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Nitrofen |
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Kurz-Überblick
Das Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen kam von 1964 bis 1988 bzw. 1990 in Deutschland zur Anwendung (2 kg/ha). Rückstände im Getreidekorn wurden nicht nachgewiesen, im Salat 0,01 bis 0,04 mg/kg, in Radieschen 0,14 mg/kg.
Im Ackerboden dürfte inzwischen Nitrofen vollständig abgebaut sein. Wegen der starken Bindung an Bodenpartikel bestand auch keine Gefahr für eine Grundwasserverunreinigung.
Nitrofen zeigte sich im Tierversuch krebserzeugend und teratogen (fruchtschädigend) sowie bei Bakterien mutagen (erbgutverändernd). Akute Wirkungen können sein Reizungen von Augen, Haut und Atemwegen. Nitrofen ist schwer wasserlöslich und lipophil („fettliebend“).
Zum jetzigen Kenntnisstand stammen wohl alle Verunreinigungen aus einer Lagerhalle in Malchin im Osten Mecklenburg-Vorpommerns. Im folgenden werden jeweils Maximalwerte genannt.
2000 mg/kg fanden sich im Staub der Halle.
5,96 mg/kg im dort gelagerten Futtermittel Bio-Weizen (daneben noch andere Futtermittel).
550 Tonnen davon wurden an 120 Ökobetriebe ausgeliefert und dort an Puten und andere Tiere (Schweine) verfüttert.
0,8 mg/kg im Putenfleisch
0,131 mg/kg in Bio-Eiern
0,01 mg/kg sind zulässig nach der Höchstmengenverordnung
0,004 mg/kg ist die Nachweisgrenze: In Bioprodukten darf Nitrofen nicht nachweisbar sein.
Situation im Landkreis Garmisch-Partenkirchen:
In Proben von Bio-Putenschnitzel und Putenbrust aus dem Landkreis wurden keine Nitrofen-Rückstände nachgewiesen.
Nach Angaben der Hersteller und Vertreiber wurden eventuell belastete Eier zurückgezogen. Bei Eiern, die nach dem 23.05.2002 verkauft wurden, besteht keine Gefahr mehr. Eier, die vorher verkauft wurden, dürften wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums von 28 Tagen ab Legezeitpunkt inzwischen verbraucht sein, da in der Regel 5 bis 7 Tage vergehen, bis sie im Handel erscheinen. Sie können aber zurückgegeben werden.
In sämtlichen Rind- und Schweinefleischproben aus der Direktvermarktung im
Landkreis wurde Nitrofen nicht nachgewiesen.
Aus der Malchiner Halle gelangten im Oktober 2001 auch 26 Tonnen von mit 0,38
mg/kg belasteter Bio-Gerste an einen Händler in Weilheim und von dort im
November 2001 an 45 Betriebe, davon 6 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, darunter 5 Tonnen an den Staatsbetrieb Acheleschwaig des Gestüts Schwaiganger. 4 Tonnen wurden an 100 Jungrinder
verfüttert, von denen 34 inzwischen außerhalb des Landkreises verkauft wurden.
Da die Jungrinder noch keine Kuhmilch produzieren und bei einer eventuellen
Schlachtung das Fleisch vor Inverkehrbringen untersucht werden muss, besteht
keine Gefahr für den Verbraucher. Angesichts der geringen Belastung des
Futtermittels sind Rückstände im Fleisch ohnehin nicht zu erwarten. Laut Stellungnahme
des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
(bgvv) vom 4. Juni 2002 wurden Nitrofen-Rückstände bei Fütterungsversuchen von
Milchkühen erst bei hohen Dosen sowohl in Milch als auch Körperorganen, Fleisch und
vor allem Fett gefunden.
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