Gürtelrose
immer schmerzhaft, meistens harmlos
Dr. med. W. Seckler, Köln

Die Gürtelrose, von Ärzten Herpes zoster genannt, ist eine Viruserkrankung die jeder bekommen kann, der als Kind (oder später) Windpocken hatten. Dies hatte der Kinderarzt Janos von Bokay bereits 1909 erkannt, nachdem sich Kinder bei Älteren, die gerade eine Gürtelrose durchmachten, mit Windpocken ansteckten.

Der Erreger, das Varicella-Zoster-Virus, nistet sich nach durchgemachter Windpockenerkrankung in den Nervenwurzeln des Rückenmarkes oder der Hirnnerven ein und ist dort für die Abwehrsysteme des Körpers nicht mehr erreichbar. Obwohl das Immunsystem Antikörper gegen das Virus gebildet hat, sind diese dennoch nicht in der Lage dem Erreger den endgültigen Garaus zu machen. Also herrscht für Jahrzehnte scheinbare Ruhe, aber bei der nächsten passenden Gelegenheit, zum Beispiel einer vorübergehenden Abwehrschwäche, breitet sich die Gürtelrose aus. Besonders bei Menschen mit chronisch geschwächtem Immunsystem (Chemotherapie, HIV-Infekt, Organtransplantation) ist der Erkrankungsverlauf jedoch meist sehr heftig und gelegentlich mit fatalen Folgen verbunden.

Der Erreger, das Varicella-Zoster-Virus, gehört zur Gruppe der Herpesviren. Es besteht wie alle Viren nur aus Erbsubstanz, die von einer Eiweißhülle umgeben wird. Sein einziger Zweck ist die Vermehrung, und wie alle Viren besitzt es dazu kein eigenes Stoffwechselsystem. Es braucht also die Zellen unseres Körpers, die es so umprogrammieren kann, daß diese praktisch nur noch neue Viren produzieren und anschließend zugrunde gehen.

Während normalerweise im Immunsystem nach der Windpockeninfektion lebenslang genügend neutralisierende Antikörper und Gedächtniszellen vorhanden sind, um die Viren bei erneutem Kontakt auszuschalten, ist das Virus in den Nervenganglien weiterhin vorhanden und kann dort nicht eliminiert werden. Letztlich ist also der Herpes Zoster die erneute Infektion mit einem Krankheitserreger, den der Körper zwar in Schach halten konnte aber nie endgültig besiegt hat. Da im Alter die zellvermittelte Immunabwehr schwächer wird, liegt das Risiko des Auftretens eines Herpes Zoster im Verlauf des Lebens bei etwa 20%.

Während bei den Windpocken eine Verbreitung des Virus im gesamten Körper vorliegt, die sich letztlich für den Beobachter in der Beteiligung der Haut und Schleimhäute zeigt (Pockenbildung), ist bei der Gürtelrose durch vorprogrammierte Abwehrreaktion des Immunsystemes zumeist nur der Nerv betroffen, der seinen Ursprung in der befallenen Nervenwurzel hat. Dem zufolge treten die Hauterscheinungen auch nur in einem umschriebenen Bezirk auf.

Durch den gürtelähnlichen Verlauf der Hautnerven und der dort auftretenden Bläschenbildung hat die Krankheit ihren Namen. Beim typischen Bild der Gürtelrose zeigt sich dann, nach anfänglichen Beschwerden wie Kribbeln oder Brennen, der Befall der Hautnerven mit Rötung und Bläschenbildung. Der wasserklare Inhalt der Bläschen enthält massenweise infektiöse Viren, so daß eine Ansteckung anderer Menschen bei Kontakt möglich ist, wenn diese noch keine Windpocken hatten (etwa 5% aller Leute über 20 Jahre haben keine Antikörper).

Die Hauterscheinungen und die begleitenden Schmerzen im betroffenen Areal klingen im Idealfall meist nach ein bis zwei Wochen ab, es bleiben keine Folgen zurück. Während der Akutphase der Erkrankung ist durch äußerliche Anwendungen wie Zinkpasten, die auf die befallenen Hautstellen aufgetragen werden, eine Linderung zu erreichen. Viele Patienten, besonders im fortgeschrittenen Alter, haben jedoch durch den Untergang der Nervenzellen bedingt dauerhafte Schmerzen oder Mißempfindungen im betroffenen Hautbezirk. Diese Zoster-Neuralgien stellen therapeutisch ein Problem dar, da sie nur schwer zu behandeln sind.

Wegen dieser Gefahr wird der Hausarzt bei ausgedehnten Befunden und besonders gefährdeten Patienten im Frühstadium der Gürtelrose eventuell mit einer Medikation behandeln, welche die Virusvermehrung bremsen kann. Dazu bieten sich Substanzen wie Aciclovir und verwandte Stoffe an, die als Tablette oder Infusion verabreicht werden können. Damit kann die Erkrankung aber nur eingedämmt werden, der Einsatz ist auch nur in einem früh diagnostiziertem Stadium sinnvoll. In seltenen Fällen, besonders bei Befall von Gesichts-, Augen- oder Hörnerven oder drohender Ausbreitung der Infektion auf das Gehirn bei Abwehrschwachen, ist die Krankenhauseinweisung sinnvoll, um die Folgeschäden durch die geeignete Therapie zu vermeiden.

Die Behandlung der beschriebenen Nervenschädigungen in Form von dauerhaften Schmerzen oder sogar Funktionsausfällen ist sehr schwierig, da sich die Nervenzelle kaum regenerieren kann. Hier kann durch verschiedene lindernde Maßnahmen wie Behandlung mit Vitaminen und Schmerzmitteln durchaus Besserung erzielt werden, bei Erfolglosigkeit sind aber auch Verfahren wie Akupunktur einen Versuch wert.

Zur Vorbeugung der Erkrankung wird gegenwärtig eine Impfung diskutiert, zumal ein Impfstoff durchaus bereits zur Verfügung steht. Dies hat jedoch auch seine Nachteile, da bei der zu beobachtenden Impfmüdigkeit der Bevölkerung dann mehr Windpocken-Erstinfektionen im Erwachsenenalter auftreten würden und die Erkrankungsfolgen wahrscheinlich drastischere Ausmaße hätten.

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