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Erkennungsmerkmale und Hinweise bei
eingeschränkter Sehfähigkeit
Informationen für Lehrer aller
Schularten
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Eine eingeschränkte
Sehfähigkeit wird oft sehr spät bemerkt, da sie sehr häufig nicht als solche erkennbar
ist. Sie kann jedoch verschieden zum Ausdruck kommen.
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Mit
einem Sehtest sollten grundsätzlich alle Schüler geprüft werden, die
Lernschwierigkeiten und/oder motorische Probleme haben. |
Die wesentlichen
Erkennungsmerkmale für eine eingeschränkte Sehfähigkeit kann man in drei Bereiche
einteilen. Beobachten Sie daraufhin Ihre Schüler. Gegebenenfalls sollte im Einvernehmen
mit den Erziehungsberechtigten eine Überprüfung der optischen Fähigkeiten vorgenommen
werden.
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Pädagogische
Auffälligkeiten |
- Falsches Abschreiben von der
Tafel; Zeile verlieren; doppeltes Abschreiben von Zeilen von der Tafel;
Orientierungsprobleme an der Tafel
- Schwierigkeiten beim Lese- und
Schreiblehrgang. Der Schüler nimmt alles ganz nah an die Augen heran. "Schreiben mit
Nase". Übermäßig großes oder sehr kleines Schriftbild
- Schlechte Schrift; Nichtbeachten
der Linien; bevorzugt beim Schreiben dicke Linien und Filzstifte
- Schiefe Kopfhaltung beim Fixieren;
Vorbeiblicken am Partner bei Gesprächen; Blinzeln; Augenzittern
- Übersehen von gesuchten
Gegenständen (Radiergummi, Spitzer), die aber offensichtlich zu sehen sind
- Angestrengter Gesichtsausdruck
beim Betrachten eines Bildes. Gibt falsche Antworten beim Betrachten von
Anschauungsbildern und bei der Beschreibung von Farben und Einzelheiten
- Schnelles Ermüden; häufige
Kopfschmerzen; Brennen der Augen; klagt über Verschwommensehen. Wünscht sich mehr bzw.
Auch weniger Licht
- Schwierigkeiten beim
Leselernprozeß
- Lernunlust und langsames
Arbeitstempo
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Motorische
Auffälligkeiten |
- Steifes, unsicheres Gehen; Halt am
Treppengeländer suchen; Füße werden beim Gehen unnormal hochgehoben, als ob Treppen
gestiegen würden
- Häufiges Stolpern; Anrempeln an
Tischen und Stühlen; häufiges Danebengreifen; weicht Dingen und Personen nicht aus
- Unsicherheiten beim Sport;
ängstliche, gehemmte Bewegungen; zu späte oder gar keine Reaktionen beim Ballspielen;
Angst vor fliegenden Bällen
- Auffälligkeiten beim textilen
Werken und Sachfächern: Einfädeln, Häkeln, Stricken und feinere Arbeiten gelingen nur
mühsam. Arbeitet ungenau; kann Bleistiftstriche nur schwer erkennen. Umrißlinien werden
beim Ausmalen nicht eingehalten.
- Große Unlust oder Versagen bei
Mannschaftsspielen
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Medizinische
Auffälligkeiten |
- Zusammenkneifen der Augen;
gerötete Augen; Reiben und Bohren in den Augenhöhlen; Tränen der Augen; häufige
Kopfschmerzen
- Schräghalten des Kopfes oder
Augenzittern beim Fixieren eines Gegenstandes; Schielen
- Starke Blendempfindlichkeit;
Klagen, daß es im Raum zu hell sei; Abdunkeln des Lichteinfalls, z.B. mit dem Arm (Arm
wird beim Schreiben vor den Kopf gelegt)
- Äußerungen über unscharfes,
verschwommenes Sehen
- Zusammenkneifen der Augenlider
- Scheinbares Vorbeisehen an einem
angeschauten Gegenstand
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Auswirkungen
und Fehlentwicklungen |
- Beeinträchtigung der Mobilität
(Grobmotorik, Feinmotorik, Orientierung)
- Beeinträchtigung der
Selbständigkeitsentwicklung
- Minderung der spontanen
Handlungsfähigkeit des Kindes, die zur Umwelteroberung erforderlich ist
- Einschränkung des kindlichen
Vorstellungsvermögens mangels korrekter Umwelterfahrungen
- Verringerte Aktivität oder
Neigung zur Passivität im Spiel und Arbeitsverhalten
- Verlangsamung des optischen
Wahrnehmungsprozesses
- Entstehung von Fehlvorstellungen
aufgrund mangelhafter Anschauung
- Behinderung des Lernens auf dem
Nachahmungsweg
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Hinweise
für den Unterricht |
Der Gebrauch der Augen schadet
nicht. Je mehr ein Kind seine Augen gebraucht, um so größer wird die visuelle
Leistungsfähigkeit werden.
