Leitbild
Stand: Januar 2009

 

1 Definition

„Leitbilder zeigen das Selbstverständnis einer Organisation und ihrer Mitarbeiter über die Arbeitsziele und deren Umsetzung in der Praxis. Sie sind ein Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung und Selbstverpflichtung für die Gewährleistung einer effektiven und effizienten Leistungserbringung. Leitbilder verstehen sich als Positionsbestimmungen in einem Prozess, der eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung an Veränderungen notwendig macht.“ (J. v. Troschke 1998)

 

2 Vorwort

„Wir wollen mit unserer Arbeit das Geld des Bürgers wert sein. Unsere Aufgaben wurden zu allen Zeiten öffentlicher Gesundheitspflege hinterfragt und immer wieder bestätigt. Wir sind stolz auf eine Tradition, die sich über die grundlegenden Schriften der Neuzeit (Johann Peter Frank, 1745 - 1821), den Gesundheitsmagistrat des Mittelalters (Beschluss des venezianischen Senats vom 7.1.1486) und die Hygieneerrungenschaften des Altertums (Wasserversorgung, öffentliche Bäder und Kanalisation in Rom) zurückführen lässt bis zur Infektionsprophylaxe im Volk Gottes (3. Mose 13). Wir sind davon überzeugt, dass der öffentliche Gesundheitsdienst für die Bevölkerung unverzichtbar ist. Als Steuerzahler stehen auch wir hinter den Bestrebungen des Staates, die Verwaltung zu straffen und Aufgaben abzubauen oder zu privatisieren, wenn andere besser oder billiger sind. Wir leiden mit dem Bürger und der Wirtschaft unter der kostenträchtigen Überreglementierung auch in unserem Bereich und setzen uns für günstigere und einfachere Lösungen ein, ohne unsere Ziele zu gefährden.“ (V. Juds 2002)

3 Grundlagen

Unser Gesundheitsamt ist der bürgernähste Teil des öffentlichen Gesundheitsdienstes und gehört zur staatlichen Verwaltung im Landratsamt. Wir betrachten uns als Hausarzt unseres Landkreises und bieten der Bevölkerung spezifische Leistungen im Gesundheitswesen an. Als bayerisches Gesundheitsamt begründen wir unsere Tätigkeit auf dem Gesundheitsdienst- und Verbraucherschutzgesetz (GDVG) und weiteren einschlägigen Bestimmungen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Beispielhaft seien genannt das Infektionsschutzgesetz (IfSG), die Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001), das Sozialgesetzbuch (SGB) und das Schwangerenberatungsgesetz (BaySchwBerG).

4 Arbeitsziele

Für uns stehen Gesundheitsfürsorge, -förderung und –schutz der uns anvertrauten Bevölkerung im Vordergrund. Ursprüngliches Ziel des öffentlichen Gesundheitsdienstes war und ist die Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten (Infektionsschutz). Dem dienen auch unsere Hygienekontrollen in allen Bereichen und Einrichtungen des öffentlichen Lebens sowie unsere Impfkampagnen. Wir beobachten und bewerten die Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit auf der Basis wissenschaftlicher und technischer Standards und setzen uns gegebenenfalls für Abhilfemaßnahmen ein (Umwelthygiene). Wir klären die Bevölkerung in Fragen der körperlichen, geistigen und seelischen Gesundheit auf und beraten sie über Gesunderhaltung und Krankheitsverhütung (Gesundheitsförderung). In einem offenen und dauerhaften Dialog versuchen wir, durch wissenschaftsbasierte Informationen und Überzeugungsarbeit die persönliche Kompetenz und Eigenverantwortlichkeit der Menschen für ihre Gesundheit zu fördern. Im Rahmen der staatlichen Aufgabenzuweisung leisten wir einen Beitrag zur gesundheitlichen Beratung und Versorgung von gesundheitlich und sozial benachteiligten Personengruppen (Gesundheitsfürsorge). Wir planen, koordinieren, vernetzen und unterstützen gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen (z.B. Selbsthilfe und bürgerschaftliches Engagement). Als Vertrauensarzt des Staates führen wir amtsärztliche Untersuchungen durch und nehmen gutachterlich Stellung zu verschiedenen medizinischen Fragen (Amtsärztlicher Gutachtendienst). Wir informieren und beraten Verwaltung und Politik über unsere Erkenntnisse, damit diese durch entsprechendes Handeln für gesundheitsförderliche Lebenswelten sorgen (Gesundheitsberichterstattung).

