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Hantavirus-Infektionen |
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Seit Beginn des Jahres hat die Zahl der übermittelten Hantavirus-Infektionen in Deutschland deutlich zugenommen. Im Zeitraum von Anfang Januar bis Anfang Juni (1.–22. Meldewoche) sind 526 labordiagnostisch bestätigte Hantavirus-Erkrankungsfälle an das Robert Koch-Institut übermittelt worden. Dieser Wert liegt 7-mal höher als der Durchschnittswert der Vorjahre, als im Vergleichszeitraum im Mittel 71 Erkrankungen (Minimum 2006: 17 Fälle; Maximum 2005: 171 Fälle) aufgetreten waren. Die Anzahl der wöchentlich übermittelten Fälle hat in den letzten Wochen kontinuierlich zugenommen und ist von der 14. Meldewoche mit 13 Fällen bis zur 22. Meldewoche auf 100 Fälle gestiegen (siehe Abb. 1).

Zu diesem Zeitpunkt war die maximale Zahl der in einem Kalenderjahr übermittelten Hantavirus-Erkrankungen (2005: 448 Fälle) bereits überschritten.
Der Großteil der Erkrankungen wurde mit 405 Fällen (77 %) aus
Baden-Württemberg übermittelt. Die übrigen Fälle verteilten sich auf Bayern (66), Nordrhein-Westfalen (30), Niedersachsen (16), Hessen (3) und Rheinland-Pfalz (2). Je 1 Fall wurde aus den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen übermittelt. In Baden-Württemberg lebt die Mehrzahl der Betroffenen auf der Schwäbischen Alb oder in angrenzenden Regionen, wo ein bekanntes Endemiegebiet für Hantaviren liegt. Die höchsten Inzidenzen mit > 5 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner (Kumulierte Inzidenz der Meldewochen 1 bis 22) wurden bisher in den Landkreisen Zollernalbkreis, Heidenheim, Reutlingen, Ostalbkreis, Sigmaringen, Göppingen, Böblingen, Tübingen und Alb-Donau-Kreis gemessen. In Bayern sind Landkreise in Unterfranken (z. B. Main-Spessart, Würzburg) sowie Landkreise in Niederbayern (Freyung-Grafenau) und Landkreise in Schwaben, die an die Schwäbische Alb angrenzen, betroffen. In Niedersachsen sind Erkrankungen in den Land- und Stadtkreisen Osnabrück aufgetreten (s. Abb. 2).

Insgesamt sind
Männer mit 77 % (n = 404) häufiger betroffen. Männer im berufstätigen Alter von 18 bis 65 Jahren haben darunter einen Anteil von 89 % (n = 361). Im Alter unter 10 Jahren wurde nur eine Erkrankung beobachtet. Die Infektionen wurden fast ausschließlich in Deutschland erworben (98 %; n = 518) und nahezu alle Infektionen (98 %; n = 514) wurden nach den vorliegenden Laborinformationen durch den Virustyp Puumala verursacht. Laut den übermittelten Angaben mussten 315 Erkrankte (60 %) stationär behandelt werden und bei 365 Erkrankten (69 %) trat eine Störung der Nierenfunktion auf.Das Reservoir von Hantaviren sind asymptomatisch infizierte Nagetiere
,Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2–4 Wochen (Zeitspanne 5–60 Tage). Die Hantavirus-Erkrankung beginnt meist mit abrupt einsetzendem hohem Fieber, das über 3–4 Tage anhält. Begleitend treten unspezifische grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Abdominalschmerzen und Myalgien auf. Charakteristischerweise tritt bei einem Teil der Patienten eine dialysepflichtige reversible Niereninsuffizienz auf. In den Landkreisen mit hoher Hantavirus-Inzidenz sollte beim Auftreten hoch fieberhafter Erkrankungen mit unspezifischer Begleitsymptomatik sowie beim Auftreten einer nicht geklärten Niereninsuffizienz differenzialdiagnostisch eine akute Hantavirus-Infektion aus geschlossen werden.
Das größte Risiko für eine Hantavirus-Infektion besteht bei Kontakten mit Mäusen oder deren Ausscheidungen. Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Hantavirus-Erkrankungen sollten insbesondere in den Endemiegebieten während des ganzen Jahres getroffen werden. Besonders wichtig sind sie allerdings in Jahren, wenn vermehrt Hantavirus-Infektionen bei Menschen auftreten oder ein vermehrtes Aufkommen der Reservoirwirte beobachtet wird. Ob wohl der überwiegende Teil der bisher beobachteten Erkrankungen in ländlichen Gebieten auftrat, besteht auch in anderer Umgebung ein gewisses Infektionsrisiko, da viele Gebäude oder Gebäudeteile (z. B. Wochenendhäuser, Schuppen, Garagen, Keller, Dachböden) von Mäusen bewohnt sein können.
Zu den Tätigkeiten und Situationen mit besonderem Infektionsrisiko gehören nach bisherigen Kenntnissen:
| ► | der Aufenthalt in und vor allem die Reinigung von Scheunen, Schuppen, Ställen oder verlassenen Häusern, in denen Mäuse hausen oder gehaust haben, |
| ► | Reinigung und das Auf- oder Umräumen von Dachböden, Garagen und Kellern waldnaher Häuser, |
| ► | Holzhacken und das Umschichten von Holz, |
| ► | Arbeiten im Wald, |
| ► | Kontakt mit Mäusen oder deren Ausscheidungen beim Arbeiten, Wandern, Zelten oder bei Freizeitaktivitäten, |
| ► | das Leben in oder der Besuch von Gegenden, in denen eine Zunahme des Mäusebestandes beobachtet wurde, |
| ► | das Arbeiten in geschlossenen Räumen, in denen Mäuse hausen oder gehaust haben. |
Maßnahmen zur Prävention von Hantavirus-Infektionen:
| ► | Vermeiden von Kontakten mit Nagetieren und deren Ausscheidungen, |
| ► | bei Entsorgung von Nagetierkadavern und Exkrementen vorheriges Benetzen mit Desinfektionsmitteln, |
| ► | Nagetierbekämpfung in Wohnbereichen, |
| ► | Einhaltung von Hygienemaßnahmen wie sichere Aufbewahrung von Nahrungsmitteln und Abfällen, |
| ► | Vermeidung von Staubentwicklung in kontaminierten Bereichen, beispielsweise durch Befeuchten, |
| ► | bei nicht zu vermeidender Staubentwicklung Tragen von Atemschutzmasken (z. B. FFP1-Masken aus dem Baufachhandel) und Einweghandschuhen, |
| ► | vor Betreten von Räumen, in denen Mäuse gehaust haben, gut lüften (alle Fenster und Türen für 30 min öffnen, ggf. Atemschutzmasken tragen). |
Aufgrund der Häufung von Hantavirus-Erkrankungen in mehreren Landkreisen Baden-Württembergs hat der öffentliche Gesundheitsdienst die Medienarbeit zur Aufklärung der Bevölkerung über Infektionsrisiken und Schutzmaßnahmen intensiviert. Das Landesgesundheitsamt in Stuttgart führt aktuell verschiedene Studien zur Klärung von Infektionsrisiken und Übertragungswegen durch.
© Robert Koch - Institut 2006
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