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HIV - AIDS |
Die Kenntnis einer HIV-Infektion ist Voraussetzung, um die neuesten Therapiemöglichkeiten optimal zu nutzen. Deshalb wird empfohlen, sich nach einer Risikosituation beraten und auf HIV testen zu lassen. Im Gegensatz zu früher hat der HIV-Test seit Einführung der HAART Mitte der 90er Jahre eine hohe therapeutische Relevanz: Ein rechtzeitiger Beginn der Kombinationstherapien kann die Lebensdauer entscheidend verlängern.
Wann testen
Nach einer Infektion dauert es in der Regel drei bis acht Wochen, bevor Antikörper gebildet werden. Ein HIV-Test sollte daher nicht vor Ablauf von zwei Monaten nach einem möglichen Risikokontakt gemacht werden. Bei etwa 5 % der neu Infizierten dauert es sogar länger als zwei Monate, bis Antikörper gebildet werden. In Zweifelsfällen ist daher ein Test nach sechs Monaten angezeigt.
Die Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV infiziert zu haben, ist erhöht, wenn eine der folgenden Fragen bejaht wird:
Wie testen
Die Diagnose einer HIV-Infektion wird durch zwei Tests gestellt:
und
Suchtests sind die sehr sensiblen und einfachen HIV-ELISA-Tests (Enzyme Linked Immuno Sorbent Assay) zum Nachweis von HIV-1, HIV-2 und HIV-1 Subtyp O. Wenn das Ergebnis dieses Tests wiederholt positiv ist, folgt ein aufwendigerer Bestätigungstest, in der Regel ein Western Blot, seltener der Immunfluoreszenz-Tests (IFT).
ELISA-Suchtest
Die Genauigkeit eines Tests ist die Kombination zweier Faktoren: der Sensitivität und der Spezifität. ELISA-Suchtests auf HIV sind extrem sensitiv (etwa 99.5 %), was bedeutet, das auch sehr geringe Mengen HIV-Antikörper nachgewiesen werden. Die sehr hohe Sensitivität verringert das Risiko eines "falsch negativen" Testergebnisses und somit der falschen Aussage: "Es liegt keine HIV-Infektion vor!", obwohl eine HIV-Infektion sehr wohl vorliegt. Ist ein ELISA-Test auch 6 Monate nach einem potentiellen Infektionsrisiko negativ, bedeutet das aufgrund der hohen Sensitivität, dass die Wahrscheinlichkeit, mit HIV infiziert zu sein, praktisch gegen Null geht.
Die hohe Sensitivität des ELISA-Tests bedingt andererseits jedoch eine leicht geringere Spezifität. Das bedeutet, dass das Testergebnis gelegentlich "falsch positiv" sein kann. Der Test sagt dann: "Es liegt eine HIV-Infektion vor", in Wirklichkeit aber wurden im Blut Substanzen als HIV-Antikörper erkannt, die keine sind. Falsch positive Ergebnisse werden zum Beispiel durch eine vorübergehende Stimulierung des Immunsystems hervorgerufen (Virus-Infektionen, Impfungen). Laborfehler sind selten. Um falsch positive Ergebnisse zu vermeiden, muss daher jeder positive ELISA-Test mit einem Bestätigungstest (WB oder IFA) kontrolliert werden.
Wichtig: Ein positiver Suchtest macht noch keine HIV-Infektion. Nur der positive Bestätigungstest erlaubt die Diagnose einer HIV-Infektion!
Western-Blot-Bestätigungstest
Der Western-Blot ist eine Methode, bei der Virusproteine nach ihrem Molekulargewicht aufgetrennt und mit Serum inkubiert werden. Sind Antikörper gegen entsprechende virale Proteine vorhanden, binden sich die Antikörper an diese Proteine. Diese Reaktion wird auf einem Teststreifen sichtbar gemacht, es entstehen so genannte "Banden".
Die Proteine von HIV werden in drei Gruppen eingeteilt: die env- oder Hüllproteine (gp41, gp120/160), die gag- oder Kernproteine (p17, p24, p55) und die pol- oder Endonuklease-Polymerase-Proteine (p31, p51, p66). Die Kriterien, die erfüllt sein müssen, um ein HIV-Western-Blot-Untersuchungsergebnis als positiv zu beurteilen, werden von unterschiedlichen Organisationen uneinheitlich definiert. Das amerikanische Rote Kreuz verlangt zum Beispiel mindestens drei Banden, eine aus jeder Gruppe (also je eine gag-, pol- und env-Bande). Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA verlangt eine p24-, eine p31- sowie eine gp41- oder gp120/160-Bande. Nach einer WHO-Empfehlung kann hingegen ein Western-Blot bereits als positiv beurteilt werden, wenn lediglich zwei env-Banden nachgewiesen werden.
