Asbest
Autor: Dr. Otto / DISU Osnabrück
Vorkommen
Das griechische Wort asbestos (unauslöschlich, unvergänglich) bezeichnet die
wichtigsten Eigenschaften dieses natürlich vorkommenden Minerals: Es ist nicht brennbar,
chemisch beständig, fault und korrodiert nicht und eignet sich somit gut als
Isoliermaterial. Es handelt sich um Silikatfasern. Die Toxizität von Asbest wird von der
Fasergeometrie, der Fasergröße und der Biobeständigkeit beeinflußt, die wiederum von
der Asbestart, der Kristall- und Faserstruktur abhängt. Die stärkste krebsauslösende
Wirkung hatten Fasern mit 8 µm Länge und einem Durchmesser von < 0,25 µm. Fasern mit
5 µm Länge und einem Längen-Breiten-Verhältnis 3 gelten als sogenannte "kritische
Fasern". Fasern unter 2 µm sind in Tierversuchen nie kanzerogen gewesen. Der viel
häufiger industriell verwendete kurzfaserige Weißasbest (Chrysotil) ist demnach
wesentlich weniger toxisch als der längerfaserige Blauasbest (Krokydolith).
Asbest wird als Baustoff verwendet und fand bis vor kurzem noch weite Anwendung bei Brems-
und Kupplungsbelägen für Kfz und als hitzebeständiges Isoliermaterial.
Zur Bestimmung der Asbestkonzentration in der Luft wird die Faserabscheidung aus einer
bestimmten Luftmenge auf speziellen Filtern gemessen. Mit einem Rasterelektronenmikroskop
werden Fasern mit einer Länge von über 5 µm gezählt. Die älteren Methoden der
einfachen Staubpartikelzählung waren weniger aussagekräftig.
Metabolismus
/ Toxikokinetik
Die meisten der inhalativ aufgenommenen und in den oberen Atemwegen zurückgehaltenen
Asbestfasern werden z.B. durch Flimmerhärchenbewegungen wieder entfernt. Amphibolasbest
weist aufgrund seiner Stabilität eine außerordentlich lange Verweildauer in der Lunge
auf (1).
Grenzwerte
Trinkwasser: 10 000 Fasern/Liter (Fasern 5 µm) (2).
MAK-Liste:
Asbest (Aktinolith, Amosit, Anthophyllit, Chrysotil, Krokydolith und Tremolit) sind als
humankanzerogene Schadstoffe (III A1) eingestuft (3).
Umweltbelastung
In der Außenluft in Städten liegen die Faserkonzentrationen etwa zwischen 50 und
200 /m3, in der Nähe von stärker asbestzementhaltigen Gebäuden zum Teil auch wesentlich
über 300/m3 (4). Durch Abrieb von Brems- und Kupplungsbelegen findet an viel befahrenen
Straßen im Großstadtbereich (z. B. an Kreuzungen) je nach Staubverwirbelung eine
relevante Asbestfaserexposition statt.
Vergiftungsbild
Asbestinduzierte Krankheiten
Die Asbestose, als Berufskrankheit anerkannt, wird ausschließlich bei Asbestarbeitern
beobachtet, die über viele Jahre hohen Asbestkonzentrationen am Arbeitsplatz ausgesetzt
gewesen sind. Es handelt sich um eine Fibrose von Lunge und Pleura.
Ebenfalls nach langer beruflicher Exposition entstehen Lungenkrebserkrankungen. Das Risiko
ist etwa um den Faktor 5 höher als in der Normalbevölkerung. Rauchen erhöht bei
asbestbelasteten Personen das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, um den Faktor 10 (5).
Schließlich entstehen nach über 15jährigen und zum Teil noch längeren Latenzzeiten
Pleuramesotheliome.
Für die USA wird mit jährlichen Mortalitätsziffern von 2.000 für die Asbestose, von
4.000 bis 6.000 für asbestinduzierte Lungenkrebserkrankungen und von 1.200 bis 2.000 für
Mesotheliome gerechnet.
Vorbeugende
Maßnahmen
Asbest wurde als Bau-, Dichtungs- und Feuerschutzmaterial verwendet, wobei die
Nutzung immer weiter eingeschränkt wurde. Zur Sanierung von asbestbelasteten Gebäuden
kommen in Frage: Entfernung, Verfestigung und Beschichtung, räumliche Trennung.
