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Quecksilberbelastung aus
Amalgamfüllungen |
1. Einleitung
1.1 Grundlagen
Der Beitrag von Amalgamen zur gesamten internen Hg-Belastung eines Amalgamträgers
überschreitet u.U. den Anteil anderer Belastungsquellen für Hg (2,7,11). Abhängig von
der Legierungsart, der Anzahl, Größe und des Verarbeitungszustands der Füllungen sowie
von individuellen Faktoren (Zähneknirschen, Kaugewohnheiten, Zahnpflege etc.) kommt es zu
einer unterschiedlich hohen Freisetzung von elementarem (Hg°) und ionisiertem (Hg2+)
Quecksilber. Hg° wird inhalativ aufgenommen und zu etwa 80% alveolar resorbiert, Hg2+
dagegen nur zu etwa 10 - 15% gastrointestinal (6).
Neben Amalgamfüllungen stellt die Aufnahme von Methyl-Hg aus der Nahrung (bes.
Fischmahlzeiten) den Hauptbelastungspfad für die Allgemeinbevölkerung dar.
Hg° kann sowohl die Blut/Hirn-Schranke als auch die Plazentaschranke durchdringen und
wird im weiteren zu Hg2+ oxidiert. Hauptanreicherungsorgan ist neben dem Nervensystem die
Niere. Die Unterschiede in der Metabolisierung und Speicherung der verschiedenen
Hg-Bindungszustände bedingen eine komplizierte Ausscheidungskinetik mit unterschiedlichen
Halbwertszeiten. Bei chronischer Hg°-Exposition erfolgt die Ausscheidung zu etwa 60 %
renal (12). Bei Annahme eines Verteilungsgleichgewichts kann aus der renalen
Hg-Ausscheidung im 24h-Sammelurin näherungsweise auf die tägliche Hg-Aufnahme
geschlossen werden.
Chronische leichte Intoxikationen führen zum sog. "Mikromercurialismus" mit
unspezifischer psychischer und vegetativer Symptomatik. Bei ausgeprägteren
Vergiftungsstadien können Zeichen des Erethismus und ein Tremor, ferner eine Nephrose
auftreten.
Von Betroffenen und z.T. auch von ihren behandelnden Ärzten werden eine Fülle von
Symptomen und Erkrankungen mit Amalgam in Verbindung gebracht: Haarausfall,
Infektanfälligkeit (z.T. als eine amalgambedingte Immundeffizienz erklärt), diverse
neurologische Erkrankungen. Ein solcher Kausalzusammenhang kann zur Zeit nicht
wissenschaftlich belegt werden, es wird jedoch insbesondere bezüglich bestimmter
neurologischer Erkrankungen wie Multiple Sklerose Forschungsbedarf gesehen (14).
Eine Allergie gegenüber Amalgam ist vergleichsweise selten und stellt eine
Kontraindikation für seinen Einsatz dar.
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1.2 Fragestellung
2. Medizinische
Untersuchungen und interne Belastung
2.1 Anamnese
Besonders zu berücksichtigen sind (auch unter
differentialdiagnostischen Erwägungen) (14):
2.2 Expositionsanamnese
a) weitere Belastungspfade für Hg:
b) zahnärztliche Behandlung: --> siehe zahnärztlichen Anamnesebogen der Uni
Heidelberg
bes. zu berücksichtigen sind (11,14):
2.3. Interne Belastung
Zur Abschätzung der internen Belastung mit
anorganischem Hg dient ein 24h-Sammelurin (hilfsweise auch bei spontanem Morgenurin die
Umrechnung auf g Kreatinin und die Berücksichtigung der Urindichte). Der Hg-Wert im Blut
ist ein Maß für die aktuelle Gesamt-Hg-Belastung (incl. organ. Hg aus Nahrungsmitteln)
und variiert innerhalb von Tagen. Der Hg-Wert im Urin dagegen dokumentiert die
Ausscheidung der Nieren von anorganischem Hg, deren Umfang abhängt von den Hg-Depots in
den Nieren. Bei der Analytik wird im Allgemeinen nicht zwischen organischem und
anorganischem Hg differenziert.
Untersuchung:
24h-Sammelurin:
praktische Durchführung: siehe Merkblatt für Patienten
Berechnung: Hg-Konz. (µg/l) x Volumen (l/24h) = Hg-Ausscheidung (µg/24h)
alternativ bei Spontanurin:
Umrechnung auf g Kreatinin: Hg-Konz. (µg/l) / Kreat. (g/l) = Hg-Ausscheidung (µg/g
Kreat.)
Die durchschnittliche Kreat.-Ausscheidung beträgt 1 g/Tag.
Spontanurinproben mit einem spez. Gewicht außerhalb 1,016-1,030 sollten nicht verwertet
werden.
Blutabnahme: mindestens 2 ml EDTA-Blut
Zur Abschätzung der Hg-Freisetzung aus den Füllungen dient der
sog. "Speicheltest" (Hg-Bestimmung im Speichel vor und während des
Kaugummikauens) (6). Dieser Test liefert keine reproduzierbaren Ergebnisse (11,14).
3. Gesundheitliche
Bewertung
3.1. Bewertung der Exposition
Die kontinuierliche interne Exposition gegenüber Hg aus Amalgamfüllungen läßt sich am
zuverlässigsten mit einem 24h-Sammelurin beurteilen. Untersuchungen, die zwischen
Amalgamträgern und Nicht-Amalgamträgern zeigen, daß bei ersteren die Hg-Konzentration
in Urin etwa das Doppelte bis Dreifache beträgt (3,7,12). Die Hg-Werte im Urin für
Nicht-Amalgamträger liegen i.d.R. < 1µg/l (3).
Hg-Referenzwerte für den norddeutschen Raum können Untersuchungen aus Schleswig-Holstein
entnommen werden. Demnach liegt das 95.Perzentil für Hg im Urin derzeit bei etwa 2,5
µg/l (10). Aus Hg-Werten im Blut kann auf die Gesamt-Hg- Aufnahme (Ernährung, Amalgam,
berufliche Belastung) geschlossen werden (18). Die Hintergrundbelastung hat sich in den
letzten zehn Jahren nach den vorliegenden Untersuchungen (9,10) nicht wesentlich
geändert.
Der sog. "Dimavaltest" mit dem Komplexbildner DMPS (6) bedeutet gegenüber einer
Untersuchung des 24h-Sammelurins keinen diagnostischen Zugewinn (3,11,12) und sollte wegen
möglicher Nebenwirkungen des Medikamentes (insbesondere Gefahr allergischer
Zwischenfälle) unterbleiben.
Der Speicheltest (6) ist wegen seiner fehlenden Standardisierung derzeit in der Praxis
nicht einsetzbar. Studienergebnisse über die Hg-Belastung der Mundluft und des Speichels
(4,5) belegen eine relevante Freisetzung von Hg besonders als Hg° aus den Oberflächen
von Amalgamfüllungen. Eine zuverlässige Aussage über die daraus resultierende
individuelle Hg-Belastung ist auf Grund verschiedener Störgrößen (Verdünnungseffekt
durch variable Speichelmenge, Atmung
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