|
Maul-
und Klauenseuche |
|
Die Maul- und Klauenseuche
(MKS) ist eine hochkontagiöse Viruskrankheit, die fast ausschließlich
Paarhufer (Haus- und Wildtiere) befällt. Aktuelle Ausbrüche in Großbritannien
mit der realen Gefahr eines Übergreifens auf benachbarte Länder haben die
allgemeine Aufmerksamkeit auf die Krankheit und ihre möglichen Auswirkungen
gelenkt.
Die verursachenden MKS-Viren
bilden innerhalb der Familie der Picornaviridae ein eigenes Genus (Aphthovirus)
mit 7 Serotypen (die bestimmten Regionen, z. B .Europa, Südafrika, Asien
zugeordnet werden können) und verschiedenen Subtypen. Mit Ausnahme von
Australien, Neuseeland und Nordamerika ist die Tierkrankheit weltweit
verbreitet. Das Virus zeichnet sich durch eine ausgesprochen hohe Resistenz
gegenüber Umwelteinflüssen aus.
Bei erkrankten Tieren ist das
Virus vor allem in den krankheitsspezifischen Läsionen, aber auch im Blut und
in den Organen vorhanden und kann über Milch, Speichel, Schweiß, Urin, Sperma
und Kot ausgeschieden werden. Die Übertragung des Erregers erfolgt durch
Schmier- und Kontaktinfektionen (über Vektoren und Vehikel), aber auch aerogen.
Besondere Probleme entstehen neben der Umweltresistenz der Erreger dadurch, dass
die Erreger bei infizierten Tieren lange persistieren (einige Monate) und auch
ausgeschieden werden.
Kann der Mensch sich infizieren
und erkranken? Die Pathogenität des MKS-Virus für den Menschen ist nur sehr
gering. Infektionen des Menschen mit nachfolgender Erkrankung wurden bei früheren
Ausbrüchen nur vereinzelt beobachtet; zu bemerken ist, dass dann immer ein
direkter Kontakt zu infizierten Tieren in der Tierhaltung oder beim Schlachten
vorhanden war (Laborinfektionen sind möglich). Begünstigend wirken mangelhafte
Arbeitshygiene, eine sehr massive Exposition und Hautverletzungen, die als
Eintrittspforte dienen können. Bei diesen im Rahmen früherer Ausbrüche
beobachteten seltenen Erkrankungsfällen bei Menschen kam es nach etwa 2 – 8
Tagen in der Regel zu einer Primäraphthe an der Eintrittspforte des Erregers,
einer leichten fieberhaften Allgemeinreaktion und nachfolgend zu Bläschen an
der Mund- und Rachenschleimhaut sowie an den Fingern und Zehen. Durch das Fehlen
weiterer Organmanifestationen am ZNS oder als Myokarditis, wie sie vom Tier
bekannt sind, ist der Verlauf beim Menschen unkompliziert. Die Therapie ist
symptomatisch. Zur Verhütung von Infektionen des Menschen gilt individuelle
Hygiene als ausreichend.
Die Diagnose beim Menschen stützt
sich auf klinische und epidemiologische Befunde. Differentialdiagnostisch sind
mit Bläschenbildung einhergehende Syndrome von Bedeutung (Stomatitis aphthosa,
Herpesvirus-Infektionen, Hand-Fuß-Mund-Krankheit durch bestimmte
Coxsackie-Viren der Gruppen A und B, Pemphigus vulgaris, Erythema exsudativum
multiforme). Labordiagnostische Methoden stehen an der Bundesforschungsanstalt für
Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen zur Verfügung.
Falls es zu einer Einschleppung
nach Deutschland käme, ginge von pasteurisierter Milch bzw. Milchprodukten und
Fleisch bei der bei uns üblichen Hygiene und Zubereitung keine Gefahr für den
Menschen aus. – Menschen aus dem Umfeld erkrankter Tiere können das MKS-Virus
als Vektoren weitergeben, in der Regel durch mechanische Verbreitung, z. B. über
Kleidung und Schuhe. Dies ist tierseuchenhygienisch von großer Bedeutung und
begründet im Falle eines Ausbruchs bei Tieren ggf. bestimmte Schutz- und
Vorsichtsmaßnahmen.
Der MKS wurde in den letzten
Jahrzehnten vor allem auch in Deutschland besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Dies zeigt sich auch daran, dass in Deutschland seit mehr als einem Jahrzehnt
keine MKS-Fälle aufgetreten sind. Eliminierung infizierter und verdächtiger
Tiere sowie die entsprechenden hygienischen Vorsichtsmaßnahmen haben vor allem
in Europa nicht nur zum Zurückdrängen der Krankheit bei Tieren geführt,
sondern auch Übertragungen auf den Menschen zu einem seltenen Ereignis gemacht.
In der älteren Literatur (vor 1950) wird auch über die Übertragung der
Krankheit auf Welpen und junge Katzen, aber auch auf Säuglinge – vor allem
durch frische Rohmilch erkrankter Rinder – berichtet.
Literaturhinweise:
Maul- und Klauenseuche. In:
Krauss H, Weber A, Enders B, Schiefer HG, Slenczka W, Zahner H: Zoonosen: Von
Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheiten. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln,
1997; S. 176 – 178
Mayr A: Maul- und Klauenseuche.
In: Trüb CLP, Daniels J, Bosch J (Hrsg.): Das öffentliche Gesundheitswesen.
Bd. III. Hygiene und Seuchenbekämpfung. Teil A: Grundlagen, Verhütung und Bekämpfung
übertragbarer Krankheiten. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1971; S. 552 – 567
Rolle M, Mayr A: Medizinische
Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre für Tierärzte, Biologen und
Agrarwissenschaftler. Lehrbuch für Praxis und Studium. Ferdinand Enke Verlag,
Stuttgart, 1993
Quelle: Epidemiologisches
Bulletin 9/2001 des RKI
| zurück zum Seitenanfang |
| zurück zur Übersicht der Maul- und Klauenseuche |
| zurück zu Infektionen A - Z |
| zurück zu Krankheiten A - Z |