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Stellungnahme der Gesellschaft für Virologie (GfV) |
In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche
Veröffentlichungen, die zu belegen versuchten, dass das BDV in der humanen
Population als infektiöses Agens verbreitet ist und in Analogie zur
Tierpathogenität mit neurologischen Erkrankungen wie z.B. „Affective Disorder“,
Chronic-Fatigue Syndrom, Depression oder Schizophrenie beim Menschen assoziiert
sei.
Diese Hypothese beinhaltet sicherlich eine gewisse Attraktivität, da die
Ursachen der genannten Erkrankungen bisher nicht bekannt sind und
krankheitsassoziierte Laborparameter fehlen.
Entwickelt wurde diese Hypothese auf der Basis von Befunden über den Nachweis
von BDV-RNA in peripheren Blutmonozyten (PBMCs) sowie
Antigen-Antikörperkomplexen bei Patienten und Probanden. Weiterhin wurde über
Therapieversuche unter Verwendung von Amantadin berichtet.
Aufgrund des großen wissenschaftlichen, klinischen und öffentlichen Interesses
wurde von einigen namhaften Arbeitsgruppen versucht, die publizierten Befunde
durch Kontrollversuche zu bestätigen. Bei diesen Kontrolluntersuchungen konnten
im Blut von psychiatrischen Patienten und Kontrollgruppen weder BDV-RNA noch
eindeutig virale Proteine (p40 und p24) oder zirkulierende BDV-spezifische
Immunkomplexe nachgewiesen werden.
Es ist daher festzustellen, dass die von einer Arbeitsgruppe publizierten
Befunde auf bisher ungeklärten, offenbar nicht BDV-spezifischen Reaktionen
beruhen, die nach Stand der Dinge fälschlicherweise als Virusnachweis
interpretiert wurden. Diese Beurteilung wird von der Mehrheit der Experten auf
dem Gebiet der BDV-Forschung geteilt.
Nach Meinung der Gesellschaft für Virologie beruht die Behauptung, dass BDV ein
human- pathogenes Agens ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einer
Fehleinschätzung von Daten und ist durch wissenschaftliche Experimente nicht
belegt. Eine derartige Behauptung führt bedauerlicherweise zu Irritationen in
der Öffentlichkeit und betroffenen Patienten und sollte solange unterbleiben,
bis gegebenenfalls andere verlässliche und validierte experimentelle Daten
vorliegen.
© GfV 2008