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Lindan |
Vorkommen
Lindan (das g-Isomer des Hexachlorcyclohexans (HCH)) ist ein weitverbreitetes
Kontaktinsektizid, das in der Vergangenheit in großen Mengen als Pflanzen-, Holz- und
Textilschutzmittel gegen Insekten, Milben, Flöhe und Läuse eingesetzt wurde. In den
meisten Holzschutzmitteln war es bis zur Mitte der 80er Jahre in einer Konzentration von
0,5 - 2 % enthalten. Auch in der Veterinärmedizin hat es zur Bekämpfung von Zecken,
Läusen usw. große Verbreitung gefunden. In der Humanmedizin wird es bei der Behandlung
der Skabies eingesetzt (Jacutin®, enthält 0,3 g Lindan in 100 g). Dabei werden
Blutspiegel von 5 µg/l bei Kindern beobachtet. Als medikamentöse Alternative stehen nur
toxikologisch ebenfalls nicht unbedenkliche Insektizide zur Verfügung.
Häufig ist früher bei der Herstellung von Pestiziden ein technisches Produkt eingesetzt
worden, das neben dem eigentlichen insektizid wirkenden Bestandteil Lindan auch die a-, b-
, d- und e-Isomere des Hexachlorcyclohexans enthielt. Für technisches Lindan wurde 1977
ein Anwendungsverbot in der BRD ausgesprochen. Aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit und
Stabilität reichert sich Lindan in der Fettkomponente der Nahrungskette an. Den weitaus
größten Anteil ( 85 %) an der Lindanbelastung des Menschen haben pflanzliche und
tierische Nahrungsmittel. Davon tragen Milch und Milchprodukte zu etwa 10 -15 % bei. Die
Belastung der Muttermilch mit HCH-Isomeren ist immer noch unerwünscht hoch (0,05 mg
b-HCH/ kg Fett ); die Tendenz der Belastung ist jedoch fallend.
Metabolismus Toxikokinetik
Lindan wird nach inhalativer, oraler und dermaler Exposition rasch resorbiert und vorwiegend im Fettgewebe, darüber hinaus in kleinen Mengen in der Leber und im Gehirn gespeichert. Zum Metabolismus von Lindan beim Menschen gibt es bisher keine gesicherten Erkenntnisse. Beim Nagetier (Ratte) erfolgt eine Metabolisierung zu den weniger chlorierten Cyclohexanen, eine Dehydrierung zum Hexachlorcyclohexen (HCCH) bzw. eine Hydroxilierung zum Hexachlorcyclohexanol mit anschließender Überführung in leichter wasserlösliche Formen mittels Konjugation, vorwiegend als Glukuronsäure-, Sulfat- oder Phenolkonjugat (4). In der Anfangsphase der Elimination beläuft sich die Halbwertzeit der Ausscheidung auf 1,5 Tage (5). Das b-Isomer scheint dagegen sehr viel langsamer eliminiert zu werden.
Grenzwerte
MAK- Wert: 0,5 mg/m3 (MAK-Kommission der DFG, 1992) (1)
IARC Cancer Review: als im Tierversuch karzinogene Substanz eingestuft (2)
Umweltbelastung
Umweltsurvey : Lindananteil im Hausstaub: 0,18 µg Lindan/g Staub (Medianwert)
Maximalwert bei 50,43 µg /g (7)
Klinische Referenzwerte
Eine Grundbelastung von ca. 0,04 mg g-HCH/kg Fettgewebe ist bereits bei Neugeborenen zu
beobachten (5,6).
Blut: 0,1 ug Lindan/l
5 µg Lindan/l nach Jacutin-Behandlung
Vergiftungsbild
Akute (leichtere) Lindanvergiftungen machen sich durch Übelkeit, Kopfschmerz, Erbrechen
und Unruhe bis hin zu Tremor und Ataxie bemerkbar.
Chronische Lindanvergiftungen äußern sich in einer Aktivitätssteigerung mikrosomaler
Enzyme in der Leber, in einer (weitgehend reversiblen) Hepatomegalie, motorischen
Störungen und einer Degeneration des Nervensystems (5). Bei intensivem HCH-Kontakt wurden
Knochenmarksschädigungen beobachtet, die häufig aplastische Anämien zur Folge hatten
(8).
Therapie
Sinnvoll ist die Beseitigung der Expositionsquelle.
Verzicht auf den Umgang mit lindanhaltigen Pestiziden und deren Einsatz im Agrar- und
Wohnbereich. Verzicht auf den Konsum stark fetthaltiger Nahrung und auf Nahrungsmittel aus
unkontrollierten Anbaugebieten, keine Gewichtsreduktion in der Stillperiode.
Zusammenfassende Beurteilung
Lindan ist in bezug auf seine akute Toxizität hoch toxisch. Orale und dermale Aufnahme großer Lindanmengen kann vorwiegend zentralnervöse Anfälle hervorrufen. Auch Leber und Nieren werden geschädigt. Die chronische Einwirkung kleiner Lindanmengen kann neben organischen Veränderungen (z.B. Hepatomegalie) eine Erhöhung des Leukämierisikos bewirken (3).
Literatur
1.) DFG: MAK- und BAT-Werteliste 1992. Senatskommission zur Prüfung
gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe. Mitteilung 28. Verlag Chemie, Weinheim, (1992).
2.) Sax´s Dangerous Properties of Industrial Materials. 8th edition. Ed.: R. J. Lewis
Sr., Van Nostrand Reinhold (1992) New York , S.361.
3.) Sidi, Y., Kiltchwesky, E., Shaklai, M., Pinkas, J.: Acute myoblastic leukemia and i
nsecticides. N. Y. State J. Med. 83 (1983) 161.
4.) Sieper, H., Haag, M., Gruch, W.: Rückstände und Metabolismus. in: Ulmann (Hrsg.) :
Lindan - Monografie eines insektiziden Wirkstoffs. Freiburg (1973) S.83- 118 (zit. nach
(5)).
5.) Teufel, M.: Chlorierte Kohlenwasserstoffe und polychlorierte Biphenyle im Fettgewebe
von gesunden Säuglingen und Kindern sowie Patienten mit angeborenen Fehlbildungen,
gutartigen und bösartigen Tumoren. Habilitationsschrift, Mannheim 1988.
6.) Teufel, M., Böhn, I., Sartoris, J., Niessen, K.-H.: Aktuelle Belastung unserer Kinder
mit chlorierten Kohlenwasserstoffen, Dioxinen und potentiell kritischen Anionen.
Sozialpädiatrie in Praxis und Klinik 13 (1991) 33-41.
7.) UBA/BGA. WaBoLu-Hefte 2/1991: Umweltsurvey IIIa - Wohn-Innenraum- Spurenelemente im
Hausstaub. (1991) BGA Berlin.
8.) Vohland, H. W., Koransky, W.: Zum Verhalten und zu den Wirkungen des
Hexachlorcyclohexans bei Menschen. In: DFG (Hrsg.). Hexachlorcyclohexan als Schadstoff in
Lebensmitteln, Weinheim, (1983) S.246-262.
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