Wenn das sehbehinderte Kind
Lesematerial sehr an die Augen hält, so kann es auf diese Weise evtl. Am besten lesen. Es
schadet seinen Augen nicht.
Die Augen können durch den
Gebrauch auch nicht überanstrengt werden; es kann allerdings sein, daß die Augen eines
sehbehinderten Kindes schneller ermüden. Licht- und Tätigkeitswechsel hilft.
Abschreiben ist oft ein Problem
für ein sehbehindertes Kind. Es braucht entweder mehr Zeit oder kürzere Aufgaben. Es
sollte ihm gestattet werden, sich vom Sitznachbarn helfen zu lassen.
Es ist oft schwierig für das
sehbehinderte Kind, Arbeitsblätter zu lesen. Es hilft oft, wenn man ihm einen der ersten
Abzüge gibt oder vom Original eine Fotokopie erstellt.
Wenn der Lehrer die Tafel oder
den Overhead-Projektor benutzt, hilft es dem sehbehinderten Kind, wenn er so viel wie
möglich verbalisiert.
Die Tafel muß sauber geputzt
sein. Die Tafelanschrift soll kontrastreich und deutlich sein, Farbkreide (außer gelb)
sollte vermieden werden.
Sehbehinderte Kinder brauchen
einen Sitzplatz möglichst nahe an der Tafel (Karte, Leinwand, Versuchstisch u.ä.). Es
muß ihnen erlaubt werden, von sich aus an die Tafel zu gehen, wenn sie Tafelanschriften
nicht erkennen können.
Genaue Korrektur aller Hefte ist
unbedingt notwendig.
Sehkontrollen sind oft eine
wichtige Hilfestellung. Dabei fragt der Lehrer nach, ob bestimmte Details in Schrift und
Bild erkannt werden.
Blendempfindliche Sehbehinderte
brauchen einen nicht zu hellen Arbeitsplatz.
Besitzt der Schüler eine Lupe
oder andere optische Hilfsmittel, so ist es notwendig, daß der Lehrer auf deren Gebrauch
des öfteren hinweist.
Sehbehinderte sollen als
gleichwertige Klassenmitglieder gesehen werden, denen man aber wegen ihrer Behinderung
spezielle technische und pädagogische Hilfen zukommen lassen muß.
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Sehbehindert
ist gemäß § 3 SVSO: |
Schulen für Sehbehinderte sind
bestimmt für Kinder und Jugendliche, die ihre Vorstellungen zwar überwiegend optisch
aufbauen und sich der Schwarzschrift bedienen können, deren Sehvermögen trotz optischer
Korrektur aber so beeinträchtigt ist,
- daß sie auf dem besseren Auge
oder auf beiden Augen mit Gläserkorrektur, aber ohne besondere optische Hilfsmittel eine
zentrale Sehschärfe von 1/3 bis 1/20 der Norm in die Ferne oder in die Nähe erreichen
- wenn bei einer besseren
Sehschärfe andere Beeinträchtigungen entsprechenden Schweregrades (z.B. Einengung des
Gesichtsfeldes, hohe Blendempfindlichkeit) vorliegen.
Der Nahvisus wird bei einem
Arbeitsabstand von 30 cm festgestellt. Der Nahvisus 1/3 entspricht Nieden 5.
Autor: Sehbehindertenzentrum
Südbayern (Mobile Sehbehindertenhilfe Telefon 089/310 00 10)