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Informationen
des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Ernährung und
Verbraucherschutz zu |
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PCB sind eine Gruppe von
insgesamt 209 chemischen Verbindungen (sog. PCB-Kongenere) aus Biphenyl und
Chlor. Diese Verbindungen wurden künstlich hergestellt und wegen
technisch interessanter Eigenschaften vielfältig verwendet. Sie sind schwer
entflammbar, beständig und widerstandsfähig gegen Säuren und Laugen. Sie
wurden deswegen z.B. als elektrische Isolatoren, in Transformatoren und
Kondensatoren, als Weichmacher in Kunststoffen, in Dichtungsmaterialien für Gebäudedehnungsfugen
sowie Hydraulikanlagen in erheblichem Umfang eingesetzt.
Seit Beginn der industriellen Herstellung etwa im Jahr 1929 / 1930 bis zur
Einstellung der Produktion im Jahr 1983 wurden weltweit etwa 1,5 Millionen
Tonnen produziert. Das Gefährdungspotential der PCB wurde erst in den sechziger
Jahren bekannt, als sie schon auf der ganzen Erde verbreitet waren und in der
Nahrungskette angereichert gefunden wurden.
Im Jahr 1968 kam es in Japan durch Verzehr vergifteten Reisöls zu einer
Massenvergiftung mit etwa 1.800 betroffenen Menschen. Ursache war ein Defekt
eines PCB-haltigen Wärmetauschers in einer Reiszubereitungsanlage. Ein ähnlicher
Unfall ereignete sich 1979 in Taiwan.
Im Jahr 1989 wurde die Verwendung von PCB in Deutschland mit wenigen Ausnahmen
grundsätzlich verboten (PCB-Verbotsverordnung). Die Verwendung PCB-haltiger
Kondensatoren ist seit dem Jahr 2000 untersagt, bis spätestens zum 31.12.2010 müssen
PCB und PCB-haltige Geräte beseitigt sein.
Aufnahme von PCB und ihre gesundheitliche Bedeutung
Der Mensch nimmt PCB mengenmäßig in
erster Linie mit der Nahrung auf (60 – 90 %), zum geringen Teil auch über die
Atmung. Die Aufnahme über die Haut spielt keine nennenswerte Rolle.
Hauptaufnahmequelle sind fettreiche tierische Nahrungsmittel, vor allem Fische,
wie z.B. Aal.
Muttermilch ist auch viele Jahre nach dem Herstellungsverbot von PCB immer noch
belastet. In den letzten Jahren ist ein deutlicher Abwärtstrend zu beobachten;
so enthielten Proben aus dem Jahr 1997 im Vergleich zu 1980 nur noch ca. 30 %
der Gehalte an PCB.
PCB werden zum überwiegenden Teil im Fettgewebe, geringere Anteile auch in
Organen wie Leber oder Niere gespeichert und vom menschlichen Organismus ganz überwiegend
nur sehr langsam abgebaut und ausgeschieden. Daher kommt es mit zunehmendem
Lebensalter grundsätzlich auch zu einer zunehmenden PCB-Belastung im Körper,
vor allem im Körperfett des Menschen. Diese kann durch Blutuntersuchung
gemessen werden. Diese Ultraspurenanalytik ist schwierig und sollte nur von
erfahrenen Labors, die erfolgreich an Ringversuchen zur PCB-Analytik teilnehmen,
durchgeführt werden.
Der Messwert kann beurteilt werden im Vergleich zur gewissermaßen
unvermeidlichen sog. Hintergrundbelastung in der entsprechenden Altersgruppe in
Deutschland (Referenzwerte). Dabei handelt es sich um eine
epidemiologisch-statistische, nicht um eine individualmedizinische Bewertung. Näheres
zur Qualitätssicherung und zur Bewertung solcher
Humanbiomonitoring-Untersuchungen finden Sie unter:
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-daten/daten/monitor/pub.htm.
Die Blutuntersuchung kann grundsätzlich keine konkrete Antwort auf die Frage nach „der“ oder einer bestimmten PCB-Belastungsquelle geben.
Gesundheitliche Bewertung - Konzept der duldbaren täglichen Aufnahme
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
und andere internationale Gremien, wie die OECD, aber ebenso nationale Gremien
und Institute, wie das (frühere) Bundesgesundheitsamt, die Arbeitsgemeinschaft
der Leitenden Medizinalbeamten u.a., haben gesundheitliche Bewertungen einer
PCB-Aufnahme durch den Menschen erarbeitet. Sie legen eine duldbare tägliche
Aufnahmemenge (sog. TDI-Wert: Tolerable Daily Intake) von 1 µg
PCB pro kg Körpergewicht und pro Tag zugrunde (d.h. die Stoffmenge, die
lebenslang täglich ohne gesundheitliche Gefahr aufgenommen werden kann).
