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Nagelpilz |
Dr. med. W. Seckler Köln
Mancher glaubt, er müsse mit den "Holznägeln" leben, und ahnt oft nicht, daß daran Pilze schuld sind. Nagelmykosen sind, wie Pilze allgemein, weit verbreitet.
Der normale Nagel, ob an Hand oder Fuß, ist am Ursprung
weißlich (hier befindet sich der scharfe Übergang von der halbmondförmigen
"Lunula") bis rötlich, aber immer durchsichtig. Weißliche oder gelbliche
Verfärbungen, oft verbunden mit Aufwölbungen, weisen auf Nagelpilzbefall hin.
Aber Vorsicht, auch bei einer Schuppenflechte (Psoriasis) kommen ähnliche Veränderungen
vor. Oftmals verspürt man auch Schmerzen, besonders am Fuß bei engen Schuhen oder beim
Sport. Die Erreger, Pilze aus der Gruppe der pathogenen Hefen oder Schimmelpilze, kommen
leider fast überall dort vor, wo es feucht ist. Die Ansteckungsgefahr ist besonders in
Schwimmbädern oder ähnlichen Gemeinschaftseinrichtungen gegeben. Durch die harte
Hornsubstanz des Nagels und die Tatsache, daß Nägel sehr langsam wachsen (0,5 bis 1 mm
pro Tag), ist der Pilz nur schwer zu bekämpfen. Ein Therapieversuch sollte aber auf jeden
Fall unternommen werden, zumal die chronische Entzündungsherde Eintrittspforten für
andere Infektionen darstellen und zudem in Verdacht stehen, als Allergen zu wirken. Somit
zum Beispiel die Entstehung eines Asthma bronchiale zu fördern.
Die Therapie des Nagelpilzes kennt zwei Ansätze, den chirurgischen und den
medikamentösen. Die chirurgische Behandlung besteht aus einer Extraktion, daß heißt
Entfernung des Nagels. Hier wird unter einer örtlichen Betäubung (Oberstsche
Leitungsanaesthesie) der kranke Nagel mit einer starken Klemme kurzerhand abgerissen. Dies
ist bei der Behandlung kaum schmerzhaft, nach Abklingen der Betäubung kann es jedoch ein
paar Stunden weh tun. Bis der Nagel komplett nachgewachsen ist, vergehen einige Monate.
Durch eine anfängliche desinfizierende Salbenbehandlung und unterstützende Maßnahmen
wie leichtes Schuhwerk kann man die Heilung fördern und einem Rückfall vorbeugen.
Kritiker dieser Methode behaupten jedoch, daß die chirurgische Methode unzureichend sei,
da der Ausgangspunkt der Infektion das Nagelbett ist. Die medikamentöse Therapie war
früher ebenfalls sehr lästig, da man monate- bis jahrelang Medikamente schlucken mußte.
Das meistverwendete Medikament war Griseofulvin, dies lagerte sich vornehmlich in
neugebildetem Horn ab und verhinderte weiteres Wachstum der Pilze. Zusätzlich mußte der
Nagel mit einem wirkstoffhaltigem Nagellack eingepinselt und regelmäßig abgefeilt
werden.
In den letzten Jahren hat sich jedoch eine neuere Therapieform mit ebenfalls innerlich
wirkenden Stoffen wie Itroconazol etabliert. Hier wird mit einer Intervalltherapie
behandelt, drei Kurse mit einer Woche Einnahme und jeweils drei Wochen Pause. Damit kann
über 80% der Patienten dauerhaft geholfen werden. Grundsätzlich sinnvoll ist aber vor
Beginn der Therapie das Anlegen einer Pilzkultur, da manche Pilzarten gegen die
Medikamente resistent sind. Die medikamentösen Verfahren haben jedoch einen Nachteil,
zumindest volkswirtschaftlich gesehen: sie sind im Gegensatz zur Nagelextraktion teuer,
einige hundert bis tausend Mark. Zudem treten manchmal, wie bei jedem wirksamen
Medikament, unerwünschte Wirkungen auf (Leberwerte kontrollieren lassen), und eine
Schwangerschaft sollte unter Therapie vermieden werden.
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