| Studie
über die Epidemiologie lösemittelbedingter Erkrankungen |
Autor: Frentzel-Beyme, R.
Kurzfassung
Gesundheitliche Folgen, insbesondere solche medizinischen Beobachtungen, die mit epidemiologisch nachweisbaren Gesundheitsschäden einhergehen, und die nach Einwirkungen der nachfolgend genannten Lösemittel auftraten, wurden bezüglich ihrer spezifischen ursächlichen Zusammenhänge betrachtet und bewertet. Als Lösemittel waren vorgegeben:
| Butanol | Ethylazetat | Methyl-Ehyl-Keton |
| Butylazetat | Glykolether | Styrol |
| Carbondisulfid | n-Hexan | Toluol |
| Chlormethan | Isopropanol | Trichlorethan |
| Dichlormethan | Methanol | Trichlorethylen |
| Dimethylformamid | Methyl-Butyl-Keton | Xylol |
Die Gruppe der aliphatischen Kohlenwasserstoffe zeigte spezifische Wirkungen am
Zentralnervensystem, die als weitgehend reversibel gelten können. Systematische
Langzeitstudien, die eine Beurteilung des Risikos erlauben, fehlen bisher.
Eine potenzierende Wirkung ergibt aus der Wechselbeziehung mit Alkohol (Ethanol). Ein
Krebsrisiko ist bisher nicht bekannt.
Die Gruppe der aromatischen Kohlenwasserstoffe ist mit nicht vollkommen reversiblen
zentralnervösen Schäden in Verbindung zu bringen. Erhöhte Krebsrisiken wurden bereits
für Styrol und Toluol beschrieben, obwohl eine Bestätigung der Spezifität von
Zusammenhängen noch aussteht. Somit ist eine unspezifische Promotorwirkung zu sehen, die
gleichwohl zu ebenso strikten Präventionsmaßnahmen Anlaß gibt. Da adäquate Studien
noch selten sind, die eine eindeutige Bewertung erlauben, wird weitere Forschung mit
verbesserten methodischen Ansätzen für erforderlich gehalten.
Halogenierte Kohlenwasserstoffe werden nicht nur mit sehr spezifischen zentralnervösen
Schäden in Verbindung gebracht, sondern auch mit Wirkungen auf das Reproduktionsverhalten
von Frauen und Männern. Da sich Evidenz auf der beruflichen Ebene mit Befunden nach
Umweltbelastungen für Trichlorethylen konsistent erweist, ist im Sinne kurzfristiger
Effekte als Anzeichen gentoxischer Gefährdungen von einem erhöhten Risiko auszugehen,
das auch auf eine Krebsgefährdung (Dichlormethan) hinweist. Bezüglich des Krebsrisikos
durch Trichlorethylen liegen entsprechende epidemiologische Befunde vor, die ähnliche
Wirkungen, wie nach Perchlorethylen-Exposition ergeben. Auch hier fehlt eine
organspezifische Wirkung und somit muß an Promotionswirkung infolge starker
pränarkotischer Wirkungen auf das Zentralnervensystem gedacht werden.
Ketone wurden bisher mit weniger Gesundheitswirkungen, die sich epidemiologisch
quantifizieren und sichern ließen, in Verbindung gebracht.
Zu den Amiden gehört Dimethylformamid, dessen Rolle bei der Induktion schwerwiegender
Schäden des Neuroendokriniums in den letzten Jahren deutlich wurde. Befunde von
Risikoerhöhungen für solche Tumorformen, die ein neuroendokrinologisch reguliertes
Organ(-system) betreffen, legen die unspezifische promovierende Wirkung auch schon im
Bereich unterhalb zulässiger Werte nahe. Die Hepatotoxizität läßt zusätzlich das
Potential erkennen, das mittels experimenteller toxikologischer Prüfung nicht bewertbar
ist. Beziehungen zu Monomethylformamid sind zu beachten.
Glykolether gelten als ein Beispiel für eine berufsbedingte Gefährdung der Reproduktion
einschließlich der nächsten Generation. Bisherige Forschungsergebnisse lassen eine
Bewertung jedoch nicht zu.
Der Ether Carbondisulfid repräsentiert ein anorganisches Lösungsmittel, dessen Wirkungen
wegen des irreversiblen zentralnervösen Effekts besonders gefürchtet werden. Eine Reihe
epidemiologischer Studien weisen darauf hin, daß auch geringe Expositionen bereits zu
progredienten Störungen führen können, wobei Todesfälle an kardiovaskulären
Krankheiten und Parkinsonismus vorherrschen.
Ein Anhang enthält die synoptische Zusammenstellung von Richt-, Grenz- und
Empfehlungswerten für die ausgewählten Lösungsmittel von Jan Oltmanns und Fritz
Kalberlah, Forschungs- und Beratungsinstitut Gefahrstoffe, Freiburg.
| zurück zum Seitenanfang |
| zurück zur Übersicht der Lösungsmittel |
| weiter zum Umweltlexikon |
| zurück zu Schadstoffe A - Z |