5 Serviceziele

Wir sind uns stets bewusst, dass der Steuerzahler und damit jeder Bürger unseren Arbeitsplatz trägt und erhält. Er hat Anspruch auf kundenorientierte und qualitativ hochwertige Dienstleistungen, die für ihn nachvollziehbar sind. Gesundheitsbezogene Anfragen werden fachkompetent, umfassend, verständlich und zeitnah beantwortet. Unser Handeln basiert auf ethischen Werten. Empfehlungen und Entscheidungen des Gesundheitsamtes, insbesondere bei Konflikten zwischen den Interessen einzelner Bürger und denen der Solidargemeinschaft bzw. des Staates werden sorgfältig begründet und verständlich erklärt. Wir nehmen unsere Kunden ernst und gehen auf ihre Anliegen ein. Wir bieten eine nachvollziehbare Termingestaltung, verlässliche Präsenz, Vermeidung überflüssiger Wartezeiten und termingerechte Bearbeitung. Wir sorgen für eine freundliche und hilfsbereite Atmosphäre und klare Orientierung der Besucher im Hause. Wir wahren Vertraulichkeit und Datenschutz und respektieren die Privatsphäre anderer. Wir verwenden eine allgemein verständliche Sprache und helfen denen, die Schwierigkeiten haben, Vorschriften und gesetzliche Vorgaben in ihrer Bedeutung zu verstehen. Wir arbeiten lobbyfest, wissenschaftsbasiert und transparent. Als interessenunabhängige Organisation versuchen wir in unserer Öffentlichkeitsarbeit, dem medizinischen Laien in der Vielzahl widersprüchlicher Informationen verlässliche und überzeugende Orientierungshilfen an die Hand zu geben. Mit dem umfassenden Angebot in unserer Homepage stellen wir uns ständig der Kritik aller Internetbesucher.

6 Qualitätsmanagement

Wir wollen gute Leistung für gutes Geld und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten erbringen. Wir möchten nicht nur die richtigen Dinge tun, sondern sie auch richtig machen. Dazu gehören Kundenorientierung, Einbeziehung aller Mitarbeiter sowie ständige Verbesserungsprozesse. Durch effektiven und effizienten Einsatz der vorgegebenen Ressourcen wollen wir zu einer Sicherung und Verbesserung des Gesundheitszustandes unserer Bevölkerung beitragen. Wo immer möglich nutzen wir die Instrumente und Methoden des Qualitätsmanagements. Uns ist klar, dass wir auf die Strukturqualität, also die Personal- und Finanzausstattung, nur geringen Einfluss haben. Umso mehr müssen wir durch Kooperation mit anderen Institutionen des Gesundheitswesens deren Erfahrungen und Ressourcen sowie Synergieeffekte nutzen und uns aktiv auf den jeweiligen Stand der Wissenschaft bringen. Entscheidend können wir die Prozessqualität beeinflussen, also die täglichen Arbeitsabläufe und den Umgang mit Bürgern und Behörden. Zur Erfassung der Ergebnisqualität, also des Nutzens, den die Bevölkerung von all unseren Bemühungen tatsächlich hat, sind wir auf die Instrumente zur Evaluation angewiesen, die Forschung und Wissenschaft entwickeln. Bedingt durch die relativ kleine Bevölkerungszahl unseres Landkreises sind allerdings besonders bei eher seltenen Merkmalen statistisch valide Vergleichsdaten kaum zu erwarten. Ebenfalls durch unser kleines Amt bedingt können Qualitätszirkel der einzelnen Berufsgruppen, die Entwicklung von Leitlinien und Qualitätsstandards, die Durchführung von Ringversuchen und Studien sinnvollerweise nur auf höherer Ebene stattfinden. Damit wir uns mit unseren Leistungen im Vergleich behaupten können, wollen wir ein hohes Maß an Steuerungstransparenz und fachlicher Innovationsfähigkeit erreichen (Benchmarking).

7 Arbeitsstil

Wir pflegen die interdisziplinäre und multiprofessionelle Zusammenarbeit. Die verschiedenen Berufsgruppen achten sich in ihrer Sachkompetenz. Teamarbeit hat einen hohen Stellenwert. Wir unterstützen einen kooperativen Führungsstil. Wir fördern kreatives, selbst verantwortliches Handeln. Wir schaffen die Rahmenbedingungen und Spielregeln, um diese Arbeitskultur zu unterstützen. Wir informieren uns gegenseitig regelmäßig und kommunizieren offen und fair miteinander. Entscheidungen gestalten wir nachvollziehbar und transparent, wobei wir uns frühzeitig und deutlich einbringen. Wir beteiligen uns aktiv an der Erprobung neuer Arbeitsformen und –inhalte und stellen unsere Erfahrung im überörtlichen Austausch partnerschaftlich zur Verfügung. Soweit möglich kooperieren wir mit anderen Anbietern gesundheitsbezogener Dienstleistungen. Wir bedienen uns intensiv der elektronischen Informationstechnologie bei Datenspeicherung und Kommunikation mit Bürgern und Behörden. Soweit uns die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben überhaupt Raum dafür lassen, setzen wir uns jährlich Zielvereinbarungen für besondere Schwerpunkte (z.B. Steigerung der Durchimpfungsraten bei unseren Schülern, was später zu verifizieren sein wird). Wir erwarten von unserem Arbeitgeber motivationsfördernde Personalentwicklungsmaßnahmen samt entsprechender Fortbildung sowie mehr Freiräume für eigenverantwortliches Handeln.


 

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