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Polychlorierte
Biphenyle |
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Polychlorierte Biphenyle gehören zur Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe. Die PCB
leiten sich vom Biphenyl ab, indem Wasserstoffatome durch Chlor ersetzt werden. Auf diese
Weise sind insgesamt 209 verschiedene Chlorbiphenyle möglich. PCB zählen zu den
stabilsten organischen Verbindungen, wobei die Stabilität mit wachsender Anzahl von
Chloratomen zunimmt. PCB mit mehr als vier Chloratomen sind nicht brennbar und oxidieren
nicht. Seit 1929 wurden die PCB in der Elektroindudtrie in Kondensatoren und
Hochspannungs-Transformatoren wegen ihrer guten Isoliereigenschaften eingesetzt. PCB
wurden auch für Farben und Lacke verwendet, um sie feuersicher zu machen, sowie als
Weichmacher für Kunststoffe.
Bis heute wurden auf der Welt ca. 1 Mio. t PCB produziert. Mitte der 60er Jahre wurden die
starke Giftigkeit und die ökologische Problematig entdeckt. Wegen ihrer Beständigkeit
wurden die PCB überall auf der Welt in Fischen, Vögeln, Eiern, Margarine, Muttermilch
und vielen anderen Produkten gefunden. PCB reichern sich über die Nahrungskette an und
können bei Aufnahme größerer Mengen zu Leber-, Milz- und Nierenschäden führen. 1968
floß in einer japanischen Lebensmittelfabrik aus einer Kühlanlage flüssiges PCB in
einen Reisöltank. Das vergiftete Reisöl gelangte in den Handel und wurde als Tierfutter
und Lebensmittel verkauft. Zunächst starben 100.000 Hühner, kurz darauf zeigten sich bei
etwa 2.000 Menschen erste Vergiftungserscheinungen in Form von Hautveränderungen,
Chlorakne und einer Dunkelfärbung der Pigmente (Yusho-Krankheit). Später kam es zu
schweren Organschäden und zu Krebs. 90% der betroffenen Babys waren nach der Geburt als
schwarze Babys zu Außenseitern gestempelt.
PCB sind in letzten Zeit besonders als Innenraumschadstoffe in öffentlichen Gebäuden wie
Schulen und Verwaltungen aufgefallen und treten die Nachfolge des Bauschadstoffs Asbest
an. Die Sanierung ist z.Z. noch sehr kostspielig. So müssen Dichtungsmassen mit bis zu
50% PCB durch Einfrieren und Abklopfen entfernt werden, Brandschutzanstriche mit dem
Untergrund beseitigt werden. PVC-Fußbodenbeläge, die PCB als Weichmacher enthalten, sind
Sondermüll. Kondensatoren, die PCB enthalten, sollten in einer geschlossenen Aktion
ausgebaut und sorgsam eingesammelt werden (Leuchtstoffröhren, Waschmaschiene). Ein
besonderes Problem stellen die Sekundärquellen dar, die trotz Entfernung aller
Primärquellen die Innenräume stark belasten können. Neben Innenausbaumaterialien muß
geprüft werden ob Putz und oberste Betonschicht ebenfalls entfernt werden müssen. Das
BGA forderte sofortige Eingriffe, wenn die Innenraumluftkonzentration 3.000 ng/m3 Raumluft
anzustreben, um das Potential irreversibler Schädigungen klein halten. PCB sind heute
insb. in fetthaltigen Lebensmitteln, in der Muttermilch und im menschlichen Fettgewebe in
teilweise bedenklichen Mengen enthalten. Vor allem bei Hunger und Unterkühlung kann es
infolge von Remobilisierung aus dem Fettgewebe zu kurzfristigen, jedoch erheblichen
Erhöhungen der PCB-Konzentrationen im Blut und folglich zu entsprechenden Leberschäden
kommen. PCB stehen in der MAK-Werte-Liste unter begründetem Verdacht auf krebserzeugendes
Potential; v.a. die coplanaren Kongenere reichen vermutlich bis auf 1/10 der Toxizität
von 2,3,7,8-TCDD heran; z.T. ist die Giftwirkung der PCB auch auf Verunreinigungen mit
Dioxinen und Furanen zurückzuführen.
PCB dürfen in der BRD auch in geschlossenen Systemen (z.B. Transformatoren) seit 1989
nicht mehr verwendet werden. Seit 1985 ist die PCB-Verbotsverordnung in Kraft, die die
Verwendung von Kondensatoren mit über 1 l PCB-haltiger Flüssigkeit bis längstens
31.12.1993 zuließ. Trotz der Anwendungsbeschränkungen ist noch kein deutlich
rückläufiger Trend in der Belastung erkennbar. Eine besondere Gefahr stellt bei
Müllverbrennung die Entstehung von Dioxinen dar.
Für Lebensmittel gibt es Höchstmengen:
Trinkwasser-VO: einzelne Substanz: 0,0001 mg/l, insgesamt: 0,0005 mg/l
Schadstoffhöchstmengen-VO (für Lebensmittel): 0,008-0,4 mg/kg
(jeweils:2,4,4'-Trichlorbiphenyl; 2,2',4,5,5'-Pentachlorbiphenyl; 2,2',3,4,4',5,5'
Heptachlor biphenyl), 0,01-0,6 mg/kg (jeweils: 2,2',3,4,4',5'-Hexachlorbiphenyl;
2,2',4,4',5,5'-Hexachlorbiphenyl).
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