Trinkwasser in den Bergen
– wie steht`s mit der Qualität

Dr. Volker Juds, Gesundheitsamt Garmisch, erstellt September 1999 (Fotos September 1992), aktualisiert April 2009

Das Garmischer Gesundheitsamt wird immer wieder von Bergwanderern gefragt, ob Quellwasser im Gebirge ohne Gesundheitsgefährdung genossen werden kann. Im Rahmen der Trinkwasserverordnung überwacht das Amt auch die 75 Berghütten im Landkreis durch regelmäßige Ortsbesichtigungen und eigene Probenahmen. Natürlich gehört diese Aufgabe zu den Schmankerln der Arbeit - solange das Wetter mitspielt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen hier den Lesern vorgestellt werden.

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Geologische Situation Die gefährlichen Verwandten harmloser Keime
Mögliche Risiken Mangelnde Sorgfalt
Filter und UV-Anlagen Literatur

 

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Der Amtsarzt auf Dienstgang im Wettersteingebirge
(Blick auf Reintal und Zugspitzplatt)

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Die strengen Anforderungen der europaweit gültigen Trinkwasserverordnung kann in mikrobiologischer Hinsicht praktisch keine Quelle in den Bergen erfüllen. Sie verlangt nämlich, dass keine Indikatorkeime für eine fäkale Verschmutzung in 100 ml Wasser enthalten sein dürfen (die berühmten Escherichia coli und coliformen Keime).

Diese Forderung beruht auf der Überlegung, dass im ungünstigen Fall mit den Ausscheidungen von infizierten oder kranken Menschen oder Tieren auch Krankheitserreger ins Trinkwasser gelangen können. Dazu gehören beispielsweise die Ruhrshigellen, Typhussalmonellen, Choleravibrionen, aber auch Hepatitis A-, Entero- und Polioviren. Die letzte über das Trinkwasser verbreitete Seuche in Deutschland war die Ruhrepidemie 1978 in Ismaning bei München, bei der 2450 Personen erkrankten.

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Wasserfassung der Höllentalangerhütte

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Geologische Situation erhöht die Gefahr der Keimbelastung

Aufgrund mangelnder Überdeckung und Filtrationsschichten, zerklüfteten Geländes und damit relativ schneller Fließzeiten im Untergrund gelangen im Gebirge Fäkalkeime rasch ins Quellwasser, wo sie regelmäßig nachgewiesen werden. Solange es sich dabei nur um „harmlose" Darmkeime und keine Krankheitserreger handelt, kann das Wasser ohne Gesundheitsschädigung genossen werden. Weil man aber nie ganz sicher sein kann, dass nicht doch auch Krankheitserreger enthalten sind, besteht ein gewisses Restrisiko, welches der Wanderer (auch der Amtsarzt) üblicherweise eingeht, wenn er unterwegs seinen Durst aus Bergquellen löscht.

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Quellfassung der Dammkarhütte

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Mögliche Risiken ausschalten

Wer sicher gehen will, benutzt Desinfektionstabletten auf Chlor- oder Silberbasis nach Anwendungsvorschrift oder kocht das Wasser ab, bis es sprudelt. Vorsicht ist insbesondere geboten bei Quellen und Bächen unterhalb von Berghütten und Weideflächen, weil hier ein vermehrter Eintrag von Fäkalien zu befürchten ist (auch behandeltes Abwasser enthält noch hohe Keimzahlen). Als unproblematisch eingestuft wird geschmolzener Schnee, sofern er nicht sichtbar verunreinigt ist.

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Wasserleitung im Hochgebirge

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Filter und UV-Anlagen desinfizieren das Wasser

Von den 75 Berghütten im Landkreis verfügen nur fünf über primär einwandfreies Quellwasser, drei werden mit Trinkwasser aus dem Tal über Tanktransporte versorgt, der Rest (67, das entspricht fast 90 %) muss wegen mikrobiologischer Belastungen sein Trinkwasser aufbereiten und entkeimen. Die einschlägige DIN 2001 fordert eine mehrstufige Aufbereitung durch Filtration und Desinfektion. Durch die Filtration (z. B. Ultra- und Mikrofiltration) soll sichergestellt werden, dass Trübungsstoffe im Wasser nicht den Erfolg der anschließenden Desinfektion mit UV-Bestrahlung gefährden. Voraussetzung für die UV-Anlagen ist eine Stromversorgung, beispielsweise über Dieselaggregate, Wasser- oder Windkraftwerke und Solarzellen. Zwar kann die heutige Membranfiltration mit ihrer Porengröße bereits Krankheitserreger zurückhalten. Wegen eventuell auftretender Faserbrüche, Rissen und Fehlstellen ist zur Sicherheit derzeit noch eine nachfolgende Desinfektionsstufe erforderlich.

Alte Eisen-Wasserleitung am Lakaiensteig

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Die gefährlichen Verwandten harmloser Keime

Leider tauchte in den letzten Jahren ein neues Problem auf, das auch in den Bergen an Bedeutung gewinnt. So haben sich aus dem ehemals harmlosen Darmkeim E. coli nun Krankheitserreger entwickelt, sogenannte EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli), die über Bakteriengifte vor allem bei Kleinkindern und abwehrgeschwächten Personen neben schweren Durchfällen auch Schädigungen von Blutzellen und Nieren hervorrufen können. Im schlimmsten Fall kann sich ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) entwickeln, das wiederum bei etwa 2 % zum Tode führen kann. Bis 1995 gab es keine EHEC - Fälle im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, 1996 waren es zwei, 1997 und 1998 je acht, und 1999 trat erstmals das gefürchtete HUS auf. Natürliches Reservoir für diese Keime sind Rinder und andere Wiederkäuer, bei denen die EHEC im Darm und damit Kot vorkommen können. So verwundert es nicht, dass in jüngster Zeit diese EHEC auch im Quellwasser von Berghütten im Estergebirge, im Eckbauer- und Hausberggebiet nachgewiesen wurden. Damit kommt einer ständigen und korrekten Entkeimung des Trinkwassers entscheidende Bedeutung zu.

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Regenwasserzisterne der Meilerhütte (2383 m NN)

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Mangelnde Sorgfalt wird geahndet

Leider muss bei den Besichtigungen manchmal festgestellt werden, dass Hüttenwirte in diesem Bereich nicht immer die notwendige Sorgfalt walten lassen. Bei der Abgabe von mikrobiologisch belastetem Trinkwasser, das nicht den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entspricht, handelt es sich nicht mehr um eine Ordnungswidrigkeit, sondern bereits um eine Straftat. Durch die geduldige Überzeugungsarbeit des Gesundheitsamtes und entsprechende Nachrüstungen werden diese Fälle aber immer seltener.
Neben qualitativen kann es auch noch quantitative Probleme geben. Durch die vermehrte touristische Nutzung samt Ausbau der sanitären Einrichtungen stößt die Quellschüttung manchmal an ihre Grenzen. So kann es in trockenen Zeiten auch zu Wasserknappheit kommen.
Aus all diesen Gründen wurden beispielsweise im Zugspitz- und Hausberggebiet mit hohem Kostenaufwand Wasserleitungen aus dem Tal heraufgelegt.

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Alte Holz-Wasserleitung mit Verbindungsschelle

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In der Hoffnung, unseren Lesern mit diesen Zeilen das Bergwandern nicht verleidet zu haben, grüßt als begeisterter Bergwanderer
Dr. Volker Juds.

Literatur

Trinkwasserverordnung - TrinkwV 2001 vom 21. Mai 2001, Bundesgesetzblatt S. 959
DIN 2001 vom Mai 2007 - Trinkwasserversorgung aus Kleinanlagen


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