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Aviäre
Influenza |
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Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat in einer Pressemitteilung vom 06.04.2006 mitgeteilt, dass bei Geflügel in einem Geflügelbetrieb in Sachsen das (für Geflügel) hochpathogene Vogelgrippevirus H5N1 nachgewiesen wurde (www.bmelv.de). Das hätten Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts ergeben. Nach Frankreich handelt es sich damit um den zweiten Ausbruch von H5N1 in einem Nutztierbestand der Europäischen Union. In Deutschland war H5N1 zuvor bei Wildvögeln in mehreren Bundesländern, bei einem Steinmarder und bei drei streunenden Hauskatzen auf Rügen aufgetreten, weltweit sind seit Ende 2003 mehr als hundert Millionen Stück Geflügel verendet oder wurden gekeult, um die Verbreitung der Tierkrankheit aufzuhalten. Das Risiko, sich mit dem Geflügelpestvirus durch erkranktes Geflügel zu infizieren, ist für Menschen sehr gering, sollte aber ernst genommen werden.
Weltweit erkrankten bislang rund 180 Personen nach engem Kontakt zu infiziertem Geflügel, fast alle in Südostasien. Das Robert Koch-Institut hat bereits seit längerem auf seinen Vogelgrippeseiten im Internet Empfehlungen zur Prävention bei Menschen mit Kontakt zu kranken, verendeten oder ansteckungsverdächtigen Tieren veröffentlicht. Die zum Schutz der Beschäftigten zu treffenden Maßnahmen wurden vom Ausschuss für biologische Arbeitsstoffe im Beschluss Nr. 608 vom Februar 2006 bekannt gegeben (www.baua.de) und sind in die Empfehlungen integriert. Personen mit engem Kontakt zu kranken Tieren sollten geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen In erster Linie sollte bei gefährdeten Personen ein ungeschützter Kontakt mit erkrankten Tieren durch geeignete Schutzkleidung vermieden werden. Weitere Maßnahmen betreffen eine prophylaktische antivirale Therapie mit Neuraminidasehemmern für gefährdete Personen. Eine Influenza-Schutzimpfung (mit dem aktuellen humanen Impfstoff) von nicht geimpften Personen mit möglichem Kontakt zu erkrankten Tieren soll Doppelinfektionen mit den aktuell zirkulierenden humanen Influenzaviren und dem Erreger der Geflügelpest verhindern. Bei Doppelinfektionen besteht das Risiko, dass sich neue Virusvarianten ausbilden und ein neues, für Menschen gefährlicheres Virus entstehen könnte.
Informationen für Ärzte zum Vorgehen bei Verdacht auf Vogelgrippe sind ebenfalls auf den Vogelgrippeseiten des Robert Koch-Instituts abrufbar. Dort sind auch Antworten auf häufig gestellte Fragen und Hinweise zu Hotlines zu finden. Zur Geflügelpest bei Tieren arbeitet das Friedrich-Loeffler-Institut / Bundesforschungsinstitut für Viruskrankheiten der Tiere (FLI). Die Einschätzung möglicher Risiken für den Verbraucher durch tierische Produkte nimmt das Bundesinstitut für Risikobewertung vor. Hinweise auf ein derartiges Risiko gibt es derzeit nicht. Mit beiden Einrichtungen arbeitet das Robert Koch-Institut eng zusammen. Die Vorgaben zur Bekämpfung der Geflügelkrankheit kommen vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Empfehlungen für Haustierhalter und weitere Informationen zur Vogelgrippe bei Tieren sind auf den BMELV- und FLI-Internetseiten abrufbar.
