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Steckbrief
des RKI |
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| Virus: | Enterovirus (RNA), 3 Subtypen |
| Verbreitung: | weltweit, Endemiegebiete vor allem in Drittweltländern, in Deutschland selten importierte (letzter importierter Fall 1992) und nur wenige "Impfpolio"-Fälle (1-3 pro Jahr). |
| Infektionsweg: | Der Mensch ist der einzige natürliche Wirt des Poliovirus. Die Übertragung des hochkontagiösen Virus erfolgt durch direkten Kontakt, zumeist als fäkale Schmierinfektion. |
| Dauer der Inkubation: | 5-14 Tage (bis 35 Tage). |
| Symptomatik: | Das klinische Erscheinungsbild der Poliomyelitis kann stark
variieren, man unterscheidet grob zwei Formen: a) die abortive Poliomyelitis, die sogenannte "minor illness". 80-90% der Infektionen, insbesondere bei Kleinkindern, verlaufen ohne ZNS-Beteiligung als fieberhafter Infekt, evtl. mit Kopfschmerzen und Übelkeit. Die Symptomatik dauert in der Regel nur 24-72 Stunden an. b) die sogenannte "major illness", die nichtparalytisch oder paralytisch verlaufen kann. Von dieser Krankheitsform sind eher ältere Kinder oder Erwachsene betroffen. Zumeist beginnt die Symptomatik plötzlich. Neben Fieber, starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, gastrointestinalen Symptomen und Muskelschmerzen können Hyper- oder Parästhesien beobachtet werden. In wenigen Fällen folgt auf dieses Krankheitsbild der aseptischen Meningitis nach Fieberabfall eine Progression ins paralytische Stadium. Durch Schädigung der Motoneurone im Vorderhorn treten Verlust von Muskeleigenreflexen, asymmetrische Muskelschwächen oder Lähmungen auf. Bei Beteiligung der Interkostalmuskulatur, der Zwerchfellmuskulatur (spinale Form) oder des Hirnstammes kann es zu Atemlähmung kommen. Die Liquoruntersuchung zeigt meist eine Zellzahl zwischen 20 und 300 Zellen/µl (vorwiegend Lymphozyten) bei normalen Zuckerwerten und leicht erhöhtem Protein. Die abortive und die nichtparalytische Verlaufsform heilen folgenlos aus. Bei der paralytischen Form gesunden ca. 50% der Patienten ohne Residualzustände, ca. 25% leiden unter milden und ca. 25% unter schweren permanenten Muskelschwächen bzw. Lähmungen. Die Rückbildung der Symptomatik kann bis zu 2 Jahre beanspruchen, jedoch sind die ersten 6 Monate ach Erkrankung prognostisch entscheidend. Die Letalität der "major illness" liegt bei ca. 1-4%, kann bei der bulbären Verlaufsform jedoch bis zu 10% betragen. Therapie: symptomatisch. |
| Differentialdiagnose: | Andere Viruserkrankungen (hervorgerufen durch z.B. Coxsackieviren, Echoviren), Polyradikulitis |
| Prophylaxe, Immunität: | Die Durchführung einer aktiven Immunisierung mit Lebendvirus-Impfstoff (Sabin) oder gegebenenfalls mit inaktiviertem Virus (Salk) wird bei allen Säuglingen/Kleinkindern empfohlen. Beide Impfstoffe hinterlassen einen zuverlässigen Schutz. Bei Impfung von Personen mit Immundefizienz oder von deren engen Kontaktpersonen ist der inaktivierte Polio-Impfstoff anzuwenden. |
| Gesetzliche Regelungen: | Meldepflicht bei Verdacht, Erkrankung und Tod. |
| Diagnostik: | Nachweis des Virus in Stuhl und Rachenspülflüssigkeit
bereits während der Inkubationszeit möglich, später auch im Liquor. Die
Virusausscheidung im Stuhl persistiert in der Regel für ca. 3-6 Wochen. Serologie: Titeranstieg. Immunitätsnachweis: über NT. |
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