Der Sanierungsbedarf bei öffentlichen Gebäuden wird in Deutschland nach einer Begehung
durch Fachkräfte festgelegt, die, entsprechend der Asbestrichtlinie, standardisiert nach
einem Punktsystem Art der Asbestverwendung, Oberflächenzustand und Nutzung der Räume
bewerten. Daraus resultieren Dringlichkeitsstufen für die Sanierung. Diese Einstufungen
korrelieren gut mit den Faserkonzentrationen in der Raumluft. Über 90% aller
Raumluftmessungen in Räumen mit Asbestvorkommen der Dringlichkeitsstufe II und III
(mittel- oder langfristiger Sanierungsbedarf) wiesen Faserkonzentrationen von unter 500
Fasern/m3 auf. Maximalwerte betrugen 750 bis 800 Fasern/m3. Werte über 1.000 Fasern/m3
wurden nicht festgestellt. Bei Asbestvorkommen der Dringlichkeitsstufe I (unverzüglicher
Sanierungsbedarf) fanden sich in 30% der Fälle Konzentrationen von über 1.000 Fasern /m3
(4).
Anders als bei den übrigen Luftschadstoffen hat bei Verdacht auf eine Asbestbelastung
eine Begehung Vorrang vor einer Luftmessung. Die Entscheidung über die
Sanierungspriorität wird sinnvollerweise nach dem Punktesystem der Asbestrichtlinie
gefällt. Die Luftmessung gibt nach Abschluß der Asbestentfernung Auskunft über den
Sanierungserfolg.
Zusammenfassende
Beurteilung (Risikoabwägung)
Wie auch in anderen Gebieten, so ist auch bei der Asbestfrage die Extrapolation von
hohen Belastungen auf niedrige Exposition problematisch und gibt keinen Anhalt für die
tatsächliche Gefährdung. Das Bundesgesundheitsamt berechnet bei einer angenommenen
Asbestbelastung von 1.000 Fasern/m3 über das ganze Leben eine Mortalität von 10
pro1.000.000 Exponierter. Für das Mesotheliomrisiko wird bei einer lebenslangen
Faserbelastung mit 100 Fasern/m3 ein Risiko von 0,5 bis 2 pro 100.000 Exponierter
gerechnet. Das errechnete Risiko für Schüler bei einer Faserbelastung von 1.000
Fasern/m3 liegt, da sie sich ja nur zeitweilig in den Schulen aufhalten, bei 0,02 bis 0,37
pro 1.000.000 pro Jahr, wenn die kalkulierte Asbestmortalität für das ganze Leben
berücksichtigt wird.
Diese Zahlen müssen einer Beurteilung für Sanierungsnotwendigkeiten zugrunde gelegt
werden, wobei neben einer Berücksichtigung der entstehenden finanziellen Kosten auch das
Risiko für die bei den Baumaßnahmen exponierten Arbeiter nicht vernachlässigt werden
darf. Ebenso ist bei dem zahlenmäßig sehr geringen Risiko die zusätzliche Gefährdung
durch längere Schulwege (Verkehrsunfälle, Asbestbelastung der Außenluft, z. B. an
Kreuzungen) zu berücksichtigen.
Literatur
Air Quality Guidelines for
Europe. WHO Regional publications, European Series No. 23, Copenhagen (1987) S. 200-209.
Bundesdrucksache Nr. 11/7868
Umwelt 11/90, (1990) S. 551.
DFG: MAK- und BAT-Werte-Liste
1992. Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe. Mitteilung 28.
Verlag Chemie, Weinheim, (1992).
Kalker, U.: Asbest - welche
Gefahr droht den Kindern? Jahrbuch 1991/1992 "Kinderarzt und Umwelt". Alete
Wissenschaftlicher Dienst, München (1992) S. 148-160.
Selikoff, J.,
Hammond, E. C.: Asbestos and smoking. J. Amer. Med. Assoc. 242 (1979) 458 (zit. aus (4)).
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DISU Dokumentations- und Informationsstelle für Umweltfragen der Kinderärzte
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