Die Risikoeinschätzung für die Entstehung eines neuen Influenzavirus, das eine weltweite Grippewelle (Pandemie) auslösen kann, ändert sich durch das aktuelle Geschehen nicht grundlegend. Dies wäre nur der Fall, wenn der Erreger die Fähigkeit erlangt, sich effizient von Mensch zu Mensch auszubreiten (weitere Informationen des Robert Koch-Instituts zur Vogelgrippe, unter anderem Antworten auf häufig gestellte Fragen, sind abrufbar unter www.rki.de > Infektionskrankheiten von A – Z > Vogelgrippe). Allerdings wird das Risiko einer Pandemie maßgeblich davon beeinflusst, wie weit ein Virus verbreitet ist, das das Potential für eine weitere Anpassung an den Menschen und damit der Entstehung eines neuen Pandemievirus besitzt. Insofern bedeutet jede neue Fund des Erregers eine gewisse Erhöhung des Risikos. Wichtiger als einzelne Erkrankungen bei Wildvögeln (mit denen Bürger normalerweise keinen Kontakt haben) oder einzelne Ausbrüche in Nutztierbeständen in Industrieländern sind große Ausbrüche bei Geflügel in Regionen mit engem Kontakt zwischen Geflügel und Mensch, insbesondere in Südostasien.
Das Robert Koch-Institut weist ebenso wie die Weltgesundheitsorganisation darauf hin, dass das Pandemierisiko derzeit so hoch ist wie seit Jahrzehnten nicht (siehe Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Influenzapandemieplan). Die effiziente Übertragung von Mensch zu Mensch ist H5N1 bislang noch nicht gelungen. Das Virus könne aber durch ständige Änderungen seines Erbguts oder – schlagartig – durch den Austausch ganzer Gene mit humanen Influenzaviren die Fähigkeit erlangen, effektiver als bisher Menschen zu infizieren und vor allem effizient von Mensch zu Mensch übertragen zu werden. Ein solcher Erbgutaustausch könnte in einem Menschen geschehen, der gleichzeitig infiziert ist mit einem Vogelgrippevirus und einem an den Menschen bereits angepassten, jeden Winter zirkulierenden, Grippevirus. Daher bedeutet jeder neue Vogelgrippefall beim Menschen ein gewisses Risiko, falls gleichzeitig die "üblichen" Grippeviren zirkulieren.
Die aktuelle Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit, die gemeinsamen Vorbereitungen auf eine Pandemie auf nationaler und internationaler Ebene weiter rasch voranzubringen (Informationen zur Pandemieplanung, darunter Antworten auf häufig gestellte Fragen, sind abrufbar unter www.rki.de Infektionskrankheiten A - Z > Influenza > Influenzapandemieplanung).
Das Wort „Vogelgrippe“ (aviäre Influenza) bezeichnet eine Erkrankung durch Vogel-Influenzaviren. So genannte hochpathogene aviäre Influenzaviren sind aggressive Erreger und führen zu schweren Schäden an den Tierbeständen, weil ein Großteil des infiziertem Geflügels an der Krankheit verendet. Daher kommt auch der Begriff „Geflügelpest“. In der Umgangssprache werden die Begriffe Geflügelpest und Vogelgrippe häufig synonym verwendet (mit Vogelgrippe wird eigentlich generell jede Erkrankung des Geflügels durch aviäre Influenzaviren bezeichnet). Meist ist aber die Geflügelpest gemeint, die durch hochpathogene aviäre Influenza A-Viren vom Subtyp H5 oder H7 hervorgerufen werden kann. Mit H und N werden die beiden wichtigsten Eiweiße der Virushülle (Hämagglutinin und Neuraminidase) abgekürzt. Im Tierreich existieren unterschiedliche Ausprägungen davon, die „durchnummeriert“ sind. Wassergeflügel bildet ein natürliches Virusreservoir für so genannte niedrig pathogene Influenzaviren. Im infizierten Wirtschaftsgeflügel können niedrig pathogene Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 zu einer hoch pathogenen Form mutieren, die sich dann klinisch als Geflügelpest zeigt.
Die in den letzten Jahrzehnten vorkommenden und in der
Bevölkerung zirkulierenden Influenzaviren gehören entweder zum Subtyp H3N2 und
H1N1, beides Influenza-A-Viren, oder es sind Influenza B-Viren, die aber noch
nie eine Pandemie ausgelöst haben.). Seitdem in den letzten Jahren beobachtet
wurde, dass bei Vögeln vorkommenden Influenzaviren auch Erkrankungen bei
Menschen hervorrufen, werden auch menschliche Erkrankungen durch diese Viren als
Vogelgrippe bezeichnet. Menschen können in aller Regel nur sehr schwer durch
Vogel-Influenzaviren infiziert werden.
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