Radioaktivität
Natürliche Umgebungsstrahlung in Deutschland
(Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz)

Jeder Mensch ist unvermeidbar einer natürlichen Strahlenexposition ausgesetzt. Diese besteht in externer Exposition durch die von außen auf den Menschen einwirkende natürliche Umgebungsstrahlung und in interner Exposition durch Aufnahme natürlicher Radionuklide in den Körper. Die externe Exposition macht dabei etwa ein Drittel der gesamten natürlichen Exposition aus.

Die natürliche Umgebungsstrahlung besteht zum einen aus der kosmischen Strahlung galaktischen oder solaren Ursprungs und zum anderen aus der terrestrischen Strahlung der natürlichen Radionuklide, die in allen Substanzen in unterschiedlichen Spurenkonzentrationen seit der Erdentstehung vorhanden sind. Die Ortsdosisleistung des direkt ionisierenden Anteils der kosmischen Strahlung liegt in Deutschland für Höhen unterhalb 1000 m im Bereich von 30 bis 40 nGy/h (Nanogray pro Stunde).

Die Ortsdosisleistung der terrestrischen Strahlung wird im freien Gelände vom Radionuklidgehalt der Böden und Untergründe bestimmt. Sie weist deshalb große regionale Unterschiede auf. Für das Gebiet der alten Bundesländer wurde sie in einem großangelegten Bundesprojekt, an dem acht wissenschaftliche Institutionen beteiligt waren, in den Jahren 1972 bis 1974 an etwa 25 000 Meßorten ermittelt. Um die Ergebnisse auf die gesamte Bundesrepublik ausweiten zu können, führte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) auch für das Gebiet der neuen Bundesländer in den Jahren 1994 bis 1996 entsprechende Messungen an 7110 Orten in einem Abstand von etwa 4 km durch. Diese Arbeiten erfolgten in enger Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Beide Meßprogramme wurden mit Meßtechnik grundsätzlich gleichen Standards durchgeführt. Allerdings konzentrierten sich die früheren Messungen in den alten Bundesländern auf das Wohnumfeld, so daß die Ergebnisse im Freien zum Teil durch benachbarte Gebäude oder künstliche Untergründe beeinflußt waren, während die Messungen in den neuen Bundesländern nur über natürlichen Untergründen erfolgten. Die Unterschiede sind aber nicht so groß, daß bei der Zusammenführung der Ergebnisse nicht eine zutreffende Übersicht über die regionalen Ortsdosisleistungen für die gesamte Bundesrepublik erhalten würde.

In der umseitigen Abbildung ist die Verteilung der Ortsdosisleistung durch terrestrische Strahlung für Deutschland in Klassen von 10 nSv/h (Nanosievert pro Stunde) durch 14 Farbstufen dargestellt. Weite Bereiche Norddeutschlands sind durch Ortsdosisleistungen unter 60 nSv/h gekennzeichnet. In Niedersachsen, in Brandenburg und im nordöstlichen Sachsen liegen große Gebiete mit Dosisleistungen von sogar weniger als 30 nSv/h. Die Mittelgebirge treten meist als Gebiete höherer Ortsdosisleistungen im Bereich von etwa 60 bis 80 nSv/h hervor. Großflächig sehr hohe Werte oberhalb 120 nSv/h sind seinerzeit im Fichtelgebirge, im Oberpfälzer und im Bayrischen Wald gemessen worden. Deutlich niedrige Werte unter 50 nSv/h treten wiederum in Süddeutschland verbreitet im Alpenvorland auf. Die großflächigen Dosisleistungsverteilungen korrelieren gut mit den geologischen Bodenregionen, die durch typische Gehalte der natürlichen Radionuklide charakterisiert sind.

Die nebenstehenden Tabelle enthält die mittleren Ortsdosisleistungen der Bundesländer. Der Mittelwert für Deutschland beträgt 57 nSv/h, wenn nach den Einwohnerzahlen der Bundesländer, und 55 nSv/h, wenn nach deren Fläche gewichtet wird.

Bundesland ODL in nSv/h
Baden-Württemberg 62
Bayern 69
Berlin 31
Brandenburg 28
Bremen 42
Hamburg 56
Hessen 60
Mecklenburg-Vorpommern 36
Niedersachsen 48
Nordrhein-Westfalen 59
Rheinland-Pfalz 68
Saarland 79
Sachsen 57
Sachsen-Anhalt 43
Schleswig-Holstein 52
Thüringen 63

Tabelle 1: Ländermittelwerte der Ortsdosisleistung durch terrestrische Strahlung

Beim Aufenthalt im Freien erhält eine Person in Deutschland im Mittel pro Stunde eine effektive Dosis von 35 nSv durch terrestrische Strahlung und von 36 nSv durch kosmische Strahlung (davon etwa 4 nSv durch Neutronen), insgesamt also 71 nSv.

 

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