Der Western-Blot-Test ist ein Bestätigungstest, der nur gemacht wird, wenn der ELISA-Suchtest wiederholt positiv war. Der Western-Blot kann positiv oder negativ sowie (selten bei inkomplettem Bandenmuster) auch uneindeutig ausfallen (Einzelheiten siehe weiter unten "Testergebnisse").
Direkter Nachweis von HIV
Eine HIV-Infektion kann außer durch den Nachweis von Antikörpern auch durch den Nachweis von HI-Viren bestätigt werden (Nukleinsäure-Amplifikations-Techniken wie PCR, seltener Virusanzucht). Diese Methoden werden in der Klinik routinemäßig aber nur bei Neugeborenen von HIV-infizierten Müttern eingesetzt.
Testproblem: Die "diagnostische Lücke"
Ein Problem des HIV-Tests ist die sogenannte "diagnostische Lücke". Das ist die Zeit, die der Körper benötigt, um nach einer Infektion mit HIV Antikörper zu erzeugen. Der Umschlag von negativ nach positiv wird "Serokonversion" genannt. Die derzeit verwendeten Tests können eine HIV-Infektion in der Regel drei bis fünf Wochen nach der Infektion erkennen. Nur in sehr seltenen Fällen wird eine Infektion erst nach 3 oder gar 6 Monaten erkannt.
Testergebnisse
Ein positives Testergebnis bedeutet, dass die getestete Person
Ein positives Testergebnis bedeutet NICHT, dass die getestete Person
Ein negatives Testergebnis bedeutet:
Ein negatives Testergebnis bedeutet nicht, dass:
Jenseits der "diagnostischen Lücke", also später als 6 Monate nach einer möglichen HIV-Exposition, ist ein ELISA-Test nur sehr selten "falsch negativ". In diesen Fällen bedeutet ein negativer Test also, dass die Person nicht mit HIV infiziert ist - immer unter der Annahme freilich, dass in der Zwischenzeit kein weiterer Risikokontakt stattgefunden hat.
Ein seltenes "uneindeutiges" Ergebnis im Bestätigungstest bedeutet:
Bei uneindeutigem Western Blot sollte dennoch möglichst gleich ein Direktnachweis des Virus mittels PCR (Viruslast) versucht werden, um eine akute HIV-Infektion rechtzeitig zu erkennen (siehe dazu auch das entsprechende Kapitel) und eventuell behandeln zu können. Je früher, desto besser! Es sollte hier möglichst keine Zeit vertrödelt und möglichst eine PCR und keine b-DNA als Methode verwendet werden, da letztere gelegentlich auch falsch positiv sein kann. Obwohl mit der b-DNA meist nur sehr niedrige (falsch positive) Viruslastwerte erreicht werden (methodenbedingt wird ein falsch positives Signal erzeugt), wie sie bei einer akuten Infektion äußerst unwahrscheinlich sind, kommt man gegenüber den Patienten in solchen Fällen in erhebliche Erklärungsnöte.
Falsch positive Ergebnisse sind beim Western-Blot sehr selten. Ein positives Ergebnis im Western-Blot bestätigt daher das Vorliegen einer HIV-Infektion.
Sonderfall Neugeborene von HIV-infizierten Müttern
Neugeborene von HIV-infizierten Müttern können monatelang falsch-positive Testergebnisse haben, die durch so genannte "Leihantikörper" der Mutter bedingt sind. Eine Infektion des Neugeborenen sollte deshalb immer mittels PCR ausgeschlossen bzw. bestätigt werden.
Testkosten
Alle Ärzte sind berechtigt, HIV-Tests durchzuführen, und die Kosten werden bei entsprechender Indikationsstellung (typische Beschwerden, Symptome, hinreichender Verdacht) meist von der Krankenversicherung getragen. In Praxen und Kliniken ist der Test nicht anonym; das Personal, das Test und Ergebnis dokumentiert, unterliegt jedoch der beruflichen Schweigepflicht.
