Polychlorierte Biphenyle
Quelle: Umweltlexikon der Katalyse
(Institut für angewandte Umweltforschung Köln) Stand 1993

 PCB

Polychlorierte Biphenyle gehören zur Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe. Die PCB leiten sich vom Biphenyl ab, indem Wasserstoffatome durch Chlor ersetzt werden. Auf diese Weise sind insgesamt 209 verschiedene Chlorbiphenyle möglich. PCB zählen zu den stabilsten organischen Verbindungen, wobei die Stabilität mit wachsender Anzahl von Chloratomen zunimmt. PCB mit mehr als vier Chloratomen sind nicht brennbar und oxidieren nicht. Seit 1929 wurden die PCB in der Elektroindudtrie in Kondensatoren und Hochspannungs-Transformatoren wegen ihrer guten Isoliereigenschaften eingesetzt. PCB wurden auch für Farben und Lacke verwendet, um sie feuersicher zu machen, sowie als Weichmacher für Kunststoffe.

Bis heute wurden auf der Welt ca. 1 Mio. t PCB produziert. Mitte der 60er Jahre wurden die starke Giftigkeit und die ökologische Problematig entdeckt. Wegen ihrer Beständigkeit wurden die PCB überall auf der Welt in Fischen, Vögeln, Eiern, Margarine, Muttermilch und vielen anderen Produkten gefunden. PCB reichern sich über die Nahrungskette an und können bei Aufnahme größerer Mengen zu Leber-, Milz- und Nierenschäden führen. 1968 floß in einer japanischen Lebensmittelfabrik aus einer Kühlanlage flüssiges PCB in einen Reisöltank. Das vergiftete Reisöl gelangte in den Handel und wurde als Tierfutter und Lebensmittel verkauft. Zunächst starben 100.000 Hühner, kurz darauf zeigten sich bei etwa 2.000 Menschen erste Vergiftungserscheinungen in Form von Hautveränderungen, Chlorakne und einer Dunkelfärbung der Pigmente (Yusho-Krankheit). Später kam es zu schweren Organschäden und zu Krebs. 90% der betroffenen Babys waren nach der Geburt als schwarze Babys zu Außenseitern gestempelt.

PCB sind in letzten Zeit besonders als Innenraumschadstoffe in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Verwaltungen aufgefallen und treten die Nachfolge des Bauschadstoffs Asbest an. Die Sanierung ist z.Z. noch sehr kostspielig. So müssen Dichtungsmassen mit bis zu 50% PCB durch Einfrieren und Abklopfen entfernt werden, Brandschutzanstriche mit dem Untergrund beseitigt werden. PVC-Fußbodenbeläge, die PCB als Weichmacher enthalten, sind Sondermüll. Kondensatoren, die PCB enthalten, sollten in einer geschlossenen Aktion ausgebaut und sorgsam eingesammelt werden (Leuchtstoffröhren, Waschmaschiene). Ein besonderes Problem stellen die Sekundärquellen dar, die trotz Entfernung aller Primärquellen die Innenräume stark belasten können. Neben Innenausbaumaterialien muß geprüft werden ob Putz und oberste Betonschicht ebenfalls entfernt werden müssen. Das BGA forderte sofortige Eingriffe, wenn die Innenraumluftkonzentration 3.000 ng/m3 Raumluft anzustreben, um das Potential irreversibler Schädigungen klein halten. PCB sind heute insb. in fetthaltigen Lebensmitteln, in der Muttermilch und im menschlichen Fettgewebe in teilweise bedenklichen Mengen enthalten. Vor allem bei Hunger und Unterkühlung kann es infolge von Remobilisierung aus dem Fettgewebe zu kurzfristigen, jedoch erheblichen Erhöhungen der PCB-Konzentrationen im Blut und folglich zu entsprechenden Leberschäden kommen. PCB stehen in der MAK-Werte-Liste unter begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potential; v.a. die coplanaren Kongenere reichen vermutlich bis auf 1/10 der Toxizität von 2,3,7,8-TCDD heran; z.T. ist die Giftwirkung der PCB auch auf Verunreinigungen mit Dioxinen und Furanen zurückzuführen.

PCB dürfen in der BRD auch in geschlossenen Systemen (z.B. Transformatoren) seit 1989 nicht mehr verwendet werden. Seit 1985 ist die PCB-Verbotsverordnung in Kraft, die die Verwendung von Kondensatoren mit über 1 l PCB-haltiger Flüssigkeit bis längstens 31.12.1993 zuließ. Trotz der Anwendungsbeschränkungen ist noch kein deutlich rückläufiger Trend in der Belastung erkennbar. Eine besondere Gefahr stellt bei Müllverbrennung die Entstehung von Dioxinen dar.

Für Lebensmittel gibt es Höchstmengen:
Trinkwasser-VO: einzelne Substanz: 0,0001 mg/l, insgesamt: 0,0005 mg/l
Schadstoffhöchstmengen-VO (für Lebensmittel): 0,008-0,4 mg/kg (jeweils:2,4,4'-Trichlorbiphenyl; 2,2',4,5,5'-Pentachlorbiphenyl; 2,2',3,4,4',5,5' Heptachlor biphenyl), 0,01-0,6 mg/kg (jeweils: 2,2',3,4,4',5'-Hexachlorbiphenyl; 2,2',4,4',5,5'-Hexachlorbiphenyl).

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