Ist der Genuss von Milch unbedenklich?

Nach internationaler wissenschaftlicher Einschätzung und auf der Basis des heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstandes gelten Milch und Milchprodukte hinsichtlich des Risikos einer BSE-Übertragung mit sehr großer Wahrscheinlichkeit als unbedenklich. Neue experimentelle Erkenntnisse, die dieser Auffassung entgegenstehen, liegen nicht vor. Dies teilte die Bundesanstalt für Milchforschung am 17. Januar mit.

In den letzten Tagen waren Zweifel an der Unbedenklichkeit von Milch und Milchprodukten geäußert worden, weil eine Übertragung von BSE-Erregern über das Eutergewebe in die Milch nicht auszuschließen sei. Die erhobenen Zweifel gründen sich auf Überlegungen, dass diese durch Lymphzellen und Lymphwege weiterverbreitet werden könnten. Daneben wurde die Nachweisempfindlichkeit von "Mäusetests" in Frage gestellt, die Mitte der 90er Jahre im Vereinigten Königreich zur Klärung der Frage eines möglichen Risikopotenzials von Milch durchgeführt wurden. Untersuchungen hatten damals ergeben, dass weder Milchdrüsengewebe noch Milch von an BSE erkrankten Tieren, die direkt ins Gehirn von 275 Mäusen verabreicht wurden, zu Erkrankungen führten.

Für eine fachliche Bewertung sind aber nicht nur solche Mäusetests, sondern u.a. auch die folgenden Befunde aus dem Vereinigten Königreich ausschlaggebend: In einem mehrjährigen Versuch wurden 193 Kälber von 106 an BSE erkrankten Kühen gesäugt (Ammenhaltung). Diese Tiere wurden so lange gehalten, dass nach möglicher Infektion eine Erkrankung sich hätte ausbilden können. Alle aufgezogenen Tiere blieben jedoch gesund.

Diese Daten wurden international bewertet und akzeptiert. Der wissenschaftliche Lenkungsausschuss der EU stützt sich auf diese Erkenntnisse mit seiner Aussage, dass Milch als Risikofaktor ausgeschlossen werden kann. Unabhängig davon hält es die Bundesanstalt für Milchforschung für richtig, diese mittlerweile fünf Jahre alten Ergebnisse auf der Basis der heute zu BSE vorliegenden Erkenntnisse zu überprüfen, so wie es auch im Vereinigten Königreich vorgesehen ist. Die Ergebnisse werden in drei bis fünf Jahren erwartet. Ein solch langer Zeitraum ist bei den gegenwärtig verfügbaren Testverfahren unvermeidlich, da es noch keine Testverfahren gibt, mit denen man BSE-Erreger direkt in der Milch nachweisen könnte.

Solange keine neueren experimentellen Erkenntnisse vorliegen, ist davon auszugehen, dass Milch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit unbedenklich ist. Auch der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere und dem Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin liegen keine anderslautenden wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, und sie teilen die Risikoeinschätzung der Bundesanstalt für Milchforschung.

Die Bundesanstalt für Milchforschung betreibt im Auftrag der Bundesregierung Forschung auf den Gebieten der Milchwissenschaft und verwandter Wissenschaften, auf den Gebieten der Ernährungswissenschaften sowie über ökonomische Fragen der Lebensmittelverarbeitung. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse dienen als Entscheidungshilfe für die Ernährungs-, Landwirtschafts- und Verbraucherpolitik. Sie werden den Zielgruppen in Wissenschaft, Wirtschaft und Verbraucherkreisen durch Veröffentlichungen, Informationsveranstaltungen und andere Kommunikationsmittel verfügbar gemacht. Die Bundesanstalt pflegt die Zusammenarbeit mit Fachwissenschaftlern des In- und Auslandes sowie mit nationalen und internationalen Institutionen und Organisationen ihrer Fachgebiete.
Quelle: Bundesanstalt für Milchforschung Stand: 17.01.2001


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