 Tagen. Bei Erwachsenen wird eine Konzentration von 25 %, bei Kindern von 10 % verwendet. Die Substanz reizt die Haut und kann ein brennendes Gefühl hervorrufen. Die komplizierte Anwendung und die Nebenwirkungen reduzieren die Compliance. Wegen der geringen Kosten wird die Substanz derzeit häufig in Entwicklungsländern eingesetzt. Benzylbenzoat ist ebenfalls ein Mittel der zweiten Wahl.

Crotamiton und Schwefelrezepturen gelten wegen der geringen Wirksamkeit als Mittel der dritten Wahl und spielen in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle.6 Lindanhaltige Präparate sollten wegen der hohen Toxizität nicht mehr eingesetzt werden.

Ivermectin:
Ivermectin ist ein Breitspektrumantihelminthikum, das auch auf humanpathogene Insekten und Milben wirkt. Die orale Behandlung der Skabies mit Ivermectin ist ein therapeutischer Meilenstein. Die Dosierung beträgt 200µg/kg mit einer Wiederholung nach 8 Tagen. Bei Patienten mit Scabies crustosa werden 5–7 Behandlung im Abstand von 8 Tagen empfohlen.16 Auch Mehrfachbehandlungen sind ohne das Risiko einer Substanzakkumulation möglich.16

Ivermectin ist ein sehr sicheres Medikament: Im Rahmen von bevölkerungsbasierten Helminthenbekämpfungsprogrammen wurden in Afrika und Südamerika mehrere Millionen Menschen behandelt, ohne dass nennenswerte Nebenwirkungen aufgetreten sind.8 Klinische Studien haben gezeigt, dass die Wirksamkeit des Makrolids besser ist als die von Lindan oder Benzylbenzoat und identisch bzw. besser als die von 5 %-Permethrin-Creme.8

Ivermectin ist in Deutschland nicht zur Behandlung der Skabies zugelassen und muss im Rahmen eines Heilversuchs durch eine Apotheke aus dem Ausland importiert werden. Der Patient ist entsprechend aufzuklären und seine Zustimmung einzuholen.

Tabelle 2: Zur Behandlung der Skabies eingesetzte Substanzen

Substanz Handelsname (Auswahl)
Permethrin Infectoscab®, Nix™, Dermal Cream™, Elimite™
Allethrin Spregal®
Benzylbezoat Antiscabiosum®
Crotamiton Eraxil®, Crotamitex®
Sulfur praecipitatum Mitigal®
Ivermectin Mectican®, Stromectol®, Ivermec®

© Robert Koch Institut


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