Rizin
Steckbrief des Gesundheitsamtes

 

 

Einleitung Mit der derzeit befürchteten bioterroristischen Bedrohung und aktuellen Funden in verschiedenen Teilen der Welt tritt auch das pflanzliche Gift Rizin wieder ins Rampenlicht, welches 1978 bei der spektakulären Ermordung des bulgarischen Dissidenten Markow in London verwendet wurde. Dieser war damals mit einer präparierten Regenschirmspitze attackiert worden.
Pflanze Rizinuspflanze (Ricinus communis, Wunderbaum, Christuspalme), einjährige Zierstaude im Mittelmeerraum und in Plantagen, bis zu 2 m hoher Strauch, Familie der Euphorbiaceae, Wolfsmilchgewächse.
Gift Vor allem im Samen der dreifächerigen, stacheligen Fruchtkapsel (Rizinusbohne), auch die Blätter sind giftig. Es handelt sich um ein wasserlösliches und fettunlösliches Eiweiß (daher nach dem Abpressen nicht im Rizinusöl) in Pulverform.
Aufnahme Am wirksamsten natürlich bei parenteraler Verabreichung (Einspritzung, Hautverletzungen). Aufnahme als Lebensmittelgift (auch über entsprechend versetztes Trinkwasser) oral durch Verschlucken. Auch Einatmung ist möglich; für ein flächenhaftes Versprühen in der Luft braucht man aber (hoffentlich) unpraktikabel hohe Mengen und die entsprechende Aerosolbildungstechnik.
Wirkung Nach den Bakteriengiften Botulismustoxin und Tetanustoxin ist Rizin die drittgiftigste Substanz. Je nach Quellenangabe führen 1 mg (0,001 g) oder 10 mg (0,01 g) entsprechend 20 zerkauten Rizinussamen beim Erwachsenen und 5 beim Kleinkind zum Tode. Injiziert reichen bereits 0,5 mg. Es handelt sich um ein Zellgift, welches die Proteinsynthese-Fabriken der Zelle, die Ribosomen, blockiert und zum Zelltod führt. Wirkung je nach Eintrittspfad. Z. B. nach Einatmung starke Schleimhautreizung, nach Resorption Änderung der Syntheserate von essentiellen Enzymen, Schädigung von Nieren und Leber, möglicherweise auch Nervenzellen.
Krankheitszeichen Hämorrhagische Gastroenteritis (blutende Darmschleimhautentzündung), Kolik, Krämpfe, Schwäche, Kreislaufkollaps, grippeähnliche Symptome, Koma, Multiorganversagen. Laut amerikanischen CDC Eintritt des Todes innerhalb von 36 bis 48 Stunden. Falls der Vergiftete länger als fünf Tage ohne Komplikationen lebt, wird er wahrscheinlich nicht sterben.
Behandlung Leider nur symptomatisch, d.h. Behandlung der Krankheitszeichen; derzeit noch keine kausale (ursächliche) Therapie (Gegenmittel) oder Impfung bekannt.
Schutz Entsprechend den Aufnahmewegen Atemschutz und Schutzhandschuhe. Als Eiweißstoff hitzelabil, wird deshalb ab 60°C Erhitzung und durch Kochen zerstört. Keine Ansteckungsfähigkeit von Mensch zu Mensch.
Quellen

CDC
Arizona Info
www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/9984/1.html
www.spiegel.de/panorama/0,1518,229737,00.html
www.spiegel.de/panorama/0,1518,229810,00.html
www.welt.de/data/2003/01/09/31231.html
www.welt.de/data/2003/01/16/33159.html

www.sach.ch/nzz007_d.html
www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0105_vet.htm

Zusammengestellt von Dr. Juds, Gesundheitsamt Garmisch, Stand 24.01.2003

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