Danach kann ein 80 kg schwerer Mensch unbedenklich 80 µg PCB täglich
aufnehmen, ein 40 kg schweres Kind entsprechend 40 µg PCB täglich.
Die tatsächliche Aufnahme liegt in Deutschland derzeit bei etwa 0,7 – 2 µg
PCB täglich, je nach Ernährungsgewohnheit, denn sie erfolgt zu rund zwei
Dritteln über größtenteils tierische Fette. Vor allem diese gewissermaßen
unausweichliche Aufnahme führt zur sog. Hintergrundbelastung des Menschen, die
mit dem Lebensalter zunimmt. So werden im Blut von 7 – 10 jährigen Kindern
und Jugendlichen im Durchschnitt 1,3 µg Gesamt-PCB / Liter und bei ca. 40-Jährigen
rund 2,4 (0,1 – 8,4) µg Gesamt-PCB / Liter gemessen.
Das Überschreiten des TDI-Wertes
bedeutet nicht unmittelbare Gesundheitsgefahr, aber eine Verringerung des
vorsorglichen Schutzabstandes zur konkreten Gefahrenschwelle.
Diese kann z.B. anhand der sog. Maximalen Arbeitsplatzkonzentrationen (MAK-Wert)
abgelesen werden. Ein MAK-Wert kann aus unterschiedlichen Gründen generell
nicht zur Beurteilung einer PCB-Belastung im Alltag dienen. Von Interesse ist
aber seine Höhe, da sie die wissenschaftlich belegte Gefahrenschwelle zeigt.
In dem vom Bundesarbeitsminister erlassenen, verbindlichen Regelwerk TRGS 900
Grenzwerte in der Luft am Arbeitsplatz - Luftgrenzwerte -, Ausgabe Oktober 2000,
werden dafür – je nach Chlorgehalt der PCB – genannt:
0,7 – 1,1 mg/m³ Luft = 700 – 1.100 µg/m³ = 700.000 – 1.100 000 ng/m³
Luft. Allerdings sind PCB in der TRGS 905 u.a. in die Kategorie K3 eingestuft,
d.h.: „Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen
Anlass zur Besorgnis geben“.
(Zur Erläuterung: 1 g = 1.000 mg = 1.000.000 µg = 1.000.000.000 ng und
1 ng/kg bedeutet bildhaft ein Zuckerstück aufgelöst in rund 3 Milliarden
Litern)
Das genante Bundesgesundheitsamt leitete vom TDI-Wert die Beurteilungswerte für
Raumluft ab, die in der PCB-Richtlinie genannt sind. Dabei wurde festgelegt,
dass eine Raumluftbelastung eine Belastung in Höhe von 10 % des oben genanten
TDI-Wertes nicht überschreiten sollte. Man ging dabei von folgenden Annahmen
aus:
So errechnete man vorsorglich einen
Wert von 300 ng PCB/m³ Raumluft. D.h. werden die genannten ungünstigen
Annahmen zu Grunde gelegt („worst case“), so führt eine Raumluftbelastung
von 300 ng PCB /m³ Luft bei 24 Stunden Aufenthalt in einem solchen Raum zu
einer 10 %-igen Ausschöpfung des TDI-Wertes, bei 8 Stunden Aufenthalt zu einer
3 %-igen Ausschöpfung.
Entsprechend führt unter „worst-case“-Annahmen eine PCB-Raumluftbelastung
von:
3.000 ng/m³ bei 8 Stunden zu einer Ausschöpfung des TDI-Wertes von 35 %,
9.000 ng/m³ bei 8 Stunden zu einer Ausschöpfung des TDI-Wertes von ca. 100 %.
Dabei ist nochmals darauf hinzuweisen, dass der TDI-Wert als Vorsorgewert bei
lebens-lang täglicher Belastung festgelegt ist.
Weil der Vorsorgewert unter den genannten Annahmen bei einer Raumluftbelastung
von 3.000 ng PCB/m³ Luft bezogen auf 24 Stunden Aufenthalt in solchem Raum
ausgeschöpft wäre, wurde der Gefahrenwert, der in der PCB-Richtlinie
baurechtlich eingeführt worden ist, in dieser Höhe festgelegt.
Bei den in Japan und in Taiwan aufgetretenen Unfällen nahmen die Betroffenen über
Monate hinweg 700 – 1.400 mg = 700.000 – 1.400.000 µg PCB/Tag auf.
Dabei traten verschiedene, teils schwere Gesundheitsschäden auf: Chlorakne,
Hautverdickung, verstärkte Pigmentierung, Atemwegserkrankungen, Veränderungen
der Blutfette, Zeichen einer Immunschwäche, Fortpflanzungsstörungen,
Leberfunktionsstörungen und Tumore der Leber u.a. Für letztere konnte eine
statistische Häufung weder gesichert noch ausgeschlossen werden. Die meisten
der aufgetretenen Gesundheitsstörungen werden auf Furane zurück geführt, die
als Verunreinigung in den PCB enthalten gewesen waren.
Aus umweltmedizinischer Sicht ist vor
allem nach möglichen Langzeiteffekten durch Belastungen im Niedrigdosisbereich
zu fragen. In neuerer Zeit gibt es zusätzliche Befunde und Diskussionen zu
weiteren Wirkungen der PCB; gemeint sind sog. hormonähnliche Wirkungen und mögliche
neuro-physiologische und motorische Beeinträchtigungen bei Kindern. Mit diesen
Befunden hat sich der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen in seinem
Sondergutachten „Umwelt und Gesundheit – Risiken richtig einschätzen“
befasst (Randziff. 152 ff. http://www.umweltrat.de/son99in.htm).
Die Befunde sind noch nicht abschließend zu bewerten. Generell sind PCB
potentiell schädlich und stets unerwünscht, weshalb Anlass besteht,
Belastungen möglichst zu minimieren.
Allgemein gilt, dass die Untersuchung der PCB-Belastung im Blut (oder
Fettgewebe) grundsätzlich keine konkrete Antwort auf die Frage nach „der“
oder einer bestimmten Belastungsquelle geben kann. Wenn eine erhöhte Exposition
besteht, ist diese – bei Gebäuden entsprechend der PCB-Richtlinie – zu
minimieren. Blutuntersuchungen können keinesfalls im Einzelfall bauseits
erforderliche Maßnahmen ersetzen, denen daher Priorität zukommt.
PCB in der Innenraumluft
PCB können aus Baustoffen (z.B.
dauerelastische Dichtungsmassen) ausgasen und zu hohen Raumluftbelastungen führen.
Es gilt als gesichert, dass bei Nutzern PCB-belasteter Gebäude nicht mit akuten
Gesundheitsschäden zu rechnen ist. Der Kenntnisstand über mögliche
gesundheitliche Folgen einer langfristigen Aufnahme und dabei insbesondere
hinsichtlich möglicher Verstärkung einer Krebsbildung ist lückenhaft. Die
Sanierung belasteter Gebäude ist daher angezeigt und erfolgt im Sinn des
vorbeugenden Gesundheitsschutzes.
Wie bereits ausgeführt, hat das (frühere) Bundesgesundheitsamt gestützt auf
das sog. TDI-Konzept (lebenslang tolerierbare tägliche Aufnahmemenge) einen
langfristig tolerablen Vorsorgewert von < 300 ng PCB/m³ Luft
(Jahresmittelwert) abgeleitet.
Als Interventionswert wurde eine Raumluftkonzentration von > 3.000 ng PCB/m³
Luft (angegeben als Jahresmittelwert und bezogen auf 24 Stunden Aufenthalt,
entsprechend > 9.000 ng PCB/m³ bei 8 Stunden Aufenthalt) festgelegt.
Diese Werte wurden auch für die im Jahr 1995 baurechtlich eingeführte sog.
PCB-Richtlinie zu Grunde gelegt (Download hier).
In Frage stehen vor allem Gebäude, die
mit Betonfertigteilen errichtet wurden (Fugendichtungen). Zu betrachten sind
solche Gebäude insbesondere aus der Bauzeit der Jahre etwa 1950 bis 1975. Sind
PCB-haltige Materialien vorhanden, geben Raumluftmessungen Aufschluss über die
Belastungssituation und über die Notwendigkeit von Minderungs- und Sanierungsmaßnahmen.
Raumluftmessungen sind entsprechend einschlägiger fachlicher Vorgaben
(VDI-Richtlinie) durchzuführen, da zahlreiche Faktoren zu beachten sind, die
das Messergebnis beeinflussen können. So sind z.B. Messwerte in den
Sommermonaten oft um ein Vielfaches höher als in Wintermonaten (Temperaturabhängigkeit).
Hinweise zu PCB-Raumluftmessungen
Vor einer Beauftragung einer Messstelle
sollte von dieser jeweils der Nachweis vorgelegt werden, dass sie vom Deutschen
Akkreditierungsrat (DAR) für PCB-Raumluftmessungen akkreditiert ist und auf
diesem Gebiet auch bereits über praktische Erfahrungen verfügt. Weitere
Informationen finden Sie unter:
http://www.umweltministerium.bayern.de/service/umwberat/ubbmes.htm
Für Räume mit erhöhten
Raumluftkonzentrationen (unter 3000 ng PCB/m³ Luft – s.o., aber über 300 ng
PCB/m³ Luft), die weiter und nicht nur jeweils ganz kurzfristig genutzt werden,
muss dringend empfohlen werden, Minimierungs-Maßnahmen festzulegen. Die Maßnahmen
sind strikt durchzuführen und hinsichtlich der Wirksamkeit zu kontrollieren und
ggf. zu optimieren. Als Sanierungszielwert gilt auch hier eine
Raumluftkonzentration von < 300 ng PCB/m³.
Eine Verminderung der PCB-Belastung der Luft ist möglich durch regelmäßiges
intensives Stoß- und Querlüften sowie gründliche und regelmäßige
Nassreinigung und Entstaubung der Räume. Erfahrungsgemäß ist so eine gewisse
Verminderung der Raumluftbelastung zu erreichen. Reichen diese Maßnahmen nicht
aus kann, so kann über eine eingeschränkte Nutzung bzw. verringerte
Aufenthaltszeit eine weitere Expositionsminderung erreicht werden.
Wertvolle Hinweise gibt z.B. der „Leitfaden für die Innenraumlufthygiene in
Schulgebäuden“, herausgegeben von der Innenraumlufthygiene-Kommission des
Umweltbundesamtes, Juni 2000
[
http://www.umweltbundesamt.de/neu/schule.htm].
In Kindergärten ist eine mögliche
unmittelbare Gefährdung der Kinder zu bedenken, wenn sie elastische
Fugendichtungen herauspulen und ggf. gar in den Mund nehmen.
Eventuelle Sanierungsmaßnahmen sind mit äußerster Sorgfalt zu planen und
durchzuführen. Für die Sanierung eines PCB-belasteten Gebäudes gilt als
Zielwert: < 300 ng PCB/m³ Luft. Er wird allerdings, wie zahlreiche
Erfahrungen lehren, meist nicht schon unmittelbar zum Abschluss der baulichen
Sanierungsmaßnahmen erreicht. Lüften und Nassreinigung sind in der Regel noch
fortzusetzen.
Eine weitere Fachinformation der
Umweltberatung Bayern finden Sie beim Bayerischen Staatsministerium für
Landesentwicklung und Umweltfragen.
http://www.umweltministerium.bayern.de/service/umwberat/ubbpcb.htm
Den Fragebogen der derzeit laufenden Umfrage bei den Sachaufwandsträgern von Schulen und Kindergärten finden Sie beim Bayerischen Staatsministerium des Innern. (Download hier)
Für die Umfrage stehen Ansprechpartner
bei der jeweiligen Regierung zur Verfügung.
http://www.bayern.de/Bayern/Regierungsbezirke
Zu gesundheitlichen Fragen finden Sie Ansprechpartner bei den Gesundheitsämtern
in den Landratsämtern . Diese haben auch ein Info-Telefon: „PCB –
gesundheitliche Fragen?“ eingerichtet.
Weitere Informationen zu PCB
Bayerischen Landesamt für
Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik
http://www.lfas.bayern.de
(Geben Sie dort einfach in die Suchmaschine PCB ein)
Gefahrstoffinformationssystem der
gewerblichen Berufsgenossenschaften
http://www.hvbg.de/d/bia/fac/zesp/zesp.htm
zur Innenraumlufthygiene allgemein:
Landesuntersuchungsamtes für das Gesundheitswesen Südbayern
http://www.luas.bayern.de/bitraum.htm/
weiteren Quellen:
GERMAN ENVIRONMENTAL INFORMATION NETWORK
UMWELTINFORMATIONSNETZ DEUTSCHLAND
http://www.gein.de/
Bayerisches Staatsministerium für
Landesentwicklung und Umweltfragen
http://www.umweltministerium.bayern.de/
ferner - und nicht nur zum aktuellen
Fall in Nürnberg -
beim Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg:
http://www.gesundheit.nuernberg.de/aktuelles/aktuelles_pcb_4.html
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