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Noroviren
(Ratgeber des RKI aktualisiert: Juli 2008, Erstveröffentlichung im
Epidemiologischen Bulletin 4/2000)
Maßnahmen bei Ausbrüchen |
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Beim Auftreten von Norovirus-Erkrankungen in Krankenhäusern,
Gemeinschaftseinrichtungen oder Altenheimen bildet die rasche klinische
Abgrenzung auftretender Norovirus-Infektionen von anderen, z.B. durch
Lebensmitteltoxine verursachten Gastroenteritiden, die Grundlage einer
effektiven Ausbruchsprävention. Wenn die typische Symptomatik und die
epidemiologischen Merkmale auf eine Norovirus-Infektion hindeuten, sollten
aufgrund der epidemischen Potenz präventive Maßnahmen rasch und konsequent
ergriffen werden, auch ohne die Bestätigung durch virologische Untersuchungen
abzuwarten.
Es
empfiehlt sich, dass erkrankte Personen während der symptomatischen Phase keine
betreuenden Tätigkeiten in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen ausüben.
Die
wichtigsten empfohlenen Maßnahmen sind:
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Isolierung betroffener
Patienten in einem Zimmer mit eigenem WC; ggf. Kohortenisolierung;
-
Unterweisung der
Patienten und des Personals hinsichtlich korrekter Händehygiene,
Händedesinfektion mit einem viruzid wirksamen Händedesinfektionsmittel (s.
auch Punkt 2) und Pflege der Patienten mit Einweghandschuhen, Schutzkittel
und ggf. geeignetem Atemschutz zur Vermeidung einer Infektion im
Zusammenhang mit Erbrechen;
-
Durchführung einer
sorgfältigen Händehygiene, Händedesinfektion mit einem viruzid wirksamen
Händedesinfektionsmittel nach Ablegen der Einweghandschuhe und vor Verlassen
des Isolationszimmers;
-
tägliche (in
Sanitärbereichen ggf. häufigere) Wischdesinfektion aller patientennahen
Kontaktflächen inkl. Türgriffen mit einem Flächendesinfektionsmittel mit
nachgewiesener viruzider Wirksamkeit (als Wirkstoffe sollten Perverbindungen
oder Aldehyde bevorzugt werden);
-
kontaminierte Flächen
(z.B. mit Stuhl oder Erbrochenem) sofort nach Anlegen eines Atemschutzes
gezielt desinfizierend reinigen;
-
Pflegeutensilien
personenbezogen verwenden und desinfizieren;
-
Bett- und Leibwäsche
als infektiöse Wäsche in einem geschlossenen Wäschesack transportieren und
in einem (chemo-thermischen) Waschverfahren ≥ 60°C zu reinigen;
-
Geschirr kann in der
Regel wie üblich maschinell gereinigt werden;
-
Kontaktpersonen (z.B.
Besucher, Familie) sind auf die mögliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung durch
Kontakt oder virushaltige Tröpfchen beim Erbrechen hinzuweisen und in der
korrekten Händedesinfektion zu unterweisen;
-
Minimierung der
Patienten-, Bewohner- und Personalbewegung zwischen den Bereichen/Stationen,
um die Ausbreitung innerhalb der Einrichtung nach Möglichkeit zu verhindern
(Hinweis auf die Infektionsgefahr bei notwendiger Verlegung eines Erkrankten
auf eine andere Station);
-
strenge
Indikationsstellung bei akut Erkrankten hinsichtlich der Verlegungen
innerhalb von stationären Bereichen, Altenheimen oder
Gemeinschaftseinrichtungen. Die aufnehmende Institution ist vorab zu
informieren.
-
Stationen oder
Bereiche, die aufgrund eines Norovirus-Ausbruches für Neuaufnahmen von
Patienten gesperrt waren, sollten unter Berücksichtigung der Inkubationszeit
nach Auftreten des letzten Krankheitsfalles erst nach erfolgter
Schlussdesinfektion wieder geöffnet werden.
Zur
Aufbereitung von Medizinprodukten verweisen wir auf die entsprechenden
Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention („Anforderungen
an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“ sowie „Anforderungen
an die Hygiene bei der Aufbereitung flexibler Endoskope und endoskopischen
Zusatzinstrumentariums“.
Zur
ätiologischen Klärung ist die gezielte Diagnostik parallel zu den anderen
üblichen Untersuchungen durchzuführen. Zur Zeit gilt als sicherster Nachweis für
Noroviren die RT-PCR aus dem Stuhl (Goldstandard). Bei größeren Ausbrüchen ist
es nicht notwendig, alle Betroffenen zu untersuchen. In diesen Fällen genügt der
Nachweis in der Regel bei maximal 5 der betroffenen Personen, um dann bei den
anderen Erkrankten aus der gleichen Umgebung mit ähnlichen Symptomen ebenfalls
eine Norovirus-Infektion zu diagnostizieren. Wichtig ist darauf hinzuweisen,
dass hygienische Maßnahmen auch nach Sistieren der akuten Symptomatik von
ausschlaggebender Bedeutung sind. Der Erregernachweis im Stuhl kann noch Monate
nach Abklingen der Symptomatik positiv sein. Auf eine sorgfältige Händehygiene
muss daher im Folgezeitraum geachtet werden.
Zur
Zeit werden von vielen Laboren EIAs zum Nachweis von Norovirus-Antigen im Stuhl
angeboten. Diese Tests können derzeit nicht die einzige Stütze der Diagnostik
sein. Für spezifische Fragen zur Norovirus-Diagnostik steht das Konsiliarlabor
für Noroviren (Adresse s.u.) zur Verfügung.
Im Hinblick auf die Vermeidung von Ausbrüchen sollte
erkranktes Personal auch bei geringen gastrointestinalen Beschwerden von der
Arbeit freigestellt werden und erst frühestens 2 Tage nach Ende der klinischen
Symptomatik die Arbeit unter sorgfältiger Beachtung der Händehygiene wieder
aufnehmen. Ein Monitoring bezüglich Überwachung der Virusausscheidung ist nicht
angezeigt.© Robert Koch - Institut