Gesundheitsämter führen HIV-Tests anonym und kostenlos durch, übernehmen aber keine weitergehende medizinische Betreuung oder Behandlung.
Was ist in der Praxis zu beachten?
Bei jedem Test auf HIV sind Details wichtig, die leider von einigen Ärzten fahrlässig und gedankenlos gehandelt werden. Man sollte wissen:
Ein positives Testergebnis hat, allen therapeutischen Fortschritten zum Trotz, noch immer erhebliche seelische Konsequenzen für den Betroffenen! Die Bedeutung eines positiven Testergebnisses kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Jeder Patient muss deshalb informiert sein, dass er auf HIV getestet wird! Und zwar vorher! Ein "Routine-Test vor OP", wie er leider immer noch gelegentlich praktiziert wird, kann, wenn er denn unvermuteterweise positiv ausfällt, für den Behandler nicht nur unangenehme, sondern auch erhebliche gerichtliche Konsequenzen haben. Es muss nicht unbedingt ein schriftliches Einverständnis vorliegen, allerdings ist das Einverständnis des Patienten in der Kurve oder Akte durch den Arzt zu notieren. Bei Kinder oder Patienten, die unmündig sind oder ihr Einverständnis nicht geben können, müssen Eltern oder Sorgeberechtigte informiert werden.
Ergebnisse von HIV-Tests sollten möglichst nur von Ärzten mitgeteilt werden, die sich entweder mit HIV auskennen oder wissen, an wen sie Patienten mit einer frischen HIV-Diagnose schicken können - Menschen, die mit HIV neu konfrontiert werden, brauchen intensive Unterstützung, und zwar zügig! Auch hier kommt es immer wieder vor, dass Hausärzte den Patienten den Test mitteilen, vielleicht noch veraltete Informationen mit auf den Weg geben und oft Wochen, manchmal Monate vergehen, bis in einer Schwerpunktpraxis das erste wirkliche, kompetente Gespräch über die Infektion geführt wird.
Das positive Ergebnis eines HIV-Tests sollte niemals am Telefon mitgeteilt werden. Erstens ist hier keine suffiziente Beratung möglich und zweitens kann die Reaktion des Patienten nicht vernünftig eingeschätzt werden - nicht selten entwickeln die Betroffenen Suizidgedanken. Gelegentlich wird sehr irrational und emotional reagiert, so dass ein langes Gespräch notwendig ist. Die Reaktion des Betroffenen ist nicht voraussehbar. Man sollte daher, wenn irgend möglich, einen Wiedervorstellungstermin und kein Telefonat vereinbaren (bei negativem Ergebnis kann man die Patienten dann immer noch anrufen...).
Aus den genannten Gründen ist ein Schnelltest für jedermann, wie er vor allem in den USA Verbreitung findet, problematisch.
Ein positiver ELISA-Test darf dem Patienten auf keinen Fall mitgeteilt werden. Da es zahlreiche Störfaktoren wie zum Beispiel Koinfektionen (Hepatitis B!) gibt, die einen solchen Screening-Test falsch positiv werden lassen, muss immer der Bestätigungstest abgewartet werden. Wenn hier das Bandenmuster im Western-Blot nicht vollständig ist, handelt es sich möglicherweise um eine Serokonversion oder um eine Fehldiagnose. Solche Tests sollten immer mit dem Labor und, besser noch, mit einem erfahrenen HIV-Arzt besprochen werden - bevor der Patient informiert wird. Wir haben es erlebt, das Betroffene tagelang in dem Glauben gelassen wurden, sie wären HIV-infiziert - weil ein ELISA-Test kreuzreagierte.
Man sollte bei jedem HIV-Test wissen, warum man den Test macht. Zu beachten ist hier das auch in Deutschland gar nicht so seltene Phänomen der AIDS-Phobiker - Menschen, die ebenso fest wie fälschlich überzeugt sind, sie wären HIV-infiziert. Oft werden hier in sehr engen Abständen und bei verschiedenen Ärzten wahllos HIV-Tests, mitunter auch teure PCR-Tests gemacht. Solche Menschen (die oft auch Wahnvorstellungen hegen, man würde ihnen das positive Testergebnis vorenthalten) brauchen psychologische und evtl. psychiatrische Hilfe.
Quelle hiv-net