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Gesundheitliche
Auswirkungen inhalativer |
Vorkommen und Zusammensetzung der Terpene
Terpene kommen als natürliche Bestandteile im Harz der Coniferen (besonders der
Pinus-Arten) vor. Als flüchtige Stoffe können sie somit aus Fichten- oder Kiefernholz
freigesetzt werden. Dominierende Peaks sind hierbei die Monoterpene Alpha-Pinen,
Beta-Pinen und Delta-3-Caren (Marutzky). Die Abgabe dieser Stoffe kann sich bei der
Verwendung von neuen Holzteilen, z.B. Massivholzmöbeln, im Innenraum geruchlich deutlich
bemerkbar machen. Bei Holzwerkstoffen (z.B. Spanplatten) sind Terpenemissionen von
geringerer Bedeutung, da die Stoffe beim Herstellungsprozeß weitgehend aus dem Holz
verflüchtigt werden.
Eine weitere Quelle für das Vorkommen der Terpene im Innenraum stellt die Verwendung der
durch Extraktion/Destillation aus den Hölzern gewonnenen Terpentinöle
(Balsamterpentinöl, Wurzelterpentinöl) bei der Herstellung von Lacken/Farben dar.
Insbesondere die sog. "Bio-Lacke" können diese Stoffe in deutlichen Mengen als
Lösemittel enthalten und entsprechend auch an die Innenraumluft emittieren.
Die Zusammensetzung der verschiedenen Terpentinöle hängt von den Pinus-Arten ab, aus
denen sie gewonnen werden (Ullmann). Hierbei zeigen sich deutliche Unterschiede in den
Massenanteilen der einzelnen Komponenten. In Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie
finden sich über die Zusammensetzung von Terpentinölen (Anteile in Massen-%) u.a.
folgende Angaben:
Alpha-Pinen Beta-Pinen Delta 3-Caren Limonen
Griechenland 92 - 97 1 - 3 0 - 1 0 - 2
Portugal 75 - 85 15 - 20 - ca. 3
UDSSR 40 - 75 4 - 15 10 - 25 0 - 5
Polen 40 - 70 5 - 15 15 - 40 1 - 5
Indien 20 - 40 5 - 20 45 - 70 -
etc.
Einfluß der Baumaterialien / Einrichtungsgegenstände auf das Vorkommen
der Terpene im Innenraum
Der Vergleich zweier Fertighaustypen (überwiegend Massivholzbau versus überwiegend
Spanplattenbau) zeigt auch 9 Monate nach Fertigstellung im Gaschromatogramm der
Innenraumluft die typischen Peaks der dominierenden Terpene (Alpha-Pinen, Beta-Pinen und
Delta-3-Caren) bei dem überwiegend aus Massivholzteilen erstellten Fertighaus (Marutzky).
Eine ähnliche Situation zeigte sich in einer Vergleichsstudie zur Situation der
Luftqualität in sogenannten "alternativen" Häusern in Schleswig-Holstein
(Heisel). In dieser Studie wurden innerhalb der ersten zwei Jahre nach Abschluß der
Bauarbeiten die Innenraumluft von jeweils 5 Räumen konventioneller Bauten (K1 - K5) mit
der Luft aus 5 Räumen baubiologisch geplanter Gebäude (A1 - A5) verglichen. Jeweils eine
Kurzzeitprobe (NIOSH) und eine Langzeitprobe (ORSA 5) wurden auf das Vorkommen von ca. 40
flüchtigen organische Verbindungen untersucht.
Während sich im Bereich der Aromaten und Aliphaten nur relativ geringe Unterschiede
zwischen den unterschiedlichen Gebäudetypen zeigten, waren bei den Terpenen
erwartungsgemäß deutlich höhere Konzentrationen in der Innenraumluft der alternativen
Gebäuden zu finden.
Wohnung K1 K2 K3 K4 K5 A1 A2 A3 A4 A5 Terpene (µg/m3)
Terpinen 4,5 53 -- 90 -- 105 85 265 217 239
Alpha-Pinen 9,3 129 1,2 291 -- 256 358 660 480 66
Beta-Pinen 1,2 4,0 -- 14 1,8 26 13 61 22 4,6
Limonen 3,0 22 0,9 35 11 18 30 72 44 41
In der Studie wurde nicht systematisch untersucht, ob das viele Holz in der Bausubstanz
als prioritäre Quelle der Terpenemissionen betrachtet werden muß, oder ob der relevante
Eintrag durch die Oberflächenbehandlung (Lacke/Farben etc. ) der Einrichtungsgegenstände
erfolgt.
In Brandenburg wurden bei Messungen in mehreren Räumen eines Fertighauses vom Labor des
Landesgesundheitsamtes folgende Terpenkonzentrationen ermittelt (µg/m3) :
Alpha-Pinen 200 bzw. 388
Beta-Pinen 254
Limonen 51 bzw. 155
Es handelte sich um ein Standardmodell einer Baureihe. Das Haus war noch unbewohnt und
ohne Inneneinrichtung.
Durchschnittliche Terpenkonzentrationen im Innenraum
Auf der Basis der Messungen in ca. 500 repräsentativ
ausgewählter Wohnungen können die Daten aus dem Umweltsurvey (Bundesgesundheitsblatt)
als durchschnittliche Innenraumbelastungen der deutschen Wohnungen betrachtet werden.
In dieser Studie ergaben sich für Terpene folgende Konzentrationen in µg/m3:
Verbindung 10. Perzentil Median 95. Perzentil Maximalwert
Alpha-Pinen 2,6 6,8 27 362
Beta-Pinen 0,7 1,0 4,3 14
Limonen 2,2 12 103 315
1990 wurden in Schleswig-Holstein ca. 394 Räume in Kindergärten und Schulen auf das
Vorkommen sog. flüchtiger organischer Verbindungen (FOV) in der Innenraumluft untersucht
(Heinzow). Hierbei ergaben sich für die Terpene (µg/m3) folgende Meßergebnisse:
Median 95.-Perzentil
Limonen 5,0 66,0
Alpha-Pinen 4,5 56,0
Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen inhalativer Terpenexpositionen
Hedenstierna konnte 1983 an 48 terpenexponierten Arbeitern
eines Sägewerkes im Vergleich zu 47 nicht exponierten Kontrollpersonen irritative Effekte
im Bereich der oberen Luftwege und leichte obstruktive Lungenfunktionsveränderungen
feststellen. Die Arbeiter im Sägewerk waren Konzentrationen im Bereich 100 - 550 mg/m3
ausgesetzt. Die zu beobachtenden Verminderungen beim Lungenfunktionstest waren nach dem
Wochende vor Arbeitsbeginn bei Rauchern und Nichtrauchern gegenüber der Kontrollgruppe
festzustellen. Es zeigte sich im Verlauf der Woche keine Symptomverschlechterung. Bei den
Rauchern wurden additive Kombinationseffekte diskutiert. Eine kausale Mitbeteiligung von
Schimmelpilzen am Symptombild konnte durch entsprechende Untersuchungen nicht festgestellt
werden.
Möglicherweise konnten Effekte im Verlauf der Woche deshalb nicht sichtbar werden, weil
sich offensichtlich im Verlauf der letzten Jahre die durchschnittlichen Konzentrationen
der Terpene an den entsprechenden Arbeitsplätzen in Schweden mehr als verdoppelt hatten.
Der damals gültige Arbeitsplatzgrenzwert für Terpentine von 450 mg/m3 wurde 1991 auf 150
mg/m3 reduziert.
Eine von Falk et al 1991 durchgeführte Studie mit freiwilligen Versuchspersonen konnte in
einer Versuchskammer mit Delta-3-Caren-Konzentrationen von 10, 225 und 450 mg/m3 nur
statistisch signifikante, irritative Effekte im Bereich der Nase und der Augen bei der
hohen Expositionsdosis beobachten. Rachenreizungen, Atembeschwerden, CNS-Symptome oder
Lungenfunktionsveränderungen wurden nicht festgestellt. In der Studie werden ähnliche
Beobachtungen zum Alpha-Pinen aus einer anderen Arbeit zitiert. Im Bereich der hohen
Konzentrationen soll allerdings Delta-3-Caren eine etwas stärker irritative Potenz haben
als Alpha-Pinen.
Das Auslösen einer allergischen Kontaktdermatitis durch dauerhafte dermale Delta-3-Caren
Exposition wird in der Arbeit als bekanntes Phänomen bestätigt. Diese Einschätzung wird
auch von der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe getragen
und durch eine Kennzeichnung mit "S" (Sensibilisierungsrisiko) des in der
Bundesrepublik z.Z. gültigen MAK-Wertes von 560 mg/m3 (100 ppm) für Terpentinöl
deutlich gemacht (DFG).
Johard et al publizierten 1993 ihre Untersuchungen, in denen bei gezielter Exposition mit
Terpenkonzentrationen von 450 mg/m3 bei den Probanden nach der Exposition mit Hilfe einer
Bronchialspülung eine Zunahme der Makrophagen und der Mastzellen aufgezeigt werden
konnte. Die Autoren interpretieren diesen Effekt als eine terpeninduzierte akute alveolare
Zellreaktion bei gesunden Personen.
Diskussion der bei Raumluftmessungen bisher vorgefundenen Terpenkonzentrationen bezüglich gesundheitlicher Risiken bzw. Auswirkungen.
Die in Wohnungen bzw. Gebäuden bisher gemessenen
Terpenkonzentrationen können für einzelne Substanzen offensichtlich Größenordnungen
von mehreren Hundert µg/m3 erreichen. In diesen Räumen kann die Summe der flüchtigen
organischen Verbindungen bei 1 bis 2 mg/m3 liegen.
In den (bewohnten) alternativen Gebäuden der Heisel-Studie wurden keinerlei
gesundheitlichen Effekte im Zusammenhang mit Innenraumluftschadstoffen beobachtet.
Irritative Effekte durch Terpenexposition konnten bisher nur in Konzentrationsbereichen
objektiviert werden, die etwa um den Faktor 1000 höher liegen. Auch die toxikologische
Beurteilung der Heisel-Studie durch Dr. Heinzow von der Untersuchungsstelle für
Umweltchemikalien (Kiel) kommt zu der Einschätzung, daß anzunehmen ist, daß selbst in
der Summe Werte bis zu 1000 µg/m3 Gesamtterpene möglicherweise ohne gesundheitliche
Bedeutung sind.
Die vorliegenden toxikologischen Daten bzw. Studien bilden allerdings keine ausreichende
Datenbasis für eine wissenschaftlich abgesicherte toxikologische Beurteilung der
gesundheitlichen Auswirkungen erhöhter Terpenkonzentrationen im Innenraum. Insbesondere
die Frage nach besonders empfindlichen Personengruppen muß aufgrund der viel zu geringen
Zahl der untersuchten Personen in den vorliegenden Studien offen bleiben.
Eine Aussage bezüglich eines Sensibilisierungsrisikos bei dauerhafter inhalativer
Exposition ist nicht möglich, da sich in der z.Z. vorliegenden Literatur keinerlei
Hinweise finden.
Telefonische Rückfragen bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz, der Meldestelle für
Vergiftungserscheinungen nach § 16e des ChemG und dem Bundesinstitut für
gesundheitlichen Verbraucherschutz erbrachten keine neueren Erkenntnisse zum
toxikologischen Potential der Terpene.
Unter dem Aspekt des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sind solche Terpenkonzentrationen im
Innenraum allerdings als nicht akzeptabel zu bezeichnen. Prinzipiell muß für den
Innenraum gefordert werden, daß jegliche vermeidbare Chemikalieneinbringung zu
unterbleiben hat. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um Stoffe handelt, deren
toxikologische Potenz nicht durch hinreichend abgesicherte Untersuchungen bekannt ist.
Über eine kritische Diskussion bezüglich der Einschätzung der gesundheitlichen Relevanz
erhöhter Terpenkonzentrationen im Innenraum würde ich mich sehr freuen.
Erfahrungsaustausch, Literaturtips etc. bitte über die Mailbox oder telefonisch.
Literatur
Bundesgesundheitsblatt 3/93
Bekanntmachungen des Bundesgesundheitsblattes
Bewertung der Luftqualität in Innenräumen
1993
Deutsche Forschungsgemeinschaft
MAK- und BAT-Werte-Liste
Senatskommission zur Prüfung gesundheitschädlicher Arbeitsstoffe
VCH Verlagssgesellschaft mbh; 1992
Falk, A.; Löf, A.; Hagberg, M.; Hjelm, E.W.; Wang, Z.;:
Human Exposure to 3-Caren by Inhalation: Toxicokinetics, Effects on Pulmonary Function and
Occurence of Irritative and CNS Symptoms
Toxicology and Applied Pharmacology 110; 198-205; 1991
Hedenstierna, G.; Alexandersson, R.; Wimander, K.; Rosen, G.:
Exposure to Terpenes: Effects on Pulmonary Function.
International Archives of Occupational and Environmental Health, 51 (3), 191-198; 1983
Heinzow, B.:
Organische Schadstoffe in Schulen und Kindergärten
Jahresbericht der Untersuchungsstelle für Umwelttoxikologie
des Landes Schleswig-Holstein 1992/1993
Kiel 1994
Heisel, J.P.:
Luftqualität in sogenannten "alternativen" Häusern.
Erfahrungen aus einem Projekt in Schleswig-Holstein
In: Luftverunreinigungen in Innenräumen
Tagung Mannheim 1994
VDI - Bericht 1122; 329-345
Johard, U.; Larsson, K.; Loef, A.; Eklund, A.:
Controlled short-time terpene exposure induces an increase of the machrophages and the
mast cells in bronchoalveolar lavage fluid.
American Journal of industrial Medicine 23 (5); 793-799; 1993
Marutzky, R.; Schriever, E.:
Emissionen aus Werkstoffen für Möbel und Inneneinrichtungen von Wohnwagen
In: Wilhelm-Klauditz-Institut, Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Holzforschung
Möbel und Formaldehyd - rechtliche Situation, Prüfmethoden, Herstelltechnik,
Betriebskontrollen.
Tagungsband; Braunschweig 1990; S. 55-82
Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie
Band 22, Terpentinöl, S. 553-564