Polychlorierte Biphenyle
Presseerklärung
des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz
vom 26. September 2002

 PCB

PCB-Blutuntersuchung: Keine Gesundheitsgefahr für Schüler der Georg-Ledebour-Schule in Nürnberg. Bayernweite PCB-Umfrage: Keine weiteren Hinweise auf Überschreitung des Gefahrenwertes in Schulen und Kindergärten

Eine bei Schülern, Lehrern und Beschäftigten der Georg-Ledebour-Schule in Nürnberg durchgeführte Blutanalyse belegt, dass die seinerzeit erhöhte PCB-Belastung in der Raumluft des ehemaligen Schulgebäudes zu keinen erhöhten Gesundheitsgefährdungen führt. Nach den Ergebnissen der Fragebogenaktion bei allen Trägern von 12500 Schulen und Kindergärten in Bayern wurde lediglich bei 2 Schulen der PCB-Gefahrenwert überschritten. Dieses Fazit zogen Bayerns Gesundheitsminister Eberhard Sinner und Innenstaatssekretär Hermann Regensburger bei der Vorstellung der Ergebnisse der Nürnberger PCB-Studie und der bayernweiten Umfrage zur PCB-Belastung in Schulen und Kindergärten in Bayern heute in München.

Sinner zeigte sich über das Ergebnis der Nürnberger PCB-Studie erleichtert. Vor allem der kooperative Studienansatz habe viel zu Erfolg und Akzeptanz der Studie beigetragen, so der Minister weiter: „Von Anfang an war es uns wichtig, die betroffenen Eltern, Schüler, Lehrer und Beschäftigten intensiv in die Studie mit einzubeziehen. In der ‚Projektgruppe PCB’ konnten Eltern- und Lehrerschaft unmittelbar auf den Studienablauf Einfluss nehmen. Insbesondere bei der Qualitätssicherung wirkten sie aktiv mit, so etwa bei der Anonymisierung aller Proben für das Labor. Darüber hinaus wurde auf Wunsch der Elternvertretung der Ledebour-Schule eine parallele Untersuchung von 80 zufällig ausgewählten Proben in einem Zweitlabor in Bremen durchgeführt.“

In der Studie, die Prof. Hans Drexler vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg im Auftrag des Bayerischen Gesundheitsministeriums durchgeführt hat, sind bei insgesamt 377 Schülern und 27 Beschäftigte der Georg-Ledebour-Schule in Nürnberg sowie 218 Schülern und 17 Beschäftigte einer Vergleichsschule Blutproben untersucht worden. Die im Blut gemessene PCB-Gesamtbelastung war bei beiden Gruppen unauffällig, bei einem insgesamt vergleichsweise niedrigen Belastungsniveau. Der größte Teil dieser Gesamtbelastung entfiel auf höherchlorierte PCB, die aus der Nahrung herrühren. Prof. Drexler: „Im Rahmen der Studie konnten wir die Analytik für PCB-Messungen so verfeinern, dass auch geringfügigste Belastungsunterschiede sichtbar gemacht werden konnten.“ Mit der verfeinerten Analysemethode konnte bei Teilnehmern aus der Georg-Ledebour-Schule eine geringe Erhöhung von niedrigchlorierten PCB im Blut nachgewiesen werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der PCB-Belastung in der Raumluft der Schule stammt. Prof. Drexler: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass niedrigchlorierte PCB ein höheres Schädigungspotential besitzen, als höher chlorierte PCB. Aus den gemessenen Blutwerten kann deshalb eine erhöhte Gefährdung nicht abgeleitet werden.“

Bei der Untersuchung gesundheitlicher Beschwerden der Betroffenen mit einem standardisierten Erhebungsbogen (Gießener Beschwerdebogen für Kinder und Jugendliche bzw. für Erwachsene) konnte eine Häufung oder höhere Intensität von Beschwerden nicht nachgewiesen werden. Bei freier, individueller Abfrage bei Schülern der Georg-Ledebour-Schule gaben diese zwar teilweise Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen und Einschlafstörungen in etwas höherer Intensität als die Vergleichsgruppe an; aber Prof. Drexler: „Einen Zusammenhang dieser Beschwerden mit der PCB-Belastung konnten wir nicht finden.“

Zu Anlass und aktuellen Ergebnissen der seit Juli letzten Jahres unter der Federführung der Obersten Baubehörde laufenden Fragebogenaktion bei allen Trägern der rund 5.500 Schulen und 7.000 Kindergärten in Bayern erläuterte Innenstaatssekretär Hermann Regensburger: „Ziel der Umfrage war es, dass für Kinder, Lehrer, Erzieher und sonstiges Personal an sämtlichen bayerischen Schulen und Kindertagesstätten keinerlei Gefährdungen durch PCB-belastete Gebäude bestehen dürfen.
Dafür tragen die Träger der Schulen und Kindergärten die Verantwortung. Der Staat steht ihnen dabei mit all seiner Beratungskompetenz zur Seite. Bei der Umfrage sollten alle Träger der Schulen und Kindergärten mitteilen, ob Hinweise auf mögliche PCB-belastete Bauteile vorliegen, ob Untersuchungen wie zum Beispiel Raumluftmessungen vorgenommen und ggf. welche Maßnahmen bereits eingeleitet wurden. Bislang liegen für 15.470 und damit 99,3% der insgesamt etwa 15.580 Gebäude die Antworten auf die Fragebögen vor. Im Ergebnis wurde nur in zwei Schulen der Gefahrenwert von 3.000 ng PCB/m³ Raumluft (als Jahresmittelwert, bezogen auf täglichen 24-stündigen Aufenthalt) überschritten. Eine der Schulen wurde abgerissen, die zweite saniert. Bei weiteren 476 Gebäuden wird nachweislich der PCB-Vorsorgewert von 300 ng überschritten. Davon sind bei insgesamt 197 Gebäuden bauliche Maßnahmen bereits vorgesehen oder ausgeführt.“

Regensburger wies abschließend darauf hin, dass seit August 2001 auch in sämtlichen staatlichen Gebäuden Bayerns eine vergleichbare Erhebung über die PCB-Belastung durchgeführt wird. „Von den insgesamt 11.635 Gebäuden wurden bereits 11.296 und damit 97% erfasst. Dabei wird in keinem Fall der Gefahrenwert der PCB-Richtlinie überschritten. Bei den insgesamt 91 Gebäuden, in denen der Vorsorgewert überschritten wird, wurden bereits Verbesserungen des Hygienemanagements bzw. bauliche Maßnahmen zur Senkung der PCB-Belastungen veranlasst“, so Regensburger.

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind in der Umwelt ubiquitär vorhandene Chemikalien. Sie wurden früher in erheblichem Umfang als elektrische Isolatoren in Transformatoren und Kondensatoren, als Weichmacher in Kunststoffen, in Dichtungsmaterialien für Gebäudedehnungsfugen sowie in Hydraulikanlagen eingesetzt. In Deutschland wurde die Verwendung von PCB 1989 mit wenigen Ausnahmen grundsätzlich verboten. Da PCB nach wie vor auch in der Nahrungskette vorhanden sind, gibt es immer noch eine Grundbelastung der Allgemeinbevölkerung, die aber seit dem Verbot kontinuierlich zurück geht.

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