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Masern |
Nach der Eradikation der Pocken und - wie angestrebt - der Kinderlähmung, sind die Masern die dritte Infektionskrankheit, deren weltweite Ausrottung durch ein konsequent durchgeführtes Impf- und Bekämpfungsprogramm realisierbar scheint. Aus globaler Sicht ist die Bedeutung der Masern in Entwicklungsländern, besonders in Afrika, am größten. Hier gehören sie zu den zehn häufigsten Infektionskrankheiten mit einem hohen Anteil tödlicher Verläufe.
Es ist ein erklärtes Ziel der WHO in der Region Europa die Maserninzidenz bis zum Jahr 2 000 auf weniger als eine Erkrankung pro 100 000 Einwohner zu senken. Die Umsetzung dieser Zielstellung ist einer der Schwerpunkte der 7. Tagung der Impfprogramm-Koordinatoren aller Mitgliedsstaaten der Europäischen Region der WHO, die in der Zeit vom 10.-12. November 1997 in Berlin stattfindet. Während in einigen europäischen Ländern, wie z.B. Großbritannien, den Skandinavischen Ländern, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Ungarn, bereits größere Fortschritte erreicht wurden, ist dieses Ziel in vielen anderen europäischen Ländern - darunter auch in Deutschland - noch nicht in Sicht.
Das RKI schätzt, daß in Deutschland jährlich über 100 000 Menschen an Masern erkranken. Es muß damit gerechnet werden, daß in Ländern wie der Bundesrepublik unter 10 000 Masernerkrankungen ein Todesfall auftritt und es bei einem von 2 000 Masernfällen zu einer Enzephalitis (Hirnhautentzündung) - nicht selten mit bleibenden Schäden - kommt. Im Hinblick auf die Verbesserung des Impfschutzes bilden sich für Europa zwei Schwerpunktregionen heraus:
| Länder Ost- und Südeuropas, in denen aufgrund widriger sozio-ökonomischer Bedingungen die etablierten Strategien der Masernelimination nicht konsequent weiter verfolgt werden können |
| Länder, wie z.B. Deutschland, Italien und Spanien, in denen die Masern weiterhin zirkulieren, die Durchimpfungsraten nicht optimal sind und eine systematische Überwachung der Masern fehlt |
Für die erste Gruppe von Ländern muß über eine verstärkte internationale Zusammenarbeit und Unterstützung beraten werden. Für die anderen Länder, so auch für Deutschland, kommt es darauf an, die Immunität der Bevölkerung durch die empfohlenen Impfungen und entsprechende Durchimpfungsraten zu erhöhen, eine effektive Surveillance sicherzustellen und eine aktive Bekämpfung von Ausbrüchen vorzunehmen. Eine dauerhafte Senkung der Zahl der Masernerkrankungen ist durch Impfraten von über 90% sowie eine zweimalige Masernimpfung realisierbar. Eine effektive Surveillance könnte ein bundesweites Sentinel-System, in dem niedergelassene Ärzte über Krankheitsfälle berichten und ein effizientes Meldewesen gewährleisten.
In Kooperation mit dem Deutschen Grünen Kreuz und Impfstoffherstellern versucht das RKI gegenwärtig, ein bundesweites Sentinel-System zu Masern zu initiieren. Nach dem geplanten Infektionsschutzgesetz ist jeder Masernerkrankungsfall dem RKI zu melden. Das RKI wird somit eine wichtige Funktion bei der Masern-Surveillance haben, die auch dazu dient, Ausbrüche rechtzeitig zu entdecken und zu bekämpfen. Ein umfassendes Interventionsprogramm zur Eliminierung von Masern in Deutschland wird gegenwärtig unter Federführung des RKI entwickelt. Obwohl der Trend für die Masern-Durchimpfung in Deutschland ansteigend ist, bedarf es weiterhin erheblicher Anstrengungen, die von der WHO gestellte Zielsetzung zu erreichen.
© Robert-Koch Institut 1997