Schimmelbildung in Wohnräumen

Quelle: gsf

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Einführung

1. Schimmelpilze - Vorkommen und Lebensweise
2. Quellen und Ursachen für Schimmelbildung in Wohnräumen
3. Gesundheitliche Relevanz luftgetragener Schimmelpilze
4. Maßnahmen zur Bekämpfung von Schimmelpilzen
Literatur

Einführung

Schimmelbildung in Wohnräumen ist kein neues Thema aber: In den letzen 20 Jahren häufen sich Schäden in Wohnungen durch Schimmelpilze. Damit kam auch verstärkt die Diskussion auf, ob neben den materiellen Schäden auch gesundheitliche Gefahren für die Bewohner verbunden sind. Das folgende Papier soll eine Übersicht zu Quellen und Ursachen der Schimmelbildung geben und den Stand der Forschung über Risiken und Folgen für die menschliche Gesundheit geben. Auf Details über bauphysikalische Zusammenhänge wird weitestgehend verzichtet, da hierzu Literatur in großem Umfang vorliegt. 

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1. Schimmelpilze - Vorkommen und Lebensweise

Schimmelpilze sind Mikroorganismen des "täglichen Lebens". Man findet sie im Erdboden, auf abgestorbenen Pflanzen und gelegentlich auch im Wohnbereich und auf Lebensmitteln. Als Vertreter der sehr artenreichen Gruppe der Pilze besitzen sie kein Chlorophyll und sind somit nicht zur Photosynthese fähig. Ihren Kohlenstoff- und Energiebedarf decken sie durch den Abbau toter organischer Substanzen (saprophytische Lebensweise). Zusammen mit anderen Pilzen und mit Bakterien tragen sie wesentlich zur Verrottung organischer Materie bei und leisten so einen unerläßlichen Beitrag zum Stoffkreislauf unseres Ökosystems.

Die überaus wichtige Fähigkeit des Bioabbaus kann jedoch auf Baumaterialien und Lebensmitteln zu beträchtlichen Schäden führen. In feuchter Umgebung können Schimmelpilze auf fast allen organischen Substraten wachsen. Sie verändern und zersetzen ihre Substrate durch die Ausscheidung von Enzymen und können aus einfachen Vorstufen komplizierte chemische Substanzen bilden. Die Biotechnologie bedient sich dieser Stoffwechselvielfalt und setzt Schimmelpilze gezielt ein in der Antibiotikaproduktion, der Lebensmittelherstellung (Edelschimmelkäse) und in der Produktion organischer Säuren und Enzyme. Bestimmte Arten scheiden toxische Stoffwechselprodukte, sog. Mykotoxine, aus. Unbeabsichtigter Verzehr verschimmelter Nahrungs- und Futtermittel kann daher bei Mensch und Tier akute und chronische Vergiftungen bis hin zu Krebserkrankungen auslösen.

 
 

Quelle: gsf

A: Hyphenzelle eines Ascomyceten; a = Zellwand, Außenwand der Hyphe; b = endoplasmatisches Retikulum; c = Golgi-Apparat; d = Mitochondrium; e = Kernmembran; f = Nukleolus; g = Zellkern; h = Ribosomen; i = Plasmalemma; j = Hyhenquerwand (Septum) mit Querwandporus (Müller, Loeffler 1992)

B: Hyphenformen; unseptierte Hyphe (links), septierte Hyphe (rechts) (Schlegel 1985)

C: Pilzmyzel; hier von Mucor nucedo mit Sporangiophoren und anhaftenden Wassertröpfchen (Webster 1983)

Abb. 1: Morphologische Grundstrukturen von Schimmelpilzen (Aus: Webster 1986)
 

Der Vegetationskörper der Schimmelpilze besteht aus fädigen, meist 5 bis 10µm dicken Hyphen, die insgesamt das sogenannte Mycel bilden. Vermehrung und Verbreitung erfolgen über ungeschlechtlich gebildete Sporen, die häufig in großen Mengen an die Luft abgegeben werden. Die umgangssprachliche Bezeichnung "Schimmelpilz" ist kein systematischer Begriff, sondern bezieht sich auf den pelzigen Belag, mit dem manche Pilze ihre Substrate überziehen. Bekannte Vertreter sind Penicillium (Pinselschimmel), Aspergillus (Gießkannenschimmel), Fusarium und die Schwärzepilze Cladosporium und Alternaria. Hefen (Sproßpilze) und die parasitischen Hautpilze werden nicht zu den Schimmelpilzen gerechnet.

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2. Quellen und Ursachen für Schimmelbildung in Wohnräumen

Pilzsporen sind ubiquitär vorkommende Bestandteile der Außenluft. In den Sommermonaten geben bei trockener, warmer Witterung vor allem die Schwärzepilze große Sporenmengen in die Luft ab. Die Sporen der Außenluft finden sich entsprechend dem saisonalen Verlauf auch regelmäßig in Innenräumen. Diese normalen Anflugsporen haben bei intakter baulicher Wohnraumsituation keine Chancen zur Auskeimung. Gesundheitliche Relevanz erlangen sie erst, wenn die Innenräume Entwicklungsbedingungen für Schimmelpilze bilden. Ist die Innenkonzentration höher als die Außenkonzentration, befindet sich eine "Quelle" im Raum.

Für das Wachstum von Schimmelpilzen sind vor allem zwei Faktoren von Bedeutung:

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2.1 Feuchtigkeit und Schimmelbildung

Schimmelpilze benötigen zum Wachstum eine relative Luftfeuchte von 65 - 85% und eine Substratfeuchte von 15 - 18 %. In Innenräumen besiedeln sie daher vorwiegend Keller, Bäder, Fensternischen, Klimaanlagen, Luftbefeuchter, Topfpflanzen und Lebensmittel.

Hohe Feuchtigkeitsgehalte in Wohnräumen können bauliche und nutzungsbedingte Ursachen haben. Im Gegensatz zu den früher verwendeten Baumaterialien (Ton, Lehm, Kalkputz) können moderne Baustoffe wie Beton oder Polystyrol nur beschränkt Wasserdampf aufnehmen und durchlassen. Farbanstriche und Tapeten haben ebenfalls hohe Kunststoffgehalte, besitzen also im Vergleich zu Kalk- Kreide- oder Lehmfarben auch kaum feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften. Ein Luftaustausch, wie er bei alten, einfach verglasten Fenstern selbst in geschlossenem Zustand noch möglich war, ist bei Isolierverglasungen weitestgehend unterbunden. Ohne gezielte Lüftung führt die deutlich verbesserte Isolation von Gebäuden zu erhöhter Luftfeuchtigkeit im Raum und zur Kondenswasserbildung an kalten Oberflächen. Schimmelpilze besitzen eine Vielzahl potenter Enzyme und können feuchte Wände, Tapeten und Holz als Nährstoffquelle verwenden. Da sie zudem in einem sehr weiten Temperaturbereich wachsen können, finden die meisten Schimmelpilze in feuchten Innenräumen geeignete Lebensbedingungen vor.

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2.2 Spezielle Streuherde für Schimmelpilze

Eine häufige Verbreitungsquelle für Schimmelpilze sind Klimaanlagen, vor allem in Verbindung mit Luftbefeuchtung. Hier treten auch in Bezug auf bakterielle Infektionen immer wieder Probleme auf. Bei mangelhafter Wartung und Hygienekontrolle wachsen die Pilze durch die Filtermaterialien und gelangen in die Raumluft.

Unabhängig von der baulichen Situation können Biomüll, verdorbene Lebensmittel und die Erde von Zimmerpflanzen spezielle Streuherde für Schimmelpilze im häuslichen Bereich bilden. So kann Topfpflanzenerde (besonders auf Fensterbänken über der Heizung) konstant beträchtliche Mengen Pilzsporen an die Umgebungsluft abgeben. Ähnliches gilt auch für tagelang gelagerten Biomüll oder Kleinkomposter auf Balkonen.

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3. Gesundheitliche Relevanz luftgetragener Schimmelpilze

Die Sporen von Schimmelpilzen können frei als Bioaerosol oder an Staubpartikel gebunden sein und gelangen so in den Atemtrakt des Menschen. Für gesunde Personen ist die Inhalation luftgetragener Schimmelpilze normalerweise nicht gefährlich. Als eine der wichtigsten Eintrittspforten für potentiell schädliche Organismen besitzen die Atemwege wirkungsvolle Selbstreinigungsmechanismen. Bei Überbelastung oder Vorschädigung des Systems (z. B. durch Rauchen) können diese Mechanismen jedoch beeinträchtigt werden oder gar versagen. Schimmelpilze können, wie andere biologische Verunreinigungen der Innenraumluft, zu verschiedenen Erkrankungen führen:

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3.1 Allergien

Die häufigsten Allergene werden über die Atemluft aufgenommen. In Innenräumen sind es vor allem Tierhaare, Hausstaubmilben und Schimmelpilze. Bei allergisch veranlagten Personen führen Sporen und Mycelteile zu Allergien an den Schleimhäuten der Augen und des Atemtraktes wie Rhinitis, Sinusitis, Konjunktivitis, hyperreagibles Bronchialsystem und Asthma bronchiale. Asthma ist die Hauptmanifestation von Schimmelpilzallergien, da Pilzsporen mit einem Durchmesser <10µm direkt in den Bereich der Bronchiolen gelangen. Allergien gegen Pilze in Innenräumen lösen typischerweise ganzjährige Symptome aus.

Etwa 10 % der Personen mit Atemwegserkrankungen und etwa 30 % der Atopiker haben eine Allergie auf Schimmelpilze. Pilzsporensensitive Patienten reagieren in der Allergietestung meist auf mehrere Inhalationsallergene (Milben, Tierepithelien) und auf verschiedene Pilzextrakte. Eine alleinige Sensibilisierung gegen eine Sporenart ist selten.

Seltene Krankheitsbilder sind die allergische bronchopulmonale Aspergillose und die exogen-allergische Alveolitis. In einigen Fällen von chronischem Asthma bronchiale werden die inhalierten Sporen nicht aus den Atemwegen eliminiert, sondern bleiben als Saprophyten in den Bronchien. Die ständige Aussaat von Antigenen und die damit verbundene Immunreaktion führt zum Krankheitsbild der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose. Die exogen-allergische Alveolitis, eine Entzündung der Lungenbläschen, setzt eine längerfristige und massive Allergenexposition voraus und ist daher meist beruflich bedingt. Gelegentlich kann aber auch eine unauffällige, konstante Exposition im häuslichen Bereich (z. B. durch feuchte Bodenbeläge und Wände) eine exogen-allergische Alveolitis auslösen.

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3.2 Toxische Reaktionen

Einige Schimmelpilze können Gifte - Mycotoxine - bilden und an das Substrat abgeben. (Jedes spontan verschimmelte Lebensmittel muß daher als potentiell giftig angesehen werden und darf keinesfalls verzehrt werden.). Mykotoxine finden sich aber auch in den Sporen und Hyphen und können lokal zu Reizungen an den Schleimhäuten der Atemwege führen. Daneben besteht die Möglichkeit, daß inhalierte Mycotoxine nach Übergang in den Blutkreislauf auch toxische Effekte auf die verschiedensten Organe entfalten können. Über die Wirkungen bei inhalativer Aufnahme liegen jedoch bisher kaum Erkenntnisse vor. Beispiele für innenraumrelevante Mycotoxine sind Trichothecene mit Wirkungen u. a. auf das Immunsystem und Fumigatoxin (von Aspergillus fumigatus) mit toxischen Effekten auf den Atemtrakt. Ein Bestandteil der Pilzmembran - das 1,3-beta-Glucan - hat entzündungsfördernde Eigenschaften.

Schimmelpilze produzieren eine Reihe flüchtiger organischer Verbindungen, von denen einige für den typischen "erdigen" bis "muffigen" Schimmelpilzgeruch verantwortlich sind. Es handelt sich um komplexe Mischungen aus Alkoholen, Ketonen, Terpenen und aromatischen Verbindungen, die auch als eine der möglichen Ursachen für unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen und Schleimhautreizungen diskutiert werden.

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3.3 Infektionen

Bei abwehrgeschwächten Personen können - an sich harmlose - Schimmelpilze durch Besiedelung schwere Infektionen (Mykosen) hervorrufen. Nur sehr wenige Schimmelpilze sind in der Lage, bei Körpertemperatur zu wachsen und die Nährstoffe des Körpers in parasitischer Weise zu nutzen. Zu diesen fakultativ pathogenen Schimmelpilzen gehören Aspergillus fumigatus und Vertreter der Köpfchenschimmel (Mucorales). Schimmelpilzmykosen entstehen meist über die Atemorgane und sind immer opportunistischer Natur, d. h., sie setzen eine deutliche Verminderung der Immunabwehr voraus. Hierzu gehört in erster Linie die Immunsuppression nach Organtransplantation und die zytostatische Behandlung von Tumoren. Daneben können auch chronische Lungenerkrankungen, Diabetes und schwere Infektionen die Invasion von Schimmelpilzen begünstigen.

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3.4 Diagnostik

Die Probennahme und Bestimmung von Schimmelpilzen in der Luft erfolgt meist über Luftkeimsammler und anschließende Kultur auf speziellen Nährböden. Dabei werden in erster Linie Arten erfaßt, für die geeignete Kulturmedien vorhanden sind. Die Angaben beziehen sich dann auf koloniebildende Einheiten pro m3 Luft (KBE/m3). Verschiedene Sammelgeräte und Kulturbedingungen können hinsichtlich Gesamtkeimzahl und Artenspektrum sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern. Die Meßverfahren werden derzeit standardisiert. Zur Beurteilung der Sporenbelastung in Innenräumen sind immer vergleichende Messungen der Außenluft vorzunehmen.

Alle Maßnahmen der Allergiediagnostik verfolgen das Ziel, die für Sensibilisierung und Erkrankung ursächlich verantwortlichen Allergene zu identifizieren. Leider ist die Identifizierung der Schimmelpilzallergene gegenwärtig noch mit zahlreichen Problemen behaftet, so daß z. T. gravierende Widersprüche zwischen dem aktuellen Krankheitsbild und den Laborergebnissen auftreten. Als Hauptursache für die individuellen Unterschiede wird die Variabilität der verwendeten Allergenpäparate gesehen.

 

Tab. 1: Sporenkonzentrationen in Innenräumen (KBE/m³)
 

Bereich
Mittelwerte

Raumtyp,
Besonderheiten

Autor

36 - 309

12 - 2000

6 - 111

3 - 904

155

291

42

73

Schule - ohne Teppiche

Schule - mit Teppichen

Büro - ohne Teppiche

Büro - mit Teppichen

Graveson, S.: Acta Allergol. 3: 337-354 (1972)

1040

(1306)

 

Schulen

(Außenluft)

Dungy C. et al.: Annals of Allergy 56:218-221 (1986)

62 - 7332

645

belastete Wohnungen

Sept./Okt.

Fischer, P. et al.: Indoor air conference, London, 
439-445 (1988)

55 - 1512 

(< 120)

233

belastete Wohnungen

(Außenluft)

Holmberg, K.: Indoor air `87, Berlin, 637-642 (1987)

13 - 1117

(6 - 120)

20 - 740

 

(2 - 466)

254

(40)

134

 

(107)

belastete Wohnungen Nov.-April

(Außenluft)

belastete Wohnungen Mai - Okt.

(Außenluft)

Senkpiel, K., Ohgke, H.: 

Gesundheits-Ing. 113: 

42-45 (1992)

Belastete Wohnung: die Bewohner klagen über anhaltende Atembeschwerden

 

Molekularbiologische Techniken, wie Gensonden oder Polymeraseketten-Reaktion (PCR), zum empfindlichen Nachweis von Schimmelpilzen in Staub-, Filter- und Biomüllproben sowie in klinischen Untersuchungsmaterialien sind in Entwicklung. Hauptvorteil dieser Methoden ist der Direktnachweis der Organismen im Untersuchungsmaterial auch bei geringen Keimzahlen.

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3.5 Gesundheitsrisiko "Schimmelpilze"

Epidemiologisch wird eine Assoziation zwischen feuchten Wohnungen, Milben und/oder Schimmelpilzen und Atemwegserkrankungen der Bewohner beobachtet. Genaue Aussagen über das Gesundheitsrisiko, das von Schimmelpilzen in Innenräumen ausgeht, sind derzeit nicht möglich, da zahlreiche weitere Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen: Die individuelle Empfindlichkeit, weitere biologische Verunreinigungen, chemische Schadstoffe, Tabakrauch u. a. Daneben sind Schimmelpilze immer auch ein Indikator für das Vorkommen von Milben und Bakterien sowie generell für ungesundes Raumklima. Das Wachstum von Schimmel in Wohnräumen ist auf alle Fälle unerwünscht und wenn immer möglich zu vermeiden.

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4. Maßnahmen zur Bekämpfung von Schimmelpilzen

4.1 Bauliche Maßnahmen

Mangelhafte Dämmung der Außenteile eines Baukörpers führt zu kalten Innenwänden und Niederschlag von Kondenswasser. Außenwände und Decken zu nicht geheizten Stockwerken sollten daher isoliert sein. Bei Altbauten ist eine Außendämmung als nachträgliche Maßnahme der Innendämmung vorzuziehen. Ist der Wärmeschutz der Außenwände ungenügend, sollten diese frei bleiben, um die Luftzirkulation nicht zu behindern. Bei Einzelmöbeln ist ein Wandabstand von 5 bis 10 cm zu empfehlen, Einbauschränke gehören gar nicht an feuchte Wände.

Die Notwendigkeit einer Klimaanlage sollte restriktiv abgewogen werden, da in Innenräumen bei Einhaltung angemessener Temperaturen auch die Luftfeuchte im mittleren Bereich von 30 - 65% gehalten werden kann. Die Achillesferse von raumlufttechnischen Anlagen (RTL-Anlagen) ist dabei die Luftbefeuchtung. Ist eine Luftbefeuchtung in Innenräumen zwingend erforderlich, so sollten nur solche Systeme eingebaut werden, die aufgrund ihrer Betriebsweise ein mikrobielles Wachstum erschweren (z. B. Dampfbefeuchter). Alle RTL-Anlagen müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Die Wartungsmaßnahmen sollten durch eine externe hygienisch-mikrobiologische Kontrolle überprüft werden.

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4.2 Nutzungsorientierte Maßnahmen

Richtiges Lüften:

In einem 4-Personen-Haushalt werden täglich ca. 15 l Wasser an die Raumluft abgegeben, die bei unzureichendem Luftaustausch gespeichert werden. Um den überschüssigen Wasserdampf aus der Wohnung zu entfernen, sind je nach Jahreszeit recht unterschiedliche Luftwechselraten erforderlich.

Da kalte Luft wesentlich weniger Wasserdampf aufnehmen kann als warme Luft, ist die Außenluft im Winter stets trockener als die Luft in beheizten Wohnräumen. Im Winter reicht es daher, alle zwei Stunden einmal durchzulüften (Luftwechselrate = 0,5/Std), um die Luftfeuchtigkeit um 50 % zu halten. Bei Außentemperaturen über +5°C steigt der Lüftungsbedarf stark an, da pro Luftwechsel immer weniger Dampf abgeführt werden kann.

Aber: Richtiges Lüften hilft gegen Schimmelpilzwachstum in der Wohnung, reduziert jedoch nicht automatisch die Allergenkonzentration. So kann in der Sporensaison (August bis Oktober), wenn auf den Feldern die Schwärzepilze ihre großen Sporenmengen freisetzen, durch Lüften die Exposition gegen Schimmelpilze der Außenluft ansteigen.

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Ausstattung und Hygiene:

Holzverschalungen und zellulosehaltige Tapeten sind nicht für Naßräume geeignet. Hier ist besonders auf Sauberkeit und gründliche Lüftung zu achten.

Wohnräume dürfen nicht zu Gewächshäusern werden. Auch in trockenen Räumen ist Blumenerde ein geeigneter und natürlicher Standort für Schimmelpilze. Bei immunschwachen Personen oder bei einer nachgewiesenen Allergie gegen Schimmelpilze sollte auf Pflanzen in Schlafräumen ganz und in Wohnräumen weitgehend verzichtet werden. Dasselbe gilt für die Haltung von Vögeln, da Vogelkot große Mengen von Sporen enthalten kann. Um weitere Streuquellen zu vermeiden, sollten verschimmelte Lebensmittel sofort weggeworfen und Abfallbehälter täglich geleert und gereinigt werden. Müllbehälter mit organischem Material gehören auch nicht auf den Balkon oder die Terrasse. Generell sollten die Wohnungen möglichst schmutzfrei gehalten werden, um den saprophytären Schimmelpilzen die Nahrungsquellen zu entziehen.

Sporen von außen, die in die Wohnung "gelüftet" werden, sedimentieren und werden mit den normalen Reinigungsmaßnahmen entfernt, bevor sie keimen können. Für Allergiker sind Staubsauger mit einem wirksamen Auslaß-Staubfilter zu empfehlen. Da Allergien gegen Schimmelpilze fast immer an weitere Inhalationsallergien (z. B. gegen Hausstaubmilben, Tierhaare) gekoppelt sind, gelten darüber hinaus die allgemeinen Empfehlungen für Allergiker: Keine Staubfänger, allergendichte Matratzenhüllen, keine Haustiere etc.

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4.3 Beseitigung von Quellen

Die Sanierung von schimmelpilzbefallenen Bauteilen ist schwierig und erfordert fachmännisches Vorgehen. Bei Wänden müssen nicht nur Tapeten, sondern auch Putz und Fugenmörtel tief entfernt und erneuert werden. Mittlerweile sind fungizide Anstriche erhältlich, die über eine entsprechende Mineralsalzzusammensetzung das Pilzwachstum verhindern und toxikologisch unbedenklich sind. Verschimmelte Teppiche u. ä. sollten entsorgt werden. Isolierte feuchte Stellen und Risse können mit speziellen Pilzreinigungsmitteln behandelt werden. Risse in Wänden und Fließenfugen sind anschließend sorgfältig abzudichten. Auf keinen Fall sollte man schimmlige Stellen chemisch behandeln, ohne die Schadensursache (Kältebrücken etc.) zu beheben.

Da bei Sanierungsmaßnahmen mit einer besonders hohen Sporenbelastung der Luft gerechnet werden muß, sollten sich Allergiker von derartigen Tätigkeiten fernhalten.

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Literatur

Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände e.V. (1995): Feuchtigkeit und Schimmelbildung in Wohnräumen. Bonn

Helbling, A., Reese, G., Horner, W.E., Lehrer, S.B. (1994): Aktuelles zur Pilzsporen-Allergie.
Schweiz. Med. Wochenschr. 124:885-892

Kommission Innenraumlufthygiene des Umweltbundesamtes (1995): Biologische Innenraumluftverunreinigungen. Bundesgesundheitsblatt 7:284-287

Müller, E. und Loeffler, W. (1992): Mykologie. Thieme Verlag (Stuttgart/New York) 5. Aufl.

Robert Koch-Institut (1995): Robert-Koch-Institut empfiehlt, Schimmelpilz-Streuquellen im Haushalt zu vermeiden. - Pressemeldung 19/95

Schata, M. und Schumacher, J (1995).: Schimmelpilze - Relevante Innenraum-Allergene.
Allergologie 18:531-538

Sengpiel, K. & Ohke, H. (1992): Beurteilung der "Schimmelpilz"-Sporenkonzentration der Innenraumluft und ihre gesundheitlichen Auswirkungen. - In: Gesundheitsingenieur - Haustechnik, Bauphysik, Umwelttechnik 113, H.1:42-45

Wanner, H.-U. (1994): Biologische Verunreinigungen in der Raumluft. Allergologie 17:526-529

Wichmann, H. E., Wyst, M. und Heinrich, J. (1995): Innenraumbelastungen, Asthma und Allergien. Allergologie 18: 482-494 (1995)

Wissenschaftsladen Gießen (1994): Nasse Wände - Schimmel in Wohnräumen. Gießen

 

Verfasser: Christa Lemmen und Prof. Dr. W. Mücke

Redaktion: Ulrike Koller

© GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Umweltberatung Bayern, Ingolstädter Landstraße 1,
und
©Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen

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