Maul- und Klauenseuche
(MKS; Foot-and-mouth disease, FMD)

Erkrankte Kuh

(Zuletzt bearbeitet am 23.02.2001)

Erreger

Aphthovirus aus der Familie Picornaviridae. Serotypen O (vom französischen Departement Oise), A (von „Allemagne“ = Deutschland), C, Asia 1, SAT 1-3 (South African Type), jeweils mit vielen Untertypen ohne Kreuzimmunität (!). In Europa sind bisher nur die Typen O, A und C nachgewiesen worden.

Epidemiologie

Das Wirtsspektrum umfaßt außer Klauentieren unter anderen auch Elefanten und Menschen (seltene Laborinfektion, harmloser Verlauf). Die Morbidität bei Menschen scheint jedoch gering zu sein. So hatten viele Personen, die in virologischen Labors arbeiteten, Antikörper, ohne jemals Krankheitserscheinungen gezeigt zu haben. Schalenwild scheint in Deutschland bisher keine Rolle im Seuchengeschehen gespielt zu haben.
Weltweite Verbreitung, mit Ausnahme von Nordamerika, Australien und Neuseeland. Letzte Ausbrüche in der BRD: Ende 1987, Anfang 1988 nordöstlich von Hannover. Letzte Ausbrüche in der EU: Italien (1994), Griechenland (1995, 1996, 2000 [Asia 1]). Nach den Ausbrüchen in Griechenland von 1996 trat MKS auch in Albanien auf, außerdem im Kaukasus, Nordafrika (dem Virus scheint es gelungen zu sein, die Sahara zu überwinden, welche bisher als natürliche Barriere angesehen wurde).
Im Jahr 1997 gab es einen größeren Ausbruch von MKS in Taiwan (Typ O Taiwan), bei dem nur Schweine erkrankten, obwohl auf manchen der betroffenen Betrieben auch Wiederkäuer gehalten wurden.

Morbidität in empfänglichen Populationen nahezu 100 %. (In Ostasien ist jedoch im Jahr 2000 ein Stamm vom Typ O isoliert worden, der bei einigen Rinderrassen zur Serokonversion führt, ohne dass Krankheitserscheinungen auftreten, was die Diagnostik naturgemäß erschwert. Quelle: OIE Pressemitteilung vom 22. 6. 2000) Letalität bei erwachsenen Rindern 2 - 50 %, bei jüngeren Rindern höher. Wirtschaftliche Verluste entstehen weniger aufgrund von Todesfällen, sondern aufgrund langanhaltender Leistungsdepression und der Kosten der Bekämpfungsmaßnahmen.

Nach überstandener Krankheit können Tiere längere Zeit (> 2 Jahre) Virusträger bleiben, was bei importierten Wildwiederkäuern zu beachten ist.

Pathogenese

Erster Infektionslokus und Vermehrungsort ist der Pharynx. Danach erscheint das Virus in Blut, Milch und Speichel, bevor die typischen Schleimhautläsionen auftreten.

Klinische Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt 1 - 7 Tage, meist 3 - 6 Tage. Schon vor dem Auftreten der typischen Aphthen (schmerzhafte Blasen in der kutanen Schleimhaut, die sich durch Verflüssigung von Zellen und Exsudation vom Papillarkörper aus im Stratum spinosum bilden. Das Stratum germinativum als Aphthengrund bleibt unversehrt, weshalb die Abheilung ohne Narbenbildung erfolgt. In der humanmedizinischen Literatur werden Aphthen z.T. anders definiert.) besteht Fieber. Mit Beginn der Stomatitis speicheln die betroffenen Tiere ("MKS-Bart") und schmatzen in eigenartiger Weise. Wegen der Schmerzen an den Füßen Trippeln, zuckendes Anheben der Füße.
Es gibt auch besonders bösartige Verlaufsformen mit Myokarditis und akutem Herzversagen, besonders bei Kälbern, die dann plötzlich verenden können, ohne die typischen Läsionen entwickelt zu haben.

Zunge eines Rindes mit Aphthen

Zunge eines Rindes mit aufgeplatzter Aphthe

Zunge eines Rindes mit Aphthen Zunge eines Rindes mit aufgeplatzter Aphthe

vermehrtes Speicheln ("MKS-Bart")

Aphthen an den Zitzen

vermehrtes Speicheln ("MKS-Bart") Aphthen an den Zitzen

Diagnose

Im ausgeprägten Stadium ist die Krankheit klinisch mit hinreichender Sicherheit zu erkennen.

Differentialdiagnosen

Bezüglich der Veränderungen in der Maulhöhle: Mucosal Disease, Stomatitis papulosa, BKF, Rinderpest, Stomatitis vesicularis (kommt in Deutschland nicht vor, befällt im Gegensatz zu MKS auch Pferde).
Bezüglich der Veränderungen im Zwischenklauenspalt: MD, Dermatitis digitalis, Mauke.

§

Die Krankheit und der Verdacht sind anzeigepflichtig.

Behandlungsversuche sind verboten. Alle Klauentiere des betroffenen Bestandes werden unter strengen Sicherheitsmaßnahmen getötet und unschädlich beseitigt (VO zum Schutz gegen die MKS i. d. F. d. Bek. v. 1.2.1994).
In manchen Ländern der EU werden umfangreiche Vorkehrungen für den Ernstfall (= Ausbruch von MKS) getroffen, z.B. in Form von realistischen Übungen. In Bayern, das aufgrund seiner geographischen Lage als besonders gefährdet angesehen wird, existiert ein Notfallplan.
Das Weltreferenzlabor für MKS ist in Pirbright, GB.

Prophylaxe

In der BRD erfolgte bis 31. 3. 1991 jährliche Impfung mit inaktivierter trivalenter Vakzine. Seither ist die Impfung in der EU verboten, und es ist auch kein Impfstoff mehr im Handel. Für Notfälle ist jedoch auf der Insel Riems eine Impfstoffbank eingerichtet worden. Es wird aber weiterhin an der Fortentwicklung von Vakzinen gearbeitet.

Die Bayerische Landestierärztekammer (Theatinerstr. 42/II, 80333 München) hat eine Broschüre zum Thema „Ist der praktische Tierarzt auf einen eventuellen MKS-Ausbruch vorbereitet?“ herausgegeben (Stand Juni 1996)

Literatur

PubMed
Bauer, K. 1997. Foot-and-mouth disease as zoonosis. Arch. Virol. Suppl. 13:95-97.
Yang, P. C., R. M. Chu, W. B. Chung, und H. T. Sung. 1999. Epidemiological characteristics and financial costs of the 1997 foot-and-mouth disease epidemic in Taiwan. Vet. Rec. 145:731-734


© Copyright 1999, 2000, II. Medizinische Tierklinik, Ludwig-Maximilians-Universität München

 

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