Detailinformation zu Pocken und Pockenschutz
Virologische Diagnose

© Prof. Dr. R. Thomssen, Göttingen,
im Auftrage der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V. und der Gesellschaft für Virologie e.V. Stand 7.02.2003

Aussichtsreich  wenn Mundschleimhauteffloreszenzen und Hautvesikel vorliegen. Man entnimmt mit scharfen Löffel Vesikel - oder Pustelmaterial und läßt es zwischen zwei Objektträgern eintrocknen oder gibt es in kleine  sterile Röhrchen, die sich gut verschließen laßen.  Rascher direkter  Transport  in ein im Pockenalarmplan  aufgeführtes zuständiges  Labor unter Beachtung hygienischer Sicherheitsmaßnahmen. Die Lichtmikroskopie von gefärbten Abstrichen der Effloreszenzen liefert rasch erste Hinweise: Bei Pocken kann man intrazytoplasmatische Einschlüsse erkennen (Guarnierische Körperchen), bei Windpocken intranukleäre. Einen raschen Beweis für das Vorliegen einer Poxvirusinfektion liefert die Elektronen-mikroskopie. Sie kann jedoch nicht zwischen dem Variolavirus und anderen Viren der  Orthopoxvirusgruppe unterscheiden. Ein weitere Nachweismöglichkeit   liefert die Polymerasekettenreaktion, die empfindlicher als die Elektronenmikroskopie ist, klar zwischen Herpesviren (z.B. dem Varizellenvirus) und einem Poxvirus der Orthopoxvirusgruppe zu unterscheiden vermag, während die Identifizierung des Poxvirus variolae als Spezies noch eingeübt werden muß. Die Anzüchtung des Poxvirus variolae erfolgt auf der Chorioallantoismembran bebrüteter Hühnereier, wo sich dieses Virus  auf grund  der Morphologie der Plaques vom Vacciniavirus und von Herpesviren abgrenzen läßt, oder auch  mit Hilfe von Zellkulturen. Auch die Skarifizierung der Kaninchencornea mit Nachweis der zytoplasmatischen Guarnierischen Einschlußkörpern  (Virusproduktionsstätten) ist möglich, kann aber wegen der schwierigen Sicherheitsmaßnahmen  nicht generell  durchgeführt werden.  Ich rate, daß in Deutschland einige wenige  Labors  mit der Diagnostik  beauftragt werden. Jedoch sollte man peripher auch auf den „worst case“ eingerichtet sein, bei dem unter Umständen der Verkehr nicht mehr funktioniert. Die elektronenoptische Abteilung des Robert Koch Instituts, Leitg. Prof. Gelderblom, schlägt intensive Zusammenarbeit aller diagnostischer Laboratorien vor, die über ein Elektronenmikroskop verfügen. Antikörperbestimmungen  kommen als diagnostische Maßnahme